Stadtgeflüster: Schaut auf unsere Corona-Frisuren!

Der Bürgermeister hat Angst vorm Rasierer, die Tanzlehrerin verzweifelt am Ansatz und die Kabarettistin hofft auf Profihilfe.

Sindy Hohmann, Mitinhaberin der Tanzschule Köhler-Schimmel, muss noch ein paar Tage länger warten, bis sie ihren Termin beim Friseur hat. "Am 6. Mai bin ich dran", sagte sie jetzt. "Das wird Zeit." Die Tanzlehrerin und Buchhaltungsexpertin trägt seit Jahren eine charakteristische Kurzhaarfrisur mit Färbung, die nur der Profi hinbekomme. "Ich würde mir niemals die Haare selbst kolorieren", sagt Sindy Hohmann. "Da bin ich lieber jetzt einige Wochen lang mit Ansatz durch die Gegend gelaufen." Die Folge der Friseurschließungen wegen der Viruspandemie hatte sich bei Sindy Hohmann so gezeigt: "Ich habe Naturlocken und die kringeln sich umso besser, je länger die Haare werden."


André Donath, Gastronom, hatte mit einem Foto alles ins Rollen gebracht: In der vergangenen Woche postete er im Internet seine Corona-Frisur. Strubbelige Naturlocken auf dem Kopf, einen fast schon rauschenden Bart im Gesicht: Er solle sich nicht so anstellen, hieß es da in einigen Kommentaren im Netz. Es gebe schließlich Haarschneidemaschinen, mit denen man sich die Frisur selbst stutzen könne, stand da. André Donath scheint den Hinweis ernst genommen zu haben. "Die Haare sind wieder ab", verriet er inzwischen. "Ich laufe wieder frisiert durch die Stadt." Doch wie geht es anderen Chemnitzern mit ihrer Corona-Frise?


Miko Runkel, Ordnungsbürgermeister, hat längst keinen Bürstenschnitt mehr. Die Haare rutschen ihm in einer Art Pony ins Gesicht, im Nacken stacheln Fransen in den Hemdkragen. "Da können wir doch schnell mal den Rasierer ansetzen", schlug seine Frau Sibylle nun vor und bekam gleich leuchtende Augen. "Bloß nicht, geh mir weg mit dem Ding da", rief Runkel seine Liebste zur Raison. "Du hast mich damit schon mal verunstaltet!" Vor einigen Jahren, rückte Runkel dann mit der alten Kamelle raus, habe seine Frau ihm für einen Faschingsauftritt schon einmal den Rasierer an den Kopf gehalten. Und da müssen wohl ruckzuck auf einmal mehr Haare futsch gewesen sein als beabsichtigt. "Ich hatte eine regelrechte Tonsur danach", empörte sich Runkel jetzt noch einmal darüber. "Oh, da war er sauer", erinnerte sich auch Sibylle Runkel. "Damals war Miko noch Richter und musste mit der Frisur zu einem Juristenkongress." Ob sie aber nun nicht doch kurz die Schneidemaschine ansetzen dürfe? "Diesmal gehe ich viel vorsichtiger vor", versprach sie. "Nix gibts", wehrte Miko Runkel ab. "Ich habe zum Glück am Montag einen Termin beim Profi."


Gerd Ulbricht, Chemnitzer Kabarettist, darf mit seinen Kollegen derzeit wegen der Coronapandemie nicht auf die Bühne und vor Publikum spielen. Deshalb haben Ulbricht und seine Mitstreiter Zwangspause. Der Kabarettist wurde in den vergangenen Wochen ein bisschen zum Waldschrat. Weil er die Tage nutzte, um auf seinem Grundstück in der Nähe der Kriebstein-Talsperre im Garten klar Schiff zu machen, hielt er eine Rasur nicht für nötig. "Bis ich nach einigen Tagen dachte, in meinem Bart lebt etwas", so Ulbricht. "Das hat vielleicht gekribbelt und gekrabbelt!" Also kam der Bart zunächst wieder ab. Nun startete er einen zweiten Wildwuchs-Versuch. "Und inzwischen habe ich mich ganz gut an die Haare im Gesicht gewöhnt", sagte Gerd Ulbricht. "Bis zum Ende unseres Spielverbotes bleibt der Bart deshalb jetzt dran!"


Kerstin Heine, Ulbrichts Kollegin am Chemnitzer Kabarett, rüttelte am Mittwoch verzweifelt an der Tür des Friseurgeschäftes an der Inneren Klosterstraße: "Lasst mich rein!" Ohne viel toupieren zu müssen, ragten Kerstin Heines Haare inzwischen in alle Richtungen. "Ach, vielleicht lasse ich sie auch einfach wachsen", meinte sie dann. Friseurin Danielle Dähnert meinte aber: "Geduld, liebe Kunden. Wir haben Termine für Euch."


Sandra Hodik, Chefin der Mannequin-Agentur Valentin-O-Models, war selbst lange Fotomodell für Frisuren. Sie weiß also genau, wie sie ihre Haare färben und pflegen kann. Deshalb sah sie auch in den vergangenen Tagen immer tipptopp aus. Und ihre Models? "Die meisten von ihnen stylen sich selbst. Ich habe in den Corona-Wochen, in denen viele Auftritte zum Beispiel beim Fashion-Day in der Innenstadt ausgefallen sind, eher darauf geachtet, dass die Mädels und Jungs regelmäßig Sport machen." Solo-Fotoshootings liefen bisher nämlich trotzdem weiter.

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