Verkehrsverbund nimmt neue Straßenbahntrasse in Betrieb

Annähernd 400 Menschen kamen zur Eröffnung des Teilstücks zwischen Zentralhaltestelle und Stadlerplatz. Der Tenor war eindeutig.

Bernsdorf.

Der Zuspruch zur ersten Tour ist noch ein wenig verhalten gewesen. Als gestern um Punkt 11.51 Uhr die Linie C13 der Chemnitzbahn zur Jungfernfahrt den Stadlerplatz in Richtung Burgstädt verließ, waren die Wagen nur spärlich gefüllt. Es schien, als hätten sich die meisten der etwa 400 Menschen, die sich am Vormittag zur Eröffnung der Trasse eingefunden hatten, erst einmal mit den Bahnen selbst vertraut machen wollen - so als wären die Wagen vom Typ Citylink nicht schon seit vergangenem Jahr nach Burgstädt unterwegs. Eine extra zur Besichtigung abgestellte Bahn wurde jedenfalls rege frequentiert, überall zückten Besucher Handys, um ihre Eindrücke filmisch oder fotografisch festzuhalten.

In den Mittagsstunden wurde die Auslastung dann besser. Auch aus der Innenstadt kamen zu dieser Zeit Fahrgäste am Stadlerplatz an, die einfach nur eine kurze Ehrenrunde auf der neuen Trasse drehen wollten. So wie Werner Hertel, der mit seiner Frau am Hauptbahnhof zugestiegen war. "Ich war früher selber bei der CVAG und wollte mir das nicht entgehen lassen", sagte der 68-Jährige. Die Fahrt sei ruhig verlaufen, was stets ein gutes Zeichen sei. Auch Brunhilde Reimann, die auf dem Sonnenberg wohnt, hatte nichts auszusetzen. "Ich hoffe, dass die nächsten Abschnitte an der Reichenhainer Straße schnell fertig werden. Dann kann ich die Bahn nutzen, um zum Städtischen Friedhof zu kommen", so die 73-Jährige. Vom Stadlerplatz aus sei es ihr zu Fuß dahin zu weit.

In den vergangenen Wochen waren rund 50 Fahrer der City-Bahn, die die Linie betreibt, für die neue Strecke fit gemacht worden, auf der es wegen Bauarbeiten noch keine Ampeln oder Verkehrszeichen gibt. "Da gibt es durchaus gefährliche Ecken, so zum Beispiel bei der Einfahrt in die Turnstraße von der Bernsdorfer Straße aus", sagte Jeanette Kiesinger, Sprecherin des für Verkehr und Infrastruktur zuständigen Verkehrsverbunds Mittelsachsen (VMS). Mit dem ersten Tag sei sie zufrieden, Probleme im Ablauf habe es nicht gegeben.

Mit der Freigabe des Streckenabschnitts fahren die Chemnitzbahnen nun jeweils einmal pro Stunde vom Stadlerplatz aus nach Burgstädt sowie nach Mittweida (Linie C 14) - umsteigen müssen die Fahrgäste dazu nicht mehr. Etwa Mitte Juni sollen dann auch die Bahnen nach Hainichen (Linie C 15) rollen, wie Mathias Korda, Geschäftsbereichsleiter Verkehr/Infrastruktur beim VMS, gestern betonte. Zum Fahrplanwechsel im Dezember sei dann die Eröffnung des restlichen Teilstücks entlang der Reichenhainer Straße bis zum Technopark geplant - derzeit fehle nur noch ein kurzer Abschnitt zwischen Dittesstraße und Campusplatz. Im Wechsel mit der neuen Linie 3 der CVAG sollen die Bahnen dann im Zehn-Minuten-Takt verkehren. Acht Citylink-Züge besitze der VMS derzeit. Die Zahl werde bis Jahresende auf zwölf steigen, so Korda.

Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk bezeichnete den ersten Neubau einer Straßenbahntrasse in Chemnitz seit fast 13 Jahren gestern als eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in der Stadt überhaupt, das unter anderem die Verbindung der TU Chemnitz mit der Hochschule Mittweida deutlich verbessere. Auch TU-Kanzler Eberhard Alles hob die Bedeutung für seine Einrichtung hervor. "Von der neuen Anbindung profitieren alle, die den Uni-Teil an der Reichenhainer Straße erreichen wollen. Die Nutzer der Universitätsbibliothek, die Besucher der Hörsaalgebäude und des Smart Systems Campus, die Bewohner der Studentenwohnheime", sagte er.


Stimmen zur neuen Trasse: "Um die Allee hat es mir leid getan"

Ingo Hofmann (50): "Ich begrüße grundsätzlich Projekte, die dazu dienen, den Öffentlichen Nahverkehr gegenüber dem Autoverkehr zu stärken. Da ich mit der Familie gern Ausflüge mache, werde ich die Trasse in Zukunft sicherlich oft nutzen - wenn dann die Bahn irgendwann bis nach Thalheim oder nach Aue fährt."

Günter Bachmann (86): "Als die Pläne bekannt wurden, hat es mir um die Alleebäume an der Reichenhainer Straße leid getan. Aber heute sage ich: Das war kein schlechter Tausch, zumal ja neue gepflanzt wurden. Ich wohne direkt neben der Haltestelle und bin schon etwas älter. Schade deshalb, dass die Bahn nicht im vierten Stock abfährt."

Ingrid Roscher (70): "Wir fahren aus dem Flemminggebiet oft mit dem Bus zum Städtischen Friedhof. Wenn man zu ungünstigen Uhrzeiten einsteigt, ist die Buslinie 51 mit Studenten hoffnungslos überfüllt. Schon deshalb freue ich mich über den Ausbau an der Reichenhainer Straße. In die Bahn passen einfach mehr Menschen rein." (jüw)

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2Kommentare
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  • 2
    0
    524989
    03.05.2017

    Interessanter ist zudem, wann endlich die Fraunhofer-Straße mit den Anbindungen an die Reichenhainer / Altchemnitzer bzw. Werner-Seelenbinder-Straße fertig wird.

  • 1
    2
    524989
    03.05.2017

    Mit der Erreichbarkeit des Stadlerplatzes ist nichts gewonnen. Das sind gerade mal 200 m mehr als man mit der Straßenbahn an der Bernsdorfer Straße erreicht... Interessant wird die Straßenbahn doch erst wenn sie komplett bis zum Campus fährt, um dann das Sportforum in weitem Bogen zu umkreisen.



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