Stadthallenpark: Geplanter Radikalschnitt in der Kritik

Das Rathaus will alle Hecken stutzen lassen, damit Licht in dunkle Ecken kommt. Könnte sein, dass die Stadt damit gegen ein Gesetz verstoßen würde.

Ihm ist gestern die Hutschnur hochgegangen, als er vom Vorhaben der Stadt las, die Hecken im Stadthallenpark radikal beschneiden zu wollen, sagt Sergej Sanwald, Vorsitzender der BUND-Regionalgruppe Chemnitz. Dabei könne er das Anliegen der Oberbürgermeisterin, für ein besseres Sicherheitsgefühl sorgen zu wollen, verstehen. "Aber das ist ein gesellschaftliches Problem, das sich nicht mit einer Heckenrasur klären lässt, sondern sich nur verlagern würde", so Sanwald. OB Barbara Ludwig will eine einsehbare Fläche schaffen und dunkle Ecken abschaffen, die derzeit mitunter auch als Drogenumschlagplatz genutzt werden. Sanwald: "Wird dann als nächstes der Stadtpark gerodet?"

Er will seinem ersten Protest noch einen Brief an Ludwig hinterherschicken mit der Forderung, den Stadthallenpark als grüne Insel in der Innenstadt so zu erhalten, wie er ist, kündigt der Regionalgruppen-Chef an. Die Begrenzungshecke zur Brückenstraße, die zwar nicht komplett verschwinden, aber deutlich zurückgeschnitten werden soll, halte Lärm und Abgase ab. Auch der Erholungswert sei nicht zu unterschätzen. Etwa 500 Leute nutzen an schönen Tagen den Park, hat Reiner Amme kürzlich gezählt. Er vertritt als sachkundiger Bürger die Umweltverbände der Stadt im Umweltausschuss. Er spricht von einem "verheerenden Einschnitt und einer Beschädigung der Innenstadt".


Dabei schlägt der Stadtspitze nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten Kritik entgegen. Nach dem Bundesnaturschutz- gesetz ist das Vorhaben der Stadt offenbar gar nicht erlaubt, zumindest nicht im August. Für diesen Monat hatte Ludwig die Radikalrasur angekündigt. Laut Gesetz sind zwischen 1. März und 30. September nur Form- und Pflegeschnitte möglich. Ein Eingriff, wie er im Stadthallenpark erfolgen soll, ist in dieser Zeit verboten. Darauf verweisen sowohl Amme als auch Kathleen Kuhfuß vom Stadtverband der Grünen, die aber grundsätzlich die Grünflächen-Offensive der OB begrüßt.

Auf die Vegetationszeit bis Ende September zu achten, fordert auch die Landesdirektion als übergeordnete Behörde. Sie erklärt zugleich, dass es Ausnahmen geben kann; wenn Gefahren abgewehrt werden sollen und es keine Alternativen gibt. Dann allerdings sei zu prüfen, ob durch "vorausschauende Planung eine zeitliche Verlegung" möglich gewesen wäre. Letztlich sei es die untere Naturschutzbehörde der Stadt, die darauf achten müsse.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    hkremss
    19.07.2016

    @HolgerLischge: Haben Sie Ihre Koffer schon gepackt? Wohin solls denn gehen? Russland? Slowakei? Ungarn? Nordkorea? Hauptsache nicht so bunt? Gute Reise! Übrigens nochChemnitzer hat diesen Nick schon seit Jahren. So richtig kommt er/sie dann wohl doch nicht hier weg.

  • 1
    2
    Steuerzahler
    14.07.2016

    Während man beim Bürger streng auf die Einhaltung aller sinnigen und unsinnigen Vorschriften achtet, ist das offensichtlich den Verantwortlichen egal. Statt für Ordnung zu sorgen, sollen im August Hecken drastisch geschnitten werden. Ob von diesem Rathaus irgend wann einmal noch etwas Vernünftiges kommt? Dem Stadtbild mit seinen verwilderten Grünflächen und Baumscheiben würde es gut tun und viele Chemnitzer müssten sich nicht ihren Gästen gegenüber für das Aussehen ihrer Stadt und die neuerlichen "Gefahrenzonen " schämen.

  • 4
    7
    HolgerLischge
    14.07.2016

    @nochChemnitzer, der Nickname von ihnen ist gut, aus Chemnitz wird man sich über kurz oder lang nur absetzten können. Vielleicht wird es sogar auch bald nötiger sein, selbst über eine Auswanderung aus diesen "wunderschönen, bunten, friedlichen" Deutschland nachzudenken. Ich sehe schwarz für dieses Land, was man kaum in der Presse liest, das die Auswanderung vorallem von gut ausgebildeten Deutschen in den letzten zwei Jahren neue Dimensionen angenommen hat, absolut verständlich für mich.

  • 6
    4
    nochChemnitzer
    14.07.2016

    Seit wann stören denn die Hecken? Seit ca. einem Jahr etwa? Das ist eine Kapitulation vor hausgemachten Problemen.



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