Umleitungsärger an der B 95: Lkw blockieren enge Straßen

Statt die offizielle Umgehung zu nutzen, fahren Pkw- und Lkw-Fahrer durch ein Wohngebiet in Harthau, in dem Tempo 30 gilt. Nicht nur das sorgt für Kritik.

Harthau.

Die Feudelstraße und der Kirchsteig in Harthau sind normalerweise ruhige Anliegerstraßen. Es gilt Tempo 30. Doch mit der Ruhe ist es seit voriger Woche vorbei. Seitdem die parallel verlaufende Annaberger Straße wegen Bauarbeiten nicht befahrbar ist, haben Autofahrer die Straßen durch das Wohngebiet als kurzen Umleitungsweg entdeckt, obwohl eine andere Strecke als Umgehung ausgewiesen ist. Neben vielen Pkw sind auch Lkw und Schwerlasttransporter unterwegs, berichtet Anwohner Claus D. Härtel. "Es geht zu wie auf einer Transitstrecke." Vor allem die großen Lkw bereiteten Probleme, sagt er. Betroffen sei auch die Schulstraße.

"Am Dienstagfrüh donnerte ein 3,5-Tonner-Lkw mit Anhänger vorbei. Er kam aus der Stadt und wollte den engen Kirchsteig runter", berichtet Härtel. Doch dort ging es für den Transporter nicht weiter. "Deshalb wollte er zurückfahren und wenden." Doch das war aussichtslos. "Auf der engen Straße ohne Fußweg ist kein Platz zum Wenden", so der Anwohner. Die Polizei wurde gerufen. 90 Minuten habe es gedauert, bis der Transporter seine Fahrt fortsetzen konnte. "In dieser Zeit staute sich natürlich der Verkehr", sagt Härtel. An dem Vormittag seien es drei große Brummis gewesen, die über Feudelstraße und Kirchsteig abkürzen wollten, sagt er. Die offizielle Umgehung führt über Heckertgebiet und Südring. Dafür müssen Autofahrer rund zehn Kilometer zusätzlichen Fahrtweg in Kauf nehmen und je nach Tageszeit zwischen zehn und 20 Minuten mehr Fahrzeit einplanen.


Claus D. Härtel nennt die Umleitungsstrecke über Feudelstraße und Kirchsteig "illegal". Autofahrer, die landwärts unterwegs seien, ignorierten die Ausschilderung der offiziellen Umgehung auf der Annaberger Straße an der Auffahrt zum Südring, sagt Härtel. Er fürchtet, dass die Verkehrsbelastung noch stärker wird. In dem Gebiet befinden sich rund 1000 Kleingärten, die über die Feudelstraße erschlossen sind, so Härtel. Wenn die Saison für die Kleingärtner starte und sie zu ihren Gärten fahren, "wird es richtig eng", sagt der Harthauer. Er schlägt vor, den Verkehr zwischen den Kreuzungen Feudelstraße/Kirchsteig und Stöcklstraße/Klaffenbacher Straße mit Ampeln zu regeln. So werde es auch für Fußgänger sicherer, denn der Kirchsteig sei auch Schulweg. Zudem habe sich die Maßnahme bei früheren Bauarbeiten bewährt, sagt Härtel.

Eine Ampelregelung werde derzeit geprüft, teilte am Donnerstag ein Rathaussprecher mit. Sicher ist dagegen, dass die Stadt gegen den Lkw-Verkehr in dem Gebiet vorgehen wird. Schilder für ein Lkw-Verbot werden aus Richtung Schulstraße aufgestellt, erklärte er. Zudem gibt es laut Stadt Geschwindigkeitskontrollen des Ordnungsamtes. In Abstimmung mit der Polizei werden auf der "gesamten Umleitungsstrecke, auch auf den Nebenstraßen, Messungen zu unterschiedlichen Zeiten in unregelmäßigen Abständen stattfinden". Claus D. Härtel bestätigt, dass es in dieser Woche bereits Kontrollen gegeben habe.

Kritik an der Informationspolitik der Stadtverwaltung kommt indes von der Fraktionsgemeinschaft CDU/FDP im Stadtrat. Vorsitzender Tino Fritzsche fordert eine bessere Kommunikation mit den Anwohnern. "Sie benötigen Fakten, was auf sie während der Sperrung zukommt und an wen sie sich bei Fragen wenden können", so Fritzsche. Seine Fraktion werde deshalb in der Mai-Sitzung des Stadtrates einen Antrag einbringen, das Dezernat 6 für Stadtentwicklung und Bau mit mehr Personal für die Öffentlichkeitsarbeit auszustatten.

Nach Informationen von "Freie Presse" hat es keine Anwohnerversammlung der Stadtverwaltung vor Baubeginn gegeben. Stattdessen gab es Gespräche mit der Bürgerinitiative (BI) Harthau und einen Brief des Tiefbauamtes mit der Bitte um Verteilung im Stadtteil. In dem Schreiben sei auch ein Ansprechpartner in der Verwaltung genannt. Zudem seien Vertreter der BI zu einem Gespräch im Tiefbauamt gewesen. Claus D. Härtel bestätigt den Termin. Er habe die Informationen über die Baustelle anschließend über einen Kabelfernsehkanal verbreitet. Aber den können nicht alle Harthauer empfangen, schränkt er ein. Auch Flyer mit den nötigsten Infos wurden nicht verteilt.

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7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    3
    Steuerzahler
    13.04.2019

    @fnor: Wer ist die Leiterin der Verwaltung und letztlich dafür verantwortlich, was passiert? Die OB‘in. Und die wird Ihrer Meinung nach nicht gewählt? Seltsames Verständnis!

  • 4
    0
    fnor
    13.04.2019

    Da eine Verwaltung nicht gewählt wird, halte ich diesen Aufruf für sinnlos. Egal wie der Stadtrat zusammengesetzt ist, dies wäre dann auch passiert, weil er sich nicht um solche Detailfragen kümmert. Die Strecke ist für PKW legal und ich würde sie auch als Umleitung nutzen, wenn ich müsste. Was hätte denn die "stinkende" Verwaltung anders mach können? Es können nicht alle anderen Strecken auch gesperrt werden, auf welcher Grundlage? Die Schilder am Südring sind zu klein, dort wird die Umleitung nicht richtig angekündigt. Ebenso könnte eher die Sackgasse für LKW ausgeschildert werden. Das war es aber auch schon, was mir einfällt. Was wirklich fehlt ist eine Koordinierung von Baustellen in Chemnitz. Das ist ein Grundproblem der Behördenkultur. Über den Tellerand schauen und sich für die Bürger einzusetzen statt irgenwie seinen Job zu machen, fehlt nicht nur in Chemnitz.

  • 4
    2
    Steuerzahler
    12.04.2019

    @881924: Genau so ist das! Ein Problem dieser Verwaltung und jeder, der von der Örtlichkeit etwas Ahnung hatte, wusste dass das geschieht. Nur das Amt läuft eben wieder hinterher. Da bekanntlich der Fisch vom Kopf stinkt hilft wirklich nur, bei der nächsten Wahl das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen.

  • 7
    2
    fnor
    12.04.2019

    Danke für diesen tollen Artikel samt Karte. Alle, welche die Strecke noch nicht kannten, sind spätestens jetzt auch dort unterwegs. Gefühlt hatten wir heute Nachmittag das 3-fache Verkehrsaufkommen.

  • 7
    6
    881924
    12.04.2019

    Alles ein alter Hut die Stadt hat es nicht im Griff, die Fehlplanungen ziehen sich seit Jahren wie ein roter Faden durch... von nicht koordinierten Baustellen bis zum Chemnitzer Modell die Planung geht am Bedarf der Menschen und Wirtschaft vorbei. Verkehr ist die Basis unser Wirtschaft und unseres Erfolges wann versteht das die Stadt Chemnitz endlich mal. Zum konkreten Fall: schon vor Wochen war jedem mit halbwegs Ortskenntnissen klar wie das ganze läuft oder eben nicht läuft. Was soll man dazu noch sagen außer peinlich und traurig für Anwohner und die LKW Fahrer die nur ihren Job nachkommen wollen. Übrigens am 26.05 zur Stadtratswahl habt ihr die Wahl ;-)

  • 6
    4
    fnor
    12.04.2019

    Da die Feudelstraße nun doch nicht wegen Kanalbauarbeiten gesperrt ist, dient sie als Umfahrungsstrecke. Man muss sich als Anwohner eben entscheiden, was man will.

  • 6
    4
    Hinterfragt
    12.04.2019

    "...und Schwerlasttransporter unterwegs..."
    Also nach meiner Kenntnis, muss für einen Schwerlasttransport die Strecke und Fahrtzeit angemeldet werden - schläft man bei den entspr. Behörden?

    Zudem scheint man dann auch ei der Stadt geschlafen zu haben, wo sind die entsprechenden Schilder, die die Durchfahrt für LKW verbieten, bzw. wenn vorhanden, die Kontrollen und Abstrafungen?



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