Straßenbahn-Trassenbau dauert acht Jahre

Verbindung von Chemnitz nach Limbach-Oberfrohna soll Ende des nächsten Jahrzehnts fertig sein - Zukunft des Kellerwiesen-Viadukts offen

Limbach-Oberfrohna.

Wie geht es weiter beim geplanten Bau einer Straßenbahn-Trasse von Chemnitz nach Limbach-Oberfrohna? Der zuständige Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) hat darüber am Montagabend die Limbacher Stadträte informiert. Die "Freie Presse" fasst die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen.

Wie ist der aktuelle Stand der Planungen?

Chemnitz wird Schritt für Schritt per Straßenbahn mit dem Umland verknüpft. Die zuständigen Gremien hätten sich geeinigt, dass die Trasse nach Limbach-Oberfrohna nun in Angriff genommen werden soll, sagte VMS-Infrastrukturleiter Mathias Korda. Die Strecke misst 16 Kilometer und ist die längste Etappe des sogenannten Chemnitzer Modells.

Wo soll die Trasse entlangführen?

Es werden mehrere Abschnitte gebildet. Der erste Teil führt im Chemnitzer Zentrum von der Brücken- über die Theater- und Hartmannstraße bis zur Ermafa-Passage. Dort schließt sich der zweite Abschnitt entlang der Leipziger Straße bis zum Eissportzentrum an. Die dritte Etappe führt von dort bis zum Chemnitz-Center. Vom Einkaufszentrum wird die Route zur alten Bahnstrecke Wittgensdorf-Limbach gebaut. Das letzte Stück verläuft auf dem vorhandenen Bahndamm bis nach Oberfrohna.

Auf welchem Abschnitt ist die Linienführung noch strittig?

Auf der Etappe zwischen dem Chemnitz-Center und der bestehenden Bahntrasse. Eine mögliche Südvariante hatte vor einigen Jahren in Röhrsdorf für wenig Begeisterung gesorgt, unter anderem weil sich der Weg vieler Anwohner zu den Stationen im Vergleich zu den jetzigen Bushaltestellen verlängert hätte. Nun wird geprüft, ob die Strecke stattdessen am Siemens-Standort vorbeiführen und früher auf die bestehende Bahnstrecke einschwenken soll. Laut Korda spielen bei der Entscheidungsfindung neben den Kosten mehrere Faktoren eine Rolle: Wie können Einwohner und Arbeitnehmer am besten erreicht werden? Wie kann eine Lärmbelastung der Anwohner vermieden werden? Und bei welcher Trasse gibt es die geringsten Eingriffe in die Natur?

Wo sind Haltepunkte in Limbach-Oberfrohna vorgesehen?

Nach ersten Überlegungen könnte es Stationen etwa in der Mitte zwischen den Unternehmen Continental und USK, auf Höhe der Burgstädter Straße, am Kellerwiesen-Viadukt, auf Höhe der Pestalozzistraße sowie in Oberfrohna geben. Endgültige Entscheidungen sind nach Kordas Angaben aber erst im weiteren Verlauf der Planungen zu erwarten.

Was passiert mit dem Kellerwiesen-Viadukt?

Auch diese Frage wird laut dem VMS-Vertreter erst in einigen Jahren beantwortet. Es sei denkbar, das Viadukt zu sanieren und als Teil der Trasse zu nutzen. Dann würde sich allerdings die Frage stellen, wo genau und wie man dort eine Haltestelle baut - zumal die Stadtverwaltung perspektivisch gern einen zentralen Busbahnhof auf der Kellerwiese errichten würde. Die zweite Variante ist laut Korda, die Peniger Straße ebenerdig zu queren, also das Viadukt zu umfahren. In diesem Fall gäbe es weit weniger Hürden für den Haltestellen-Bau.

Wird die Strecke auf einmal geplant und gebaut?

Nein. Während ein Abschnitt bereits gebaut wird, sollen für die nächsten die Planungen vorangetrieben werden. Begonnen wird laut Korda im Chemnitzer Zentrum. Der Abschnitt nach Limbach-Oberfrohna wird also erst ganz am Ende realisiert.

Wie lange dauert der Bau der Trasse?

Korda geht von einer Dauer von acht Jahren aus. Er verwies auf das geschätzte Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro. Im Bereich von Straßen sei es erfahrungsgemäß unter anderem wegen begrenzter Planungskapazitäten und dem Aufwand für Umleitungen kaum möglich, pro Jahr mehr als zehn Millionen Euro zu verbauen. Im Bereich der bereits bestehenden Eisenbahntrasse gebe es weniger Restriktionen, dort kann der Bau laut Korda schneller vorangetrieben werden.

Wann soll die Straßenbahntrasse fertig sein?

Bei dieser Frage wollte sich Korda nicht festlegen. Es seien schon viele Termine genannt und dann nicht eingehalten worden, sagte er zur Begründung. Eine vorsichtige Prognose wagte der VMS-Vertreter dann aber doch: "Wir werden an das Jahr 2030 heranrücken." Eine frühere Fertigstellung erscheint angesichts dessen, dass die konkreten Planungen noch gar nicht begonnen haben und der Bau etwa acht Jahre dauern wird, ohnehin kaum möglich.

Was ist der erste Schritt bei den weiteren Planungen?

Zunächst muss die Stadt Chemnitz klären, wie sie in ihrem Bereich Auto- und Straßenbahnverkehr anordnen will. Dazu gehört vor allem die Frage, ob die Straßenbahn in der Mitte der jeweiligen Straßen fahren soll oder an deren Rand. Laut Korda ist vorgesehen, dass der Chemnitzer Stadtrat noch in diesem Jahr entsprechende Beschlüsse fällt. (jop)

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