Warum Neukirchen auf Extra-Lärmschutz verzichtet

Die Gemeinde sieht keine Möglichkeit, zusätzliche Maßnahmen zum Schutz von Anwohnern vor lauten Fahrgeräuschen einzuleiten. Das hat auch mit Zuständigkeiten für die Strecken zu tun.

Neukirchen.

Dauerhafter Lärm kann erwiesenermaßen krank machen. Deshalb muss jede sächsische Gemeinde, die an einer Hauptverkehrsstraße mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr liegt, aller fünf Jahre eine Lärmkartierung erstellen. "Bei dieser Erfassung der Lärmbelästigungen handelt sich um eine Richtlinie der Europäischen Union", erklärt Bürgermeister Sascha Thamm. In Neukirchen betrifft das die Autobahn A72 sowie die Stollberger und Chemnitzer Straße.

Bei bisherigen Lärmkartierungen wurde mangels tatsächlich durchführbarer Maßnahmen auf einen sogenannten Lärmaktionsplan verzichtet. Seit der Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens seitens der Europäischen Union muss jedoch ein solcher Plan mittlerweile zwingend aufgestellt werden, selbst wenn dieser als Ergebnis keine weiteren Maßnahmen aufweist.

Das Ergebnis der diesjährigen Lärm-Erfassung zeigt, dass von der A72 sowie der Stollberger und Chemnitzer Straße für die in der Nähe wohnenden Einwohner gesundheitsrelevante sowie belästigende Lärmstörungen ausgehen. Als gesundheitsschädlich gilt dabei ein ganztägiger Lärmpegel von über 65 Dezibel beziehungsweise ein nächtlicher Lärmpegel von über 55 Dezibel. "Aus der aktuellen Lärmkartierung ergibt sich, dass es in Neukirchen je nach Wohnlage 56 und 68 Einwohner gibt, die diesem ganztägigen oder nächtlichen Lärmpegel ausgesetzt sind", berichtet Sascha Thamm.

Als sogenannte Belästigungswerte gelten wiederum ganztägige Lärmpegel von über 55 Dezibel beziehungsweise über 50 Dezibel in der Nacht. Diesen Werten sind in der Gemeinde je nach Wohnlage einmal 321 sowie weitere 179 Einwohner ausgesetzt, so der 32-jährige Neukirchener und fährt fort: "Da wir als Gemeinde allerdings nicht für die A72 sowie die Stollberger und Chemnitzer Straße verantwortlich sind, können wir leider keine Maßnahmen im Rahmen eines Lärmaktionsplan umsetzen, um den Lärm zu verringern." Stattdessen setze man auf punktuelle Aktionen, wie beispielsweise die Schaffung öffentlicher Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, die leiser als konventionelle Autos sind und so zur Lärmminderung beitragen. Bereits 2003 und 2004 fanden Lärmschutzmaßnahmen in Neukirchen statt. Damals errichtete das Landesamt für Straßenbau und Verkehr auf Drängen der Gemeinde an der A72 eine Lärmschutzwand. Im selben Zeitraum wurden vom Straßenbauamt Zwickau entlang der Stollberger bzw. Chemnitzer Straße in Schlafräumen von Wohngen Lärmschutzfenster eingebaut.

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