Warum viele Chemnitzer lieber mit dem eigenen Auto fahren

Eine Umfrage des Rathauses hat gezeigt: Kein anderes Thema beschäftigt die Gemüter so sehr wie der Verkehr in der Stadt. Und das hat nicht nur mit Baustellen und Umleitungen zu tun.

Chemnitz macht seinem Ruf als Autofahrerstadt einmal mehr alle Ehre. Neuester Beleg sind Ergebnisse der "Kommunalen Bürgerumfrage", die die Stadt im späten Frühjahr erstmals veranstaltet hat. 6000 zufällig ausgewählte Chemnitzer im Alter von 18 bis 85 Jahren konnten dort angeben, wie sie ihre Lebenssituation in Chemnitz einschätzen. Gut 2660 der Befragten nahmen diese Möglichkeit wahr.

Bemerkenswertes Ergebnis: Bei der Frage nach den fünf größten Problemen der Stadt tauchten gleich drei Themen aus dem Verkehrsbereich auf. "Baustellen und Umleitungen" wurden so häufig genannt wie kein anderes Thema - mehr als jeder zweite Teilnehmer sieht hier ein großes Problem. Aber auch der Zustand der Straßen (37,5Prozent) und die Parkplatz-Situation (34,4Prozent) schafften es unter die Top 5 der Antworten. Fast jeder zweite äußerte sich zudem jeweils unzufrieden über deren Zustand.

Das mag auch damit zu tun haben, dass etwa zwei Drittel der Teilnehmer, die in der Umfrage überhaupt Angaben zum täglichen Arbeitsweg gemacht haben, demnach bevorzug mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Etwa 18 Prozent nutzen Bus und Bahn. Noch deutlicher fällt das Ergebnis in Bezug auf das Freizeitverhalten aus. Fast 60 Prozent der Chemnitzer bevorzugen laut Umfrage das Auto. Der öffentliche Nahverkehr kommt auf gut 15 Prozent, das Fahrrad immerhin auf fast elf Prozent.

Auf die Frage, warum öffentliche Verkehrsmittel nicht öfter genutzt werden, wurden am häufigsten die als zu teuer empfundenen Preise genannt - das allerdings bereits zu einem Umfragezeitpunkt, an dem die jüngste Tariferhöhung noch gar nicht in Kraft war. Ein Viertel der Teilnehmer verweist auf eher ungünstige Verbindungen. Mit dem Angebot des öffentlichen Nahverkehrs zeigen sich indes fast 46 Prozent zufrieden bzw. sehr zufrieden. Bessere Zufriedenheitswerte erzielten sonst nur der Wohnungsmarkt, das Kulturangebot sowie die Grünanlagen und Parks.

Für den Nahverkehrsbetrieb CVAG ist das Ergebnis nicht völlig überraschend. Eine Reihe von Ergebnissen der Umfrage des Rathauses decke sich weitgehend mit Resultaten anderer repräsentativer Erhebungen, sagte Unternehmenssprecher Stefan Tschök. Für größere Änderungen im Mobilitätsverhalten seien eine gut abgestimmte Stadt- und Verkehrsplanung sowie oft ein längerer Atem nötig, findet er. "Das Argument wiederum, der öffentliche Personennahverkehr sei zu teuer, rührt häufig daher, dass man nur in den seltensten Fällen bei der vergleichenden Bewertung der Pkw-Nutzung eine Vollkostenrechnung macht", meint Tschök.

Toni Rotter, Stadtrat der Fraktion Vosi/Piraten, sieht in dem Umfrageergebnis "eine Handlungsaufforderung, endlich eine neue Finanzierungsgrundlage für den Nahverkehr zu finden". Eine Fahrzeugflotte mit kleineren, elektrischen und autonomen Fahrzeugen könnte seiner Ansicht nach bereits in der nahen Zukunft die Effizienz stark steigern, Quartiersbusse und auch Verbindungen ermöglichen, die bislang als nicht finanzierbar gelten.


Kommunale Bürgerumfrage: So werden die Daten erhoben

Für die Umfrage waren im Mai und Juni 6000 Chemnitzer im Alter von 18 bis 85 Jahren angeschrieben worden. Die Teilnehmer wurden per Zufallsstichprobe aus dem Einwohnermelderegister ermittelt.

Rund 45 Prozent der Angeschriebenen haben sich beteiligt - ältere Chemnitzer allerdings zahlreicher als jüngere. Die Folge: Die Altersgruppe der Über-50-Jährigen ist bei den Antworten überrepräsentiert.

Künftig soll die Bürgerumfrage jedes Jahr durchgeführt werden. Das Rathaus erhofft sich davon Hinweise für kommunalpolitische Planungen und Entscheidungen - sowohl für die Verwaltung als auch für die Politik.

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1Kommentare
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  • 6
    0
    438191
    29.08.2018

    Nun ja, ich benötige an den meisten Tagen mit dem Auto unter 15 min zur Arbeit (ca. 8 km). Mit dem ÖPNV (Fußweg zu/von der Haltestelle mitgerechnet) ist es nicht unter 45 min zu schaffen. Dazu muss man aber Glück beim umsteigen haben und natürlich sind zur Zeit auch die Busse vom Stau wegen der vielen Baustellen betroffen. Also komme ich realistisch nicht unter einer Stunde mit dem ÖPNV zur Arbeit. Das ist mir persönlich viel zu viel Zeitverschwendung am Morgen. Da schlafe ich lieber eine dreiviertel Stunde länger. Im Übrigen nutze ich in meiner Freizeit fast ausschließlich Bus und Bahn um in Chemnitz voranzukommen. Das Netz ist relativ gut ausgebaut (auch in Nacht) und zu teuer finde ich es auch nicht.



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