Was Radfahrer in Chemnitz nervt

Radler, die ihren Drahtesel für den Weg zur Arbeit und für Erledigungen in der Stadt nutzen, sehen noch viel Bedarf beim Ausbau der Infrastruktur. Doch es gibt auch schon Lösungen.

Schutzstreifen für Radfahrer: Noch viele Lücken in den Schutzstreifen entlang von Straßen gibt es im Stadtgebiet. Die maximal zwei Meter breiten Streifen - etwa an der Zwickauer Straße - sollen laut Stadt flächendeckend an stark befahrenen Trassen ausgewiesen werden. Während es den Schutz etwa an der Annaberger, der Zschopauer und der Frankenberger Straße schon auf längeren Abschnitten gibt, sieht die Verwaltung woanders Nachholbedarf. "Dort, wo Straßen saniert werden, wird möglichst ein Schutzstreifen angelegt", sagte Verkehrsplaner Dirk Bräuer vom Tiefbauamt bei einer Diskussion im Rahmen der Tagung "Ist Chemnitz reif fürs Fahrrad?" im Industriemuseum. Ein Beispiel dafür ist die Sanierung der Straße der Nationen im Bereich des Versorgers Eins. Dort entstand stadtauswärts ein 500 Meter langer Streifen am Fahrbahnrand. Dass dieser nicht durchgehend ist und wie aus dem Nichts beginnt und endet, müsse man in Kauf nehmen, so Bräuer. 2017 soll ein weiterer Abschnitt der Straße der Nationen - dann in Richtung Innenstadt - einen solchen Streifen erhalten, sagte Baubürgermeister Michael Stötzer gestern. Es sei besser, diese Wege auch mit Lücken auszuweisen als gar nicht. Häufig müsse man auf Bauarbeiten warten, um die Markierungen aufzubringen, etwa wenn der alte Belag in einem solch schlechten Zustand ist, dass er die Beschichtung nicht mehr trage, erläuterte Stötzer.

Es sei wichtig, Autofahrer an diese Verkehrssysteme zu gewöhnen, sagte er. Natürlich würden die Streifen Einschränkungen für Autofahrer mit sich bringen - so auf der Annaberger Straße, wo statt zwei Fahrspuren nur noch eine zur Verfügung steht. "Aber es gibt eben auch andere Verkehrsteilnehmer", so der Baubürgermeister.

Befahrbarkeit des Zentrums: In diesem Areal ist ein Durchkommen mit dem Drahtesel nur schwer möglich, stellte Jörg Schuster fest. Der Besucher der Diskussion im Industriemuseum bezweifelte, dass Radfahrer durchgängig auf legalem Weg durch das Zentrum fahren könnten. Der Alltagsradfahrer forderte die Verwaltung auf, sich beim Ausbau der Rad-Infrastruktur mehr auf diesen Bereich zu konzentrieren. Die Stadt sieht durchaus Nachholbedarf, etwa beim Aufbau von Fahrradständern. Bis 2020 sollen laut Radverkehrskonzeption 500 Fahrradständer in der Innenstadt aufgestellt werden, sagte Michael Stötzer. Derzeit sei man bei etwa der Hälfte angekommen. Er will sich beim Ausbau der Infrastruktur für Radler aber vor allem auf Kaßberg, Brühl, Sonnenberg und Schloßchemnitz konzentrieren, weil dort viele Radler lebten. "Wir müssen bei der Verknüpfung dieser Stadtteile ins Zentrum etwas tun", kündigte Michael Stötzer an.

Er gibt Jörg Schuster zwar Recht, dass Fahrradfahrer "sicherlich nicht überall im Zentrum radeln könnten", aber in weiten Gebieten sei das möglich. Auf dem Wall sei Radfahren nicht grundsätzlich ausgeschlossen, auf dem Markt sei es bei Veranstaltungen verboten.

Platz für Radler an Einkaufsmärkten: Dass beim Bau eines neuen Einkaufsmarktes auf dem Kaßberg wenig an Radfahrer gedacht worden sei, kritisierte ein Zuhörer. Stötzer bestätigt, dass es dort nur wenige Fahrradständer gibt und eine Spur für Radler fehlt. Verkehrsplaner Bräuer spricht von Diskussionen mit dem Bauherrn: "Wir müssen die Supermärkte mehr in die Pflicht nehmen, die feilschen um jeden Meter." Früher habe die Sächsische Bauordnung solche Dinge geregelt, jetzt seien die Kommunen in der Verantwortung. "Die Stadt kann eine Satzung erlassen, in der sie den Platz für Radfahrer festlegt", so Stötzer. Aber man müsse vorher die Frage beantworten, was zumutbar sei für die Bauherren. Und auch hier bestehe ein Interessenkonflikt mit den Autofahrern, die Platz zum Parken benötigten.

Radwege: Während es im Radler-Alltag noch einige Probleme in der Stadt zu lösen gilt, gebe es für Freizeitradler zahlreiche Möglichkeiten, die Stadt zu erkunden, lautete der Tenor der Diskussion. So sei viel Geld in den Ausbau des Chemnitztalradweges geflossen. Dirk Bräuer sieht darin Chancen. "Der Chemnitztalradweg hat eine große Symbolkraft, und es gibt in der Stadt auch viel Freizeitradverkehr", so der Verkehrsplaner. Auf einigen Abschnitten werde der Weg auch im Alltag von vielen Radlern genutzt.

Die Stadt steht zudem in den Startlöchern, um den nächsten großen Radweg zwischen Küchwald und Wüstenbrand zu bauen, kündigte Stötzer an. 4,4 Millionen Euro, ein Großteil davon Fördermittel, stehen dafür bis 2021 zur Verfügung. Derzeit verhandele die Stadt über den Kauf von Grundstücken.

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8Kommentare
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  • 2
    0
    Hinterfragt
    25.11.2016

    Ich bin ab und an als Fußgänger oder Radfahrer oder Autofahrer in Chemnitz unterwegs, da habe ich festgestellt, dass mich viele andere Verkehrsteilnehmer aller Kategorien mit ihrer absoluten Rücksichtslosigkeit nerven!

    Also sollte sich JEDER erst einmal an die eigene Nase fassen und einfach mal versuchen, sich so zu verhalten, wie er es von anderen erwartet ...

  • 2
    0
    Hinterfragt
    25.11.2016

    Fußgänger (vor allem die ständig aufs Smartphone glotzenden) im öffentlichen Verkehrsraum stellen nicht nur für sich selber sonder vor allem auch eine Gefahr für ALLE anderen Verkehrsteilnehmer dar.
    Deshalb verstehe dieses rücksichtslose Verhalten mancher Fußgänger nicht.
    Für mich ist es absolut unverständlich, warum es immer noch keine Kennzeichnungs - und Versicherungspflicht für diese Verkehrsteilnehmer gibt???

  • 1
    1
    61charly
    24.11.2016

    Wie soll die Kopie auch geistreicher sein als das Original?
    Übrigens nutzen Radfahrer ein Fahrrad.
    Radler ist ein alkoholisches Getränk und welche Kreatur ist ein Drahtesel.

  • 1
    1
    karstenp
    24.11.2016

    Schwach und naja wenig geistreich was mansche Radler so anstellen, und das noch nichteinmal nur mit dem Drahtesel!????

  • 0
    2
    61charly
    23.11.2016

    Ich bin meist als Radfahrer in Chemnitz unterwegs, da habe ich festgestellt das mich viele Autofahrer mit Ihrer absoluten Rücksichtslosigkeit nerven!

  • 0
    1
    61charly
    23.11.2016

    karstenp: Autofahrer im öffentlichen Verkehrsraum stellen nicht nur für sich selber sonder vor allem auch eine Gefahr für andere vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer dar.
    Deshalb verstehe diese Rücksichtlose Fahrweise mancher Autler nicht. Für mich ist es absolut unverständlich warum es immer noch keine Kennzeichnungs - und Versicherungspflicht für diese Verkehrsteilnehmer gibt???

  • 1
    1
    karstenp
    23.11.2016

    Radfahrer im öffentlichen Verkehrsraum stellen nicht nur für sich selber sonder vor allem auch eine Gefahr für andere vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer dar.
    Deshalb verstehe diese Rücksichtlose Fahrweise mancher Radler nicht. Für mich ist es absolut znverständlich warum es immer noch keine Kennzeichnungs - und Versicherungspflicht für diese Verkehrsteilnehmer gibt???

  • 3
    1
    BlackSheep
    04.11.2016

    Ich bin ab und an als Fußgänger oder Autofahrer in Chemnitz unterwegs, da habe ich festgestellt das mich viele Radfahrer mit Ihrer absoluten Rücksichtslosigkeit nerven!



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