Vor Kita-Baustart: Stadt lässt vergiftete Erdmassen abfahren

Wegen zu hoher Arsen- und Bleiwerte im Boden haben sich die Arbeiten für eine neue Kindertagesstätte in Altendorf immer wieder verzögert. Jetzt gibt es einen neuen Zeitplan.

Altendorf.

Herbst 2017 - vor knapp anderthalb Jahren sollte der neue Kindergarten in Altendorf an der Straße Am Heim eröffnen. Das Vorhaben gehört zur Kita-Offensive, die in Chemnitz aufgrund steigender Kinderzahlen gestartet wurde. Mehr als zehn neue Tageseinrichtungen wurden oder werden gebaut. Drei sind bereits eröffnet. Die Kita in Altendorf gehört nicht dazu. Der Bau hat noch gar nicht begonnen.

Den wollte eigentlich die gemeinnützige Heim-Gesellschaft übernehmen. Sie zog allerdings schon vor einem Jahr die Reißleine, um sich finanziell nicht zu übernehmen. Ursprünglich war mit 2,9 Millionen Euro für den Neubau gerechnet worden. Doch gestiegene Baupreise ließen die Gesamtkosten auf zunächst 3,5 Millionen Euro anwachsen. Inzwischen liegt die Kostenschätzung sogar bei 4,9 Millionen Euro, informiert die Pressestelle der Stadt auf Anfrage. Sie hatte nach dem Rückzug der Heimgesellschaft entschieden, den Kindergarten selbst zu bauen.

Neben höherer Baupreise sind die Altlasten auf der Fläche ein Grund für die Kostensteigerung. Eine Baugrunduntersuchung hatte ergeben, dass der Boden mit Schadstoffen belastet ist. Asche und Bauschutt sowie Schlacke, Teerpappe und Kunststoffreste wurden gefunden. Erhöhte Arsen- und Bleiwerte sind nach Angaben der Stadtverwaltung die Folge. Deshalb werde der Boden jetzt komplett ausgetauscht, das Bauamt rechnet mit knapp 4500 Kubikmetern. Das entspricht etwa 185Lkw-Ladungen. Die Kosten für den Bodenaustausch werden mit annähernd 620.000 Euro angegeben. Eine halbe Million Euro zahlt davon der Freistaat Sachsen. In dieser Woche sind die Fördermittel bewilligt worden.

Ab Mitte März sollen die verseuchten Erdmassen ausgebaggert, abgefahren und neuer Boden geliefert werden. Ende März rechnet die Verwaltung mit dem Baubeginn der Kita. Ein Jahr später soll sie fertig sein und Platz für 119 Kinder bieten.

Die Heimgesellschaft wird die Betreibung übernehmen. Sie hatte aufgrund der hohen Nachfrage nach Kita-Plätzen, insbesondere aus den Stadtteilen Altendorf und Kaßberg, übergangsweise bereits 2016 eine Kita ganz in der Nähe des Neubau-Standortes eröffnet. Sie heißt Fantasia - denselben Namen wird auch die neue Einrichtung haben.

Auf dem Gelände befindet sich auch ein Seniorenheim sowie die Wohnstätte, in der Menschen mit geistiger Behinderung leben. Sie werden ebenfalls von der Heimgesellschaft betrieben. Sie möchte nach eigenen Angaben mit einem integrativen Konzept der Einrichtungen Brücken zwischen Menschen mit und ohne Behinderung bauen. Deshalb sollen in der Kita auch Integrationsplätze für Kinder mit besonderem Förderbedarf geschaffen werden.

Im vergangenen Jahr hat auf dem Campus der Universität bereits die Kita Campulino eröffnet. Sie wird vom Studentenwerk Chemnitz-Zwickau betrieben. Zwei neue städtische Einrichtungen in Glösa sowie an der Rembrandtstraße im Zentrum wurden ebenfalls eröffnet. Weitere Kitas sollen in Reichenbrand, Rabenstein, Hilbersdorf und auf dem Kaßberg entstehen. Die größte Kita wird mit 150 Plätzen an der Schloßstraße gebaut.

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