Unbekannte attackieren Flüchtlingsunterkunft

In der Nacht zu gestern sind Steine in das Haus des Sports geflogen. Dort wohnen derzeit minderjährige Asylbewerber. Ein Helfer zeigt sich entsetzt.

Ein Spannbettlaken deckt die kaputte Fensterscheibe von innen notdürftig ab. Eine zweite Scheibe ist ebenfalls eingeschlagen. Hier fehlt die provisorische Abdeckung noch, und ein großes Loch klafft dort, wo Steine das Glas getroffen haben: Die Asylbewerberunterkunft im Haus des Sports auf dem Gelände des Chemnitzer Sportforums ist in der Nacht zu Freitag Ziel eines Angriffs von unbekannten Steinewerfern geworden. Wie die Polizei mitteilte, hatten sich drei dunkel gekleidete Personen gegen 23.45 Uhr der Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge genähert und zwei Fensterscheiben im Erdgeschoss sowie eine Glasscheibe der Eingangstür mit Steinen beworfen. Ein Bediensteter des Wachpersonals hatte laut Polizei noch versucht, die Täter zu stellen, doch konnten diese in Richtung Sportforum und der angrenzenden Kleingartenanlagen entkommen. Eine Fahndung durch die alarmierte Polizei führte bisher nicht zum Ergreifen der Täter.

Die Bewohner der Einrichtung an der Reichenhainer Straße selbst haben von der nächtlichen Attacke nach eigenen Angaben nichts mitbekommen. Die betroffenen Wohnungen im Erdgeschoss seien derzeit zudem unbewohnt, ergänzte ein Mitarbeiter des Wachschutzes, der namentlich nicht genannt werden wollte. Zum Tatzeitpunkt hätten sich demnach 50 minderjährige Flüchtlinge in der Einrichtung befunden. Die entsprechenden Wohnräume befänden sich aber nicht in den vom Angriff betroffenen Teil des Gebäudes. Diesem Umstand sei es zu verdanken, dass bei der nächtlichen Attacke niemand verletzt wurde.


Die Kinder und Jugendlichen konnten daher gestern an ihrem gewohnten Tagesablauf festhalten. Helfer, die in dem Objekt tätig sind, zeigten sich gestern schockiert. Zu ihnen gehört der Vorsitzende des Türkischen Kulturvereins in Chemnitz, Necati Sezgi. "Das ist sehr schlimm", sagt er. Für die gemeinnützige Heim-Gesellschaft arbeitet er als Betreuer in der Bernsdorfer Asylunterkunft. Sezgi hatte gestern Vormittag gerade sein Auto abgestellt und wollte einige Jugendliche zum Freitagsgebet abholen, als er vom nächtlichen Angriff erfuhr. "Dabei ist es bisher immer ruhig gewesen", ergänzt Sezgi. Das bestätigt ein Wachmann. "Außer einer Schmiererei ist das der erste ernste Zwischenfall", sagt er.

Das Haus des Sports wird seit November als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Auf zwei Etagen kamen dort zeitweise bis zu 100Minderjährige unter, die ohne Angehörige nach Deutschland eingereist sind. Eltern und Betreuer von Kindern, die das Sportinternat besuchen, hatten die Entscheidung der Stadt kritisiert. Sie sorgten sich um die Sicherheit.

Rund 50 ausländische Kinder und Jugendliche, die unter der Obhut der Arbeiterwohlfahrt stehen, sind bereits Anfang Februar in eines der eigens für sie eingerichteten Häuser an der Ritterstraße umgezogen. Weitere 50 minderjährige Flüchtlinge, die von der Heim-Gesellschaft betreut werden, sollen Ende Februar ebenfalls in eine neue Unterkunft umziehen. Sie befindet sich an der Friedrich-Hähnel-Straße und wird derzeit noch saniert. Die Kinder bleiben dort bis zu drei Monate. In dieser Zeit wird geprüft, ob sich Familienangehörige bereits in Deutschland befinden. Ist das nicht der Fall, werden sie bis zur Volljährigkeit bei Pflegeeltern oder in einer Jugendwohngruppe betreut.

Nach dem Freizug des Gebäudekomplexes "Haus des Sports" soll im März die planmäßige Rekonstruktion beginnen. (mit dy)

Die Polizei sucht unter Telefon 0371387495808 Zeugen, die Beobachtungen im Zusammenhang mit den Steinwürfen gemacht haben. Die Täter sollen dunkel gekleidet gewesen sein. Sie flüchteten laut Polizei in Richtung Sportforum und die angrenzenden Gartenanlagen.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    4
    SimpleMan
    13.02.2016

    Das Niveau der Täter entspricht dann wohl eher der Steinzeit, eine feige und primitive Aktion.



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