Student will Stifterwald in Harthau letzte Rätsel entlocken

In seiner Abschlussarbeit beschäftigt sich Daniel Pech mit der künftigen Nutzung des Forstes. Dafür hat er bereits Informationen gesammelt - doch er will noch mehr wissen.

Harthau.

Mehrfach ist Daniel Pech schon durch den Wald gewandert, hat sich mit den Bäumen und Sträuchern, dem kleinen Bach, der Streuobstwiese, den zwei alten Teichen beschäftigt und so dem Areal am Stadtrand manches Geheimnis entlockt - und doch ist ihm der Stifterwald in Harthau unweit der B 95 bis heute auch ein Rätsel geblieben.

In seiner Abschlussarbeit im Studiengang Landschafts- und Freiraumentwicklung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden will der 26-Jährige ein Konzept zur Nutzung des Areals erstellen, das der Chemnitzer Kinder- und Jugendstiftung Johanneum gehört und vom Sachsenforst bewirtschaftet wird. Doch Daniel Pech schwebt mit Blick auf die Geschichte des Grundstückes am Stadtrand vor, den Wald vor allem für Kinder und Jugendliche erlebbar zu machen. Er nennt ihn Bürgerwald, denn das sollte er nach seinen bisherigen Recherchen auch sein - ein Stück Natur vor allem für die jüngeren Bürger. Dass viele Kinder das Gebiet in früheren Jahrzehnten bevölkerten, daran besteht wohl eher kein Zweifel. Denn direkt am Rand des Grüns entstand Mitte der 1920er-Jahre unter der Leitung der Stiftung ein Kinderheim. Nach der Wende wurde es der Stadt zugesprochen, die Einrichtung geschlossen und das markante Gebäude verkauft. In dem Haus entstanden Eigentumswohnungen.


Der Wald blieb - und wird jetzt von Daniel Pech erkundet. Schon unter dem Vorbesitzer, dem Chemnitzer Kommerzienrat Gustav Adam Krautheim, der das Land an das Johanneum verkaufte, muss der Forst parkartig gestaltet worden sein. "Es gab Eingriffe, etwa gestaltete Räume", so der Student. Dazu zählt er Gruppen von Rhododen-dron und Buchen, aber auch den ungewöhnlich breiten Rundwanderweg sowie die Streuobstwiese. Es gibt zudem kleine Brücken aus Natursteinen, die zur Überquerung des Baches angelegt wurden. Später entstand aus einem der mittlerweile zugewachsenen Teiche sogar ein Schwimmbad. Eine Mauer zum damaligen Vorfluter, der heute eher einer großen Pfütze gleicht, erzählt davon. Zudem ist der Wald an seinen Rändern von Hainbuchen- hecken umgeben, ein wertvolles Biotop, betont Daniel Pech.

Das Thema, für den Wald in Harthau ein Nutzungskonzept zu entwickeln, hatte ihm ein Professor vorgeschlagen. "Es ist mir wie auf den Leib geschnitten, vor allem wegen der Verbindung von Geschichte und Natur", sagt der Student. Auch soziokulturelle Aspekte, Kinder durch Erlebnisse im Wald etwas mitgeben zu können und ihn zu gestalten und weiterzuentwickeln, findet er spannend. Der gebürtige Riesaer hat durchaus Vorstellungen, wie der Wald künftig genutzt werden könnte, langfristig und behutsam. "Es geht nicht um eine Woche Lagerfeuer, eher in Richtung Waldpädagogik", betont er. Er könnte sich zusätzlich das Aufstellen von Holzskulpturen vorstellen oder die Nutzung des alten Steinbruches als kleine Freilichtbühne.

Doch um ein Konzept zu entwickeln, fehlen dem gelernten Steinmetz noch einige Informationen zur Geschichte des Waldes, etwa zur Streuobstwiese. "Wann wurde sie angelegt?", fragt er. Auch nicht geklärt sei, ob der Wald, wie von ihm vermutet, parkähnlich gestaltet wurde und wann das geschah. Um dem Forst seine Rätsel zu entreißen, sucht Daniel Pech nach ehemaligen Bewohnern und Erziehern des Kinderheims, die sich früher in dem Gelände aufhielten.

Für Hinweise zum Bürgerwald und seiner Geschichte ist Daniel Pech über die E-Mail- Adresse daniel.pech@web.de erreichbar.


Chemnitzer legt Grundstock für Johanneum-Stiftung

Der Chemnitzer Carl Christian Hübner spendete im Jahr 1855 Geld für den Bau eines Erziehungshauses für Kinder. Die dafür gegründete Stiftung erhielt den Namen des damaligen sächsischen Königs - Johann. In seinem Testament setzte Hübner die Stiftung als Haupterbin ein und vermachte ihr weiteres Geld.

1856 wurde das Haus im heutigen Stadtteil Kapellenberg eingeweiht. Nach der Inflation verkaufte die Stiftung in den 1920er-Jahren das Grundstück und erwarb eine Fläche in Harthau. Dort wurde 1926 das neue Gebäude des Johanneums eingeweiht. Später übernahmen die Nazis das Heim, nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Verstaatlichung. Die Einrichtung hieß fortan Geschwister- Scholl-Kinderheim.

Nach der Wende wurden Stiftung und Grundstück mit Heim der Stadt zugesprochen, die Einrichtung 1992 geschlossen. Die Stadt verkaufte das Gebäude, es entstanden Eigentumswohnungen. Der Wald hinter dem Haus gehört nach wie vor der Stiftung, die es nun stärker nutzen möchte. (hfn)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...