Studentin steigt als Chefdesignerin ein

Eine aktuelle Kollektion soll das Lebenswerk der im Jahr 2016 verstorbenen Gründerin des Modelabels Mutare fortführen. Der neuen Frau im Atelier blieb jedoch kaum Zeit für ihre Entwürfe.

Babette Sperling hat die Ruhe weg. Heute präsentiert die Designerin mehr als 30 neue Modeentwürfe - Kleider, Mäntel, Shirts. Sie alle werden künftig unter dem Chemnitzer Modelabel Mutare auf den Kleiderstangen hängen.

Im Januar, da wusste die Absolventin der Hochschule für Angewandte Kunst in Schneeberg noch nicht, dass sie nur vier Monate später im Mittelpunkt der Marke stehen würde. Die Weichen dafür hat ihr Hochschulprofessor Jochen Voigt gestellt.

Der Diplom-Designer war ein Freund und Weggefährte der im Mai des vergangenen Jahres nach langer Krankheit verstorbenen Mutare-Gründerin Corinna Busch. Nach ihrem Tod blieb er mit den Angehörigen der Modeschöpferin in Kontakt. Die Familie hatte sich schon in den Zeiten der Trauer entschieden, das Bekleidungsunternehmen weiterzuführen. "Allerdings hatten wir gar nicht den Kopf dafür, an neue Entwürfe zu denken", sagt Ursula Busch, Corinnas Mutter, nun. "Es ging erst einmal darum, den Verkauf weiterzuführen." Jochen Voigt empfahl deshalb zu Beginn des Jahres eine aufstrebende Designerin, die erst im vergangenen Jahr ihren Hochschulabschluss an der Schneeberger Einrichtung ablegte.

"Als ich ins Atelier kam und die Chemie zwischen den Inhabern und mir sofort stimmte, da erfuhr ich von wirklich ambitionierten Plänen", erinnert sich Babette Sperling an das erste Treffen. Schon im Mai sollte eine neue Kollektion im Ateliergeschäft am Walkgraben hängen. "Okay, dachte ich, dann schaue ich mir die Handschrift und Schnitte der vorherigen Kollektionen mal an", so die 26-Jährige. Zurückhaltende Formen, fließende Stoffe, kaum Schnickschnack an den Kleidungsstücken. Babette Sperling wusste sofort: "Das kommt meiner persönlichen Vorstellung von Mode sehr nahe." In weniger als drei Monaten hat sie nun die gesamte Kollektion kreiert. Ursula Busch, in deren Auftrag sie entwarf und schneiderte, ist hin und weg: "Es ist wunderbar, dass wir gemeinsam das Lebenswerk meiner Tochter fortführen können. Babette hat sich als echter Glücksgriff erwiesen."

Die Jungdesignerin, aufgewachsen im mittelsächsischen Dorf Zetteritz und in Baden-Württemberg vor ihrem Studium zur Schneiderin ausgebildet, will nun vor allem auf Leichtigkeit setzen. Sowohl in Bezug auf die Mode, als auch im Umgang mit dem Vermächtnis der Firmengründerin Corinna Busch. Ein großformatiges Foto der Verstorbenen hängt prominent im Atelier. "Natürlich ist Corinnas Einfluss, ihr Esprit hier allgegenwärtig", sagt Babette Sperling. "Aber das setzt mich nicht unter Druck. Es bestärkt mich viel mehr, meine ungewöhnliche Chance zu nutzen." Präsentiert werden sollen die neuen Entwürfe heute im Oberdeck der Möbelgalerie Tuffner. Dort zeigen auch andere Designer der Region ihre Kollektionen, zum Beispiel Ledertaschen, Herrenhemden oder unikate Regenbekleidung.

Die Modenschau im Oberdeck der Möbelgalerie Tuffner, Am Walkgraben 13, beginnt heute, um 14 Uhr. Die Kreationen aller Beteiligten sind von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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