Weltkulturerbe-Stätten brauchen 70 Millionen Euro

Nach der Verleihung des Unseco-Titels wird im Erzgebirge auch auf einen Schub im Tourismus gehofft. Doch dafür muss nun an einigen Orten investiert und saniert werden.

Annaberg-Buchholz.

Die Verleihung des Welterbetitels im vergangenen Jahr hat im Erzgebirge alles überstrahlt. Ein mehr als 19 Jahre dauernder Prozess konnte damit erfolgreich abgeschlossen werden. Doch eigentlich geht es erst jetzt richtig los, ist es an der Region, den Titel mit Leben zu erfüllen. Ist dahingehend bislang noch vieles im Hintergrund gelaufen, wird es ab 2020 auch so einiges zu sehen geben, sagt Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge (WFE). So sollen zum Beispiel an den Autobahnen 4 und 72 Schilder für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí werben. Und bis Mitte 2020 ist geplant, die Beschilderung der wichtigsten Objekte der 22 Weltkulturerbe-Bestandteile abzuschließen, betont Lißke.

Ein wesentlich größerer Posten aber seien die an den Weltkulturerbestätten notwendigen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten. Eine Schnellerfassung der Städte und Gemeinden, auf deren Flur sich die Objekte befinden, hat ergeben, dass sie mittelfristig einen finanziellen Bedarf in Höhe von rund 70 Millionen Euro haben. Mittelfristig bedeutet laut Lißke ein Zeitfenster von sieben bis acht Jahren. Als positiv sieht er in dem Zusammenhang an, dass das Thema Welterbe im Koalitionsvertrag der Landesregierung Eingang gefunden hat und etwa beim Denkmalschutz Welterbeprojekte bereits jetzt Priorität genießt.

In den rund 70 Millionen Euro enthalten seien aber auch Mittel für die Einrichtung und Ausstattung der Besucher- beziehungsweise Welterbezentren. Diese sind den vier Bergstädten Freiberg, Schneeberg, Marienberg und Annaberg-Buchholz fest zugeordnet, weil dort die jeweiligen Stadtzentren Bestandteil des Weltkulturerbes sind, erläutert Lißke. Dafür sollen die betreffenden Städte bis Februar ihre Konzepte erarbeiten, damit anschließend die weitere Planung vorangetrieben werden könne. Dabei sei zu beachten, dass die Zentren möglichst dort geschaffen werden, wo die Besucherströme entlangführen beziehungsweise zu erwarten sind. "Wenn in drei Jahren das erste Besucherzentrum fertig ist, können wir dankbar sein", sagt der WFE-Chef. Die Investition dieser um die 350 Quadratmeter großen Objekte, die etwa Ausstellungen ebenso wie Schulungsräume und natürlich Informationsmöglichkeiten enthalten sollen, werde gefördert. Die weitaus größere Herausforderung sei deren langfristige Betreibung, die normalerweise in Verantwortung der Städte und Gemeinden liegen werde. Neben diesen Zentren soll es zudem noch mehrere sogenannte Infoterminals an den anderen Bestandteilen geben. Wichtig dabei sei ein einheitliches Erscheinungsbild, damit sich die Gäste der Region leicht orientieren können.

Doch nicht nur für Touristen ist das Welterbe ein Mehrwert. Auch für die Erzgebirger selbst. "Die Verleihung des Titels ist eine Anerkennung des Erzgebirges und seiner Menschen, hat zu einer Wertsteigerung und noch größerer Bekanntheit der Region geführt", betont Lißke. Das merkten insbesondere Unternehmen, die Kunden in den alten Bundesländern haben. Damit könne endlich das jahrelange Image des Erzgebirges als Armutsregion und Billiglohnsektor abgelegt werden, ist Lißke überzeugt, der sich mit "seiner" Wirtschaftsförderung Erzgebirge nach diesen 19 Jahren intensiver Arbeit zur Erlangung des Welterbetitels aus dem Aufgabengebiet sukzessive zurückziehen wird.

Alle Aktivitäten zur Weiterentwicklung und Vermarktung der hiesigen Welterbestätten wird künftig der Welterbeverein übernehmen, deren Vorsitzender Landrat Frank Vogel ist. "Ich denke, dass das Mitte 2020 soweit sein kann", sagt Lißke. Bis dahin will der Verein entsprechendes Personal einstellen und einen Geschäftsführer benennen.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.