Wenn Klimaschutz auf Schulpflicht trifft

Von klaren Ansagen an die Eltern, extra angesetzten Leistungskontrollen bis zum Demo-Besuch gemeinsam mit Lehrern: Die Chemnitzer Schulen gehen sehr unterschiedlich mit dem für heute geplanten Aktionstag fürs Klima um. Auch ernste Bedenken spielen dabei eine Rolle.

Kaum ein Elternabend kommt derzeit um das Thema herum: Wie sollen Schüler, Lehrer, Eltern umgehen mit dem Aufruf zum "globalen Klimastreik" am heutigen Freitag? Ab 12 Uhr ist auf dem Neumarkt eine Kundgebung im Rahmen der Bewegung "Fridays for Future" geplant. Die Organisatoren erwarten Hunderte Teilnehmer - vor allem Schüler aus Chemnitzer Schulen, aber auch von außerhalb. Anschließend soll es eine Demonstration auf dem Innenstadtring geben.

Das argumentative Dilemma: Einerseits gilt die Schulpflicht. Wer unentschuldigt fehlt, muss mit Konsequenzen rechnen. Andererseits haben Bundespräsident, Bundeskanzlerin und selbst die Justizministerin ihre Sympathien für die bundesweiten Schülerstreiks zum Ausdruck gebracht. Und offenbar auch viele Lehrer finden es so schlecht nicht, wenn die oft als politisch eher uninteressiert geltenden jungen Leute sich Gedanken machen über ihre Umwelt und die Zukunft.

Selbst die Schulbehörden können dem Anliegen grundsätzlich etwas abgewinnen. "Uns ist es wichtig, dass sich Schülerinnen und Schüler engagieren, sowohl für politische Themen als auch für den Klimaschutz", sagt Roman Scholz vom Landesamt für Schule und Bildung. Diese Themen gehörten selbstverständlich auch in den Unterricht. "Eine andere Frage ist, ob Demons-trationen für diese Ziele die bestehende Schulpflicht aussetzen können." Die Teilnahme an der internationalen Streikbewegung stelle jedenfalls keinen Freistellungsgrund dar, so Scholz.

Manche Schulen wollen offenbar ganz auf Nummer sicher gehen. "An unserem Gymnasium hat ein Lehrer angekündigt, Freitagmittag einen Test zu schreiben", schildert der Vater eines Schülers. "Wer unentschuldigt fehlt, soll automatisch eine Note 6 erhalten." An einem anderen Gymnasium wiederum hängt der Aufruf zum "Klimastreik" ganz offiziell in einem Schaukasten - gleich neben dem Vertretungsplan.

Am Andrégymnasium wird aus der Not eine Tugend gemacht. Mehrere Klassen und Kurse nehmen - im Rahmen eines sogenannten Unterrichtsgangs - gemeinsam mit ihren Lehrern an der heutigen Demonstration teil. "Das Thema Klima passt bei ihnen gerade sehr gut in den Unterricht", erläutert Schulleiter Andreas Gersdorf.

Doch auch er spricht nicht ohne Bauchschmerzen von einem "spannenden" Tag, der den Schulleitungen bevorsteht. Denn die Aufsichtspflicht der Schulen besteht in jedem Fall fort. "Die Eltern gehen ja davon aus, dass ihre Kinder bei uns sicher sind", verdeutlicht Gersdorf. Mache sich ein Schüler aus dem Staub, müssten seine Eltern telefonisch in Kenntnis gesetzt werden. "Es gibt auch keinen Versicherungsschutz, wenn den Schülern unterwegs etwas passiert", so Gersdorf.

Stefan Meyer vom Evangelischen Schulzentrum, einem freien Bildungsträger, hätte sich eine sachsenweit einheitliche Regelung gewünscht. "Für eine einmalige Aktion hätte man sich da sicher verständigen können", sagt er. "Aber man weiß ja nicht, ob daraus etwas Regelmäßiges wird." Das Schulzentrum habe sich letztlich entschlossen, keine Befreiungen vom Unterricht zu erteilen. "Das Engagement der jungen Leute finden wir richtig gut, dennoch müssen wir rechtskonform handeln."

Zumal die Themen Klima, Nachhaltigkeit und Globalisierung nach Einschätzung der Bildungsbehörden auch sehr gut in den Schulen diskutiert werden können. Ob Thementage, Projektwochen oder Aktionszeiträume - es gebe dazu jede Menge Möglichkeiten, erläutert Landesamtssprecher Roman Schulz. Auch ganz praktisch könnten sich Schüler und Schulen einiges vornehmen, findet er: den Verzicht auf Plastik und Einwegverpackungen beispielsweise.

An einigen Einrichtungen hält sich das Interesse an den Schülerstreiks derweil offenbar ohnehin in Grenzen. "Bei uns finden seit Langem geplante Projekte statt, auf die die Schüler sicher nicht verzichten wollen", sagt Heike Köhler, die Leiterin der Oberschule Reichenbrand. Ähnlich äußerte sich die Chefin der Unteren Luisenschule, Gabriele Lenk. "Wegen der geplanten Aktionen sind an mich noch keine Schüler herangetreten", sagte sie am Donnerstag. Dennoch habe sie in einem Elternbrief vorsorglich auf die Rechtslage hingewiesen.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
14Kommentare
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  • 5
    0
    ralf66
    16.03.2019

    @DTRFC2005, dass ist doch so nicht richtig, was Sie schreiben, ich für meinen Teil habe hier in meinem letzten Beitrag nur festgestellt, wie zum großen Teil der Hase läuft, dass heißt doch nicht, dass ich selber nicht gewillt bin, zum Umweltschutz beizutragen, wir kaufen beim Bäcker, beim Fleischer, wir wecken ein und zwar eigenes Obst von ungespritzten Bäumen, oder alte böhmische Obstsorten, dass ist so, wenn wir im Winter frische Äpfel und Birnen zu essen bekommen, ist das, wenn es einheimisches Obst ist, Lagerobst, dass bei 1,0-3,0 °C gekühlt aus Kühlhäusern kommt, die massig Energie verbrauchen, oder weit transportiertes, nicht umweltfreundliches Obst, aus der ganzen Welt, früher lagerte man die Äpfel in kalten Kellern, die aber im Winter eine Durchschnittstemperatur von ca. 6,0-10,0 °C hatten, der Apfel zum Beispiel, wurde da nach drei Monaten bissl schrumplig, den würde heute keiner mehr kaufen, nur bei einer Lagertemperatur kurz über dem Gefrierpunkt, lässt sich solches frisches Obst in den Läden kaufen, wie wir es heute tun und das kostet massig Energie. Wenn man sich zum Beispiel im Winter saisonal ernähren müsste oder würde, hätte man einen großen Teil der heutigen Obstsorten und Nahrungsmittel nicht frisch, sondern nur in konservierter Form auf dem Tisch. Ich könnte Ihnen hier massig weitere Beispiele bringen, die sich sehr schädlich auf den Umweltschutz auswirken, aber leider in der modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind. Ich mach's mal kurz, um 100% Christ zu sein, müsste ich in ein Kloster gehen, selbst dort, wäre das unter den heutigen Bedingungen, nicht das Gleiche, wie noch vor 100 Jahren, dass Gleiche gilt, für unsere gesamte Lebensweise auf dieser Erde, wenn wir brutal Klima- und Umweltschutz 1zu1 der grünen Lobby umsetzen wollten, müssten wir eine Lebensweise, wie vielleicht vor 200 Jahren führen und deshalb ist für mich das ganze Geschwafel, wozu auch diese Schülerdemos gehören, völlig überzogen, weil vieles davon reines Wunschdenken ist, nur Worthülsen sind, die keiner in dieser Gesellschaft umsetzen kann oder will ohne eine völlig andere Lebensweise zu führen.

  • 3
    1
    Einspruch
    15.03.2019

    @Dtr......Wie es bei mir läuft? Ich kaufe keine Bananen aus Deutschland im Dezember und benutze Stoffbeutel. Aber das der Strom trotz Vertrag bei Windstille vom Windrad kommt, das glaube ich nicht, Sie? Mein Beileid.

  • 6
    3
    DTRFC2005
    15.03.2019

    @Einspruch: Wer sich müht, findet zu vielem was die Umwelt schädigt Alternativen. Aber hier scheinen einige Kommentatoren gar nicht gewillt zu sein, wenigstens den Mut und die Courage der Jungen Leute anzuerkennen, geschweige denn selbst Umweltbewusst handeln zu wollen. Man kann vieles meiden und anders angehen, wenn man denn Willens dazu ist. Aber das wollen hier einige nicht. Wie läuft es denn bei Ihnen? Was tun Sie für eine bessere Umwelt ?

  • 5
    7
    Einspruch
    15.03.2019

    Blackadder, Sie sind ein Witzbold, Ihren Kühlschrank möchte ich gar nicht ansehen, regional, saisonal. Kein Plastik . Sie sind ja echt komisch und haben Sinn für Humor.
    Läuft Ihr Herd auch mit Öko Strom? Abends bei Windstille? Und das Auto hat ein Laufrad eingebaut.

  • 7
    1
    saxon1965
    15.03.2019

    Wie so oft verfallen wir nur all zu leicht ins Schwarz-Weis-Denken. Während man sich in den NBL vor 1990 nach Südfrüchten gesehnt hat, muss heut zu Tage ein solches Überangebot da sein, dass eine zweistellige Prozentzahl verdirbt und weggeschmissen wird. So ist das bei fast allen Lebensmitteln.
    Aber es gibt sie auch, zum Beispiel die Fleischereien die hochwertige Ware aus der Region anbieten, die Direktvermarkter oder die Gaststätte mit regionalem Angebot. Natürlich darf da auch Wein aus Australien in der Karte stehen. Nur brauchen wir jetzt im Winter wirklich Erdbeeren? Da bestimmt letztlich der Verbraucher mit, wenn auch nicht immer ganz unbeeinflusst.
    Letztlich hängt Alles mit Allem zusammen und solange es dem Profiteur nichts kostet (Steuern), wenn er mit seinem Transport von globaler Ware saubere Luft verschmutz oder sein Fleisch zu Lasten des Tierwohls produziert, setzt der Hebel an der falschen Stelle an.
    Solange jedoch Entscheidungsträger/Politiker lobbygesteuert und/oder mehr die eigenen privaten Interessen im Auge haben (können), wird sich freiwillig nichts ändern.

  • 6
    9
    ralf66
    15.03.2019

    @Blackadder, dass ich nicht lache, Sie essen keine Südfrüchte was soll denn das heißen, möglichst regional saisonal, dass heißt, wenn nicht möglichst immer öfter Südfrüchte, dann jetzt im noch Winter, eingewecktes vom eigenen Pflaumen-Kirsch-Apfel und Birnenbaum, denn die Massig Äpfel und Birnen die Sie u.a. frisch zur Zeit kaufen können, auch die aus den Bioläden, lagern in riesigen Kühlhäusern die enorm viel Energie verschlingen und dann sei noch etwas bemerkt, es gibt unter anderen in Deutschland sehr viele Menschen, die den Pfennig zweimal rumdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben und das überteuerte Biozeug nicht kaufen, die kaufen Eingeschweißtes, ob sie das wollen oder nicht. Bis in die 60ger Jahren, also wenigstens in der Bundesrepublik, gab es ein flächendeckendes Netz an kleinen Lebensmittelläden, Bäcker, und Fleischer die die Bevölkerung gut versorgen konnten, diese Läden führten u.a. regionale und saisonale gute Lebensmittel, aber zu normalen Preisen, die sich jeder leisten konnte! Mit den Großmärkten wurde diese ganze Struktur zur Sau gemacht, der Staat hat zugeschaut und heute sieht es so aus, dass diese Fehlentwicklung fast nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und wenn doch, dann nur zum Teil und auf Kosten der Verbraucher, eine feine Politik.
    Das Endergebnis wird sein, man verkauft Zweiklassenlebensmittel, das teurere Biolebensmittel, für die gut Betuchten umweltbewussten Bürger und das hundertfach verpackte und Eingeschweißte, für die nicht so gut Betuchten, die dann nicht umweltbewusst sein können, obwohl sie es vielleicht sein wollten.

  • 8
    9
    Blackadder
    15.03.2019

    @DTRFC2005: Bei uns läuft das in der Familie auch schon so: meine Tochter achtet da beim Einkauf sehr drauf! Kein Palmöl, möglichst regional, saisonal, Bio...keine Plastiktüten. Die Jugend ist das z.T. viel weiter als wir!

  • 8
    3
    DTRFC2005
    15.03.2019

    Klimaschutz und Schulpflicht müssen wohl aufeinander treffen. Würden die Schüler außerhalb der Schulzeit zeigen was sie bewegt, würde hier wohl kaum einer den Artikel lesen, geschweige denn kommentieren. Außer meiner Sicht alles richtig gemacht. Nur sollte dies nicht die Regel werden, das jeden Freitag o.ä eine Streik anberaumt wird. Ich bin gespannt auf das, was bei den Redebeiträgen rüberkommt. Wir als Erwachsene, die zum großen Teil an diesem UMWELTschlammassel nicht unbeteiligt sind, sollten uns hinter unsere Kinder stellen und zwar auch Vorbildwirkend beim Einkaufen, der Frage ob man mit dem Auto fährt oder doch läuft, ob es jedes Jahr die neuste Technik sein muss, möglichst viel regionales einkauft usw.

  • 2
    8
    Hinterfragt
    15.03.2019

    @Moderator
    So steht es im Text:
    "...Mache sich ein Schüler aus dem Staub, müssten seine Eltern telefonisch in Kenntnis gesetzt werden. "Es gibt auch keinen Versicherungsschutz, wenn den Schülern unterwegs etwas passiert..."

    Wenn es um den aus dem Staub gemachten geht, müsste es dann anders formuliert werden.
    z.B.: Es gibt auch keinen Versicherungsschutz, wenn ____dem Schüler____ unterwegs etwas passiert...

  • 8
    11
    Blackadder
    15.03.2019

    @bürgerenergie: ich kann nicht für alle Schulen sprechen, aber am Chemnitzer Schulmodell wird den Themen Umweltschutz, Klima, Klimawandel etc. sehr viel Platz im Unterreicht eingeräumt. Gerade und speziell jetzt in Vorbereitung der heutigen Demo. Aber welcher Politiker lässt sich denn bitteschön von einer besseren Klimapolitik dadurch überzeugen, dass Schüler in der Schule über Klimawandel reden.

    Oder, @andrea1967, dadurch, dass Schüler am Wochenende mal demonstrieren gehen? Der Druck auf die Politik ist doch gerade durch die stetigen Diskussionen zum Schulpflicht viel größer.

  • 11
    1
    Moderator
    15.03.2019

    @Hinterfragt: Anbei eine Antwort unseres Kollegen Michael Müller: Ihr lückenhaftes Zitat lässt hier einen falschen Zusammenhang entstehen. Wie im Beitrag ausgeführt, besteht kein Versicherungsschutz, "wenn ein Schüler sich aus dem Staub macht." Der gemeinsame "Unterrichtsgang" mit Lehrern zur Demo hingegen gilt als schulische Veranstaltung.

  • 20
    11
    andrea1967
    15.03.2019

    Klimaschutz ist extrem wichtig - keine Frage! Aber dafür kann auch am späten Nachmittag oder Samstag demonstriert werden!

  • 8
    6
    bürgerenergie
    15.03.2019

    "Diese Themen gehörten selbstverständlich auch in den Unterricht."
    "Zumal die Themen Klima, Nachhaltigkeit und Globalisierung nach Einschätzung der Bildungsbehörden auch sehr gut in den Schulen diskutiert werden können."

    Na dann! Wenn das dann wirklich endlich passiert, dort auch die zeitlichen und personellen Kapazitäten vorgesehen sind, dann wäre schon eine Menge gewonnen.

    Es ist nämlich nach meiner Meinung unerträglich, wenn Schülerinnen und Schülern vielfach vorgehalten wird, das mit dem Klimaschutz "ginge nicht so einfach" (real erlebtes Zitat), wenn Ihnen zum Teil erklärt wird, sie verstünden es nur noch nicht, wie das alles wäre, ihnen aber zugleich mangels Zeit im Unterrichtsplan (und zu wenig (dazu geschultem) Personal - machen wir uns nichts vor) an den Schulen genau dazu kein Diskursraum eingeräumt wird.

  • 2
    8
    Hinterfragt
    15.03.2019

    "...im Rahmen eines sogenannten Unterrichtsgangs - gemeinsam mit ihren Lehrern an der heutigen Demonstration teil....Denn die Aufsichtspflicht der Schulen besteht in jedem Fall fort ..."Es gibt auch keinen Versicherungsschutz, wenn den Schülern unterwegs etwas passiert"..."

    Richtig erkannt, nur der letzte Teil ist so nicht richtig.
    Wenn es ein Unterrichtsgang ist, ist es Unterricht und somit haftet die Schule für Vorkommnisse während dieser Zeit - Wie er schon sagte, es besteht Aufsichtspflicht.



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