Vorschlag sorgt für Streit: Musikkombinat oder wieder Schule?

Überlegungen zur Zukunft der einstigen Liebknechtschule am Brühl stoßen auf Kritik. Aus ganz verschiedenen Gründen.

Brühl.

Sollte angesichts der Platznot an den Chemnitzer Schulen nicht auch geprüft werden, ob sich die frühere Karl-Liebknecht-Schule an der Mühlenstraße wieder als Schule nutzen lässt? Mit diesem Vorschlag wandte sich kürzlich die CDU/FDP-Stadtratsfraktion an die Öffentlichkeit. "Wir sollten bei dem sichtbaren Bedarf an Schulkapazitäten keine Scheuklappen aufsetzen, sondern alle Möglichkeiten zumindest prüfen", forderte Stadträtin Ines Saborowski. Sie hat der Stadtverwaltung bereits eine entsprechende Anfrage zukommen lassen. In ähnlichen Fällen habe sich gezeigt, so die CDU-Politikerin, dass es auch mit verhältnismäßig geringem Sanierungsaufwand möglich sei, weitere Kapazitäten für schulische Einrichtungen zu schaffen.

Die einstige Liebknechtschule unweit des Brühls war vor zehn Jahren angesichts damals stark sinkender Schülerzahlen geschlossen worden. Danach stand sie leer, wie andere Schulen mit ähnlichem Schicksal. Vor fünf Jahren dann gab es neue Pläne für das Haus. Seither wird es unter der Regie des Vereins Bandbüro Chemnitz unter der Bezeichnung "Musikkombinat" zu einem Gründerzentrum für Bands umgebaut - mit Atelier- und Büroräumen für Bandmarketing, Promotion, Mediendesign und Eventorganisation. Derzeit bereitet der nichtkommerzielle Lokalsender Radio T für Herbst seinen Umzug in das Gebäude vor.

Dessen Koordinator Jörg Braune spricht von einer "Schnellschuss-Idee". "Offensichtlich ist denen nicht klar, wie viel Geld, Kraft und Zeit hier in den vergangenen Jahren bereits investiert wurde, darunter nicht zuletzt Geld der Stadt." Ähnlich sieht es Holm Krieger vom Bandbüro. "Solche Überlegungen kann man nicht wirklich ernst meinen", glaubt er. "Dass Schulen benötigt werden, ist klar. Aber dafür kann man doch nicht solch ein großes Projekt infrage stellen."

Verwunderung auch bei einigen von Saborowskis Stadtratskollegen. "Was da in die Welt gesetzt wird, ist der blanke Populismus und keine konstruktive Arbeit", schimpft Susanne Schaper, Fraktionschefin der Linken. "Der CDU ist offensichtlich nicht bewusst, welchen Beitrag das Musikkombinat zur Belebung des Brühls leistet", sagte sie. Im Übrigen halte sie es für wenig hilfreich, Vorschläge zur Lösung des Schulproblems außerhalb jener Ausschüsse des Stadtrates zu diskutieren, in denen seit Monaten an der künftigen Schullandschaft gearbeitet werde. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen.

Ein Ausbau der früheren Liebknechtschule sei bei den Beratungen bislang kein Thema gewesen, sagt SPD-Stadträtin Cornelia Knorr. Auch sie beurteilt den Vorschlag eher skeptisch. "Der Schulhof ist ziemlich klein", gibt Knorr zu bedenken. "Und das Schulgelände bietet kaum Ausbaumöglichkeiten."

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1Kommentare
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  • 0
    0
    CPärchen
    20.07.2018

    Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Schule und einem Musikkombinat würde ich die Schule wählen. Das würde den Brühl auch noch weiter beleben.



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