Straße frei - Bus kommt trotzdem nicht

Nach dem Ende von Bauarbeiten dauerte es noch mehrere Tage, ehe wieder alle Haltestellen angefahren wurden. Fahrgäste ärgern sich - und rätseln über die Gründe.

Heinersdorf.

Kaum ein Thema strapaziert die Geduld der Chemnitzer seit einigen Jahren Sommer für Sommer derart wie die Vielzahl an Baustellen auf den Straßen der Stadt. Nervige Staus an Ampeln und bisweilen weiträumige Umleitungen für Autofahrer sind oftmals die Folge. Aber auch Fußgänger haben mit den Sperrungen zu kämpfen. Mitunter sogar länger als nötig wäre.

Zu jenen, die in diesem Sommer ein Lied davon singen können, zählen Anwohner der Siedlung an der Heinersdorfer Straße im Stadtteil Borna-Heinersdorf. Besonders, wenn sie auf den Bus angewiesen sind. Weil die Straße zwischen Autobahn und Auerswalder Straße saniert werden musste und daher voll gesperrt war, blieben sie über mehrere Wochen hinweg vom Nahverkehr abgeschnitten. Statt wie gewohnt bis zur Endhaltestelle Heinersdorfer Straße fuhren die Busse der Linie 23 baustellenbedingt nur bis Bornaer/ Blankenburgstraße und von dort zum Wenden an die Endhaltestelle Glösa an der Chemnitztalstraße.

"Gerade für die vielen älteren Leute hier war das ein echtes Problem", schildert Anwohnerin Petra Meier*. Bis zur nächsten Haltestelle, an der die Busse auf ihrer gewohnten Route Station machten, sei mehr als ein Kilometer Wegstrecke zurückzulegen gewesen. Sie selbst ist ebenfalls auf den Bus angewiesen, um auf Arbeit zu kommen. Besonders ärgerlich: Während der Bauarbeiten stieg Petra Meier schließlich aufs Fahrrad um - und stürzte prompt. Mehrere Wochen war sie krank geschrieben.

Was die betroffenen Heinersdorfer erst recht aufregt: Die Busse fuhren auch dann noch nicht wieder bis zur gewohnten Endhaltestelle, als die Vollsperrung auf der Straße dorthin längst aufgehoben war. "Die Straße war seit Tagen halbseitig frei, Baustellenampeln regelten den Verkehr", schildert Kerstin Klement. Wegen gesundheitlicher Probleme benötigte sie für die Strecke zur nächsten Haltestelle zu Fuß jeweils etwa eine halbe Stunde - mehrere Verschnaufpausen inklusive. Vielleicht war angesichts der Restarbeiten noch nicht genügend Platz für große Linienbusse? Doch, versichert Klement. Selbst schwere Lkw seien dort problemlos durchgekommen.

Warum also fuhren die Busse trotzdem nicht, obwohl das möglich gewesen wäre? Die Chemnitzer Verkehrs-AG nennt mehrere Gründe. Der wichtigste: Das Nahverkehrsunternehmen kann offenbar nicht so flexibel reagieren, wie sich das seine Kunden in solchen Fällen wünschen.

"Im Vorfeld bekannter Baustellen erarbeiten wir intern sogenannte Bedienkonzepte, auf denen eine Reihe von betrieblichen Dokumenten wie Wagenumlaufpläne sowie Fahr- und Dienstpläne aufsetzen", erläutert Unternehmenssprecher Stefan Tschök. "Bei kurzfristig wirksam werdenden früheren Baufreigaben müssten diese Dokumente durch uns neu erarbeitet und in Kraft gesetzt werden, was häufig gar nicht möglich wäre, da dazu ein gewisser zeitlicher Vorlauf notwendig ist."

Hinzu komme, dass den Fahrgästen die veränderte Route nun einmal für einen bestimmten Zeitraum angekündigt worden war. "Wäre sofort nach Freigabe der Straße die alte Linienführung wieder aufgenommen worden, hätte das dazu geführt, dass andere Fahrgäste, die in der Umleitungszeit von und bis Glösa gefahren sind, dort keinen Bus mehr vorgefunden hätten."

All der Ärger, so meinen Kerstin Klement und Petra Meier hätte aber vermieden werden können, wenn - wie bei ähnlichen Bauarbeiten in der Vergangenheit - ein Zubringer-Service angeboten worden wäre, der Fahrgäste von der Endhaltestelle Glösa auf anderem Weg an ihr Ziel in Heinersdorf hätte bringen oder von dort abholen können. Dafür, so CVAG-Sprecher Tschök, hätte sich bei den jüngsten Bauarbeiten aber keine sinnvolle Routenführung finden lassen, angesichts einer Einbahnstraße am Klärwerk Heinersdorf. Überdies sei fraglich, ob der Verkehrsbetrieb ein Unternehmen gefunden hätte, das sich eines solchen Shuttle-Services angenommen hätte. Die der CVAG bekannten regionalen Omnibusunternehmer seien mit ihren Kapazitäten bereits weitestgehend in Auftrag des Unternehmens unterwegs und über eigene Kleinbusse verfüge der Nahverkehrsbetrieb nicht.

*Name von der Redaktion geändert.

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