Verein präsentiert neues Freibad-Konzept

Ginge es nach den Erfenschlager Bürgern, könnte die Freizeitanlage 2021 wieder öffnen. Vorher müsste die Stadt aber viel Geld bereitstellen.

Ein modernes Freibad mit deutlich niedrigeren Betriebskosten als bisher. Das sieht nach Informationen der "Freien Presse" ein neues Konzept für das Sommerbad Erfenschlag vor, das Vertreter des Bürgervereins des Stadtteils gemeinsam mit den beteiligten Planerinnen in einer nichtöffentlichen Veranstaltung ausgewählten Stadträten präsentiert haben.

Der Entwurf, den die Chemnitzer Bauplanerinnen Heike Schulze und Andrea Müller für den Bürgerverein kostenlos erarbeitet haben, sieht unter anderem das Einsetzen eines neuen Bassin in das marode alte Becken der seit 2014 geschlossenen Freizeitanlage sowie den Neubau eines Sozialgebäudes vor, wie Felix Kreißel vom Bürgerverein berichtete. Indem das neue Bassin höher eingebaut werde als das bisherige, wäre es besser vor Überflutungen geschützt, wie sie das alte Freibad mehrmals heimgesucht hatten.

Außerdem könnte die Technik zur Wasseraufbereitung unter dem neuen Becken eingebaut werden, so Kreißel. Durch diese Technik und durch das deutlich geringere Volumen des neuen Beckens gegenüber dem alten sollen sich die Betriebskosten des Bades im Vergleich zur Zeit vor der Schließung erheblich verringern. "Es wird vor allem viel weniger Abwasser anfallen", erklärte Kreißel. Trotz des geringeren Volumens soll das Sommerbad auch in Zukunft über mehrere 50-Meter-Bahnen sowie über eine Drei-Meter-Sprungplattform verfügen.

Die voraussichtlichen Kosten für diese Freibad-Modernisierung sind allerdings erheblich höher als bisher vom Bürgerverein geplant. Ursprünglich hatten die engagierten Erfenschlager vorgehabt, die Freizeitstätte größtenteils in Eigenleistung und mit Sponsorenhilfe für etwa 600.000 Euro für eine Wiedereröffnung herzurichten. Jetzt werden als Gesamtkosten 1,6 Millionen Euro brutto genannt. Dafür sei das neue Konzept "wasserdicht", ist Kreißel überzeugt. Denn Heike Schulze war als Planerin schon am Bau mehrerer Schwimmbäder der Region beteiligt, so in Hart-mannsdorf, Jahnsdorf, Hartenstein und Affalter. Den Kontakt zwischen ihr und dem Bürgerverein hatte Stadtrat Bernhard Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen) vermittelt, nachdem sich Verein und Stadträte im Herbst 2017 darauf geeinigt hatten, dass Herrmann als Mediator zwischen den Freibad-Enthusiasten und der Stadt vermitteln soll.

Der Bürgerverein hoffe jetzt, dass der Stadtrat die für die Bad-Modernisierung benötigte Summe Ende dieses Jahres im Doppelhaushalt für 2019/20 einplant. "Dann könnten 2019 die detaillierte Planung erfolgen und der Bau beginnen, der etwa ein Jahr dauern wird", so Kreißel. Eine Wiedereröffnung des Sommerbades zu Saisonbeginn 2021 halte der Bürgerverein für realistisch. Betreiben möchte er das Freibad künftig am liebsten selbst. "Weil wir auch ehrenamtliche Helfer einsetzen könnten, hätten wir niedrigere Personalkosten als die Stadt", begründet das Vereinsmitglied.

Stadtrat Herrmann sieht in dem neuen Konzept ein positives Signal an die Stadtverwaltung. "Es ist lösungsorientiert. Vor allem wurden die wasserrechtlichen Fragen ausgeräumt, die von der Verwaltung zuletzt als Hürde genannt worden waren", sagte Herrmann am Freitag. Er sehe nun die Verwaltung am Zug. "Die Stadt muss es wollen", so Herrmann. Das gelte auch für die Finanzierung der Sanierung.

Für "durchdacht und akzeptabel" hält CDU-Stadträtin Ines Saborowski das neue Bad-Konzept. "Der Verein liefert", sagte sie. Sie werde ihrer Fraktion vorschlagen, den Verein weiter zu unterstützen. Ähnlich wie Herrmann sagte auch sie, der nächste Schritt liege nun bei der Stadt. "Der Verein reicht der Stadt die Hand, sie muss nur noch zugreifen."

Nachdem das Bad 2014 geschlossen worden war, war es zu Differenzen zwischen Stadtverwaltung und Verein gekommen, der um den Erhalt des Bades kämpft. Insbesondere, nachdem der Stadtrat im Februar 2017 gegen den Willen der Verwaltung entschied, dass die Stadt das Bad an den Verein verkaufen soll. Voraussetzung dafür sollte ein schlüssiges Betreiber-Konzept sein. Ein Konzept legte der Verein vor. Aber die Übergabe des Bad-Areals erfolgte nicht. Das Konzept sei "nicht hinreichend aussagefähig", so die Verwaltung im vorigen Sommer. Daraufhin schalteten sich Stadträte in die Debatte ein, es folgten Gespräche zwischen Verein und Verwaltung. Ergebnis dieser zum Teil kontroversen Debatte ist nun das neue Konzept des Bürgervereins.

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2Kommentare
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  • 0
    2
    aussaugerges
    13.08.2018

    Man könnte doch die Altenpflege auch als Verein gründen.
    Beim Busfahren versucht man es ja auch schon.
    Da könnten die Diäten noch höher steigen.

  • 2
    0
    ZwischenDenZeilen
    12.08.2018

    Sehr gut, Verein, weiter so.



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