Streitfall Nahverkehr: Alt gegen Jung bei Bus und Bahn

Noch immer hadern viele Chemnitzer mit dem 2017 eingeführten neuen Liniennetz. Die Diskussionen reichen vom Zeisigwald bis nach Markersdorf.

Sollten bei der Planung des Nahverkehrs die Bedürfnisse älterer Nutzer stärker berücksichtigt werden als die jüngerer? Zwei Jahre nach der Einführung des neuen Liniennetzes wird diese Frage zunehmend kontrovers diskutiert. Nachdem die "Freie Presse" zuletzt über den neuesten Streit um die Buslinie 53 im Stadtteil Markersdorf berichtete, sorgt nun die Linie 51 Zeisigwald-Zentralhaltestelle einmal mehr für Zündstoff.

Deren Linienführung über die Mühlenstraße (statt wie zuvor über die Straße der Nationen) sorgt seit 2017 wie kaum eine andere Neuerung für Proteste bei Fahrgästen. Sie kritisieren, dass wichtige Ziele wie Bus- und Hauptbahnhof oder das Opernhaus nicht mehr direkt erreicht werden können, die Fahrzeit dorthin sich teilweise mehr als verdoppelt hat und mit Umsteigen verbunden ist. Stadt und Nahverkehrsbetrieb CVAG argumentieren, dass durch die neue Strecke das Brühlviertel eine deutlich bessere Anbindung erhält. Sie versprachen aber auch, noch einmal alles Für und Wider abzuwägen.

Das Ergebnis dieser "Evaluierung" wurde den Stadträten nun vorgelegt. Demnach soll auf der Linie 51 alles so bleiben, wie es ist. Umfragen unter Fahrgästen hätten ergeben, dass sich Gegner und Befürworter der neuen Strecke in etwa die Waage halten, heißt es. Zudem seien seit der Umstellung etwas mehr Fahrgäste zu verbuchen und weitere Zuwächse zu erwarten. Alternativrouten, sofern überhaupt möglich, wären jeweils mit Nachteilen für andere Fahrgäste verbunden.

Andreas Wolf-Kather will sich davon nicht entmutigen lassen. Der Stadtrat der Wählervereinigung Volkssolidarität in der Fraktionsgemeinschaft Bündnis 90/Grüne hat mehrere Unterschriftensammlungen von Betroffenen begleitet, die zum Teil nach wie vor andauern. "Festzuhalten bleibt, dass sich sehr viele ältere Bewohner abgehängt fühlen, die auf eine gute Anbindung angewiesen sind", verdeutlicht er. "Das Problem regelt sich nicht durch ein Aussitzen und bleibt auch in Zukunft bestehen, da es immer mehr Senioren geben wird." Das Yorckgebiet, das die Linie51 mit dem Stadtzentrum verbindet, gilt schon heute als der Stadtteil mit dem höchsten Anteil von Senioren - in einer ohnehin überalterten Stadt. In nur etwa jedem zehnten Haushalt dort gibt es Kinder.

In Markersdorf verlaufen die Fronten ganz ähnlich. Dort war die kurzfristige Verlegung einer Haltestelle der Linie 53 von der Straße Am Harthwald zur Arno-Schreiter-Straße mit kürzeren Wegen für Schüler einer Oberschule begründet worden. "Es kann doch nicht sein, dass diese jungen Leute mehr zählen als Ältere und Behinderte, für die sich die Wege deutlich verlängern", empört sich die Bewohnerin eines seniorengerecht ausgebauten Wohnhauses. Auch sie denkt nun über eine Unterschriftensammlung nach.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 9
    6
    gelöschter Nutzer
    24.12.2019

    Splittet doch die Linie 51. Alle zwanzig Minuten über die Mühlenstraße, alle 20 Minuten via Straße der Nationen und Hauptbahnhof zur ZH.



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