Westflügel auf Schloss Hoheneck wird frühestens 2021 fertig

Die alte Gefängnis-Orgel ist seit Jahrzehnten verstummt. Jetzt könnte sie wieder gangbar gemacht werden. Das gehört zum Sanierungskonzept. Doch zuerst sind andere Arbeiten notwendig.

Stollberg.

Der Ausbau des Dachgeschosses im Südflügel des ehemaligen Frauengefängnisses Hoheneck - hier soll die Abora-Schilfboot-Schau rein - sowie das Mammutprojekt Westflügel für die Gedenkstätte und das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) kosten viel Geld. "10,4 Millionen Euro betragen nach heutigem Stand die Kosten - inklusive Fördergelder", sagt Jana Walter vom Stollberger Bauamt. Sie hofft, dass 2021 das Vorhaben abgeschlossen ist und alles eröffnet werden kann. "In den alten Gemäuern stecken aber immer Überraschungen", so Walter weiter. Soll heißen: Die genannten Kosten und der genannte Termin - alles noch nicht sicher.

Ganz früher sollte das Vorhaben schon dieses Jahr beendet sein, doch das TPZ braucht mehr Platz - neben dem dritten und vierten soll auch das zweite Obergeschoss für das Theater eingerichtet werden. Die Gedenkstätte zieht in die Etage darunter. Weil das TPZ aber in der Regel mit deutlich mehr als 200 Gästen rechnet, wird der Brandschutz umfangreicher und damit der Bauplan. So muss es etwa ein Extra-Treppenhaus geben, die bestehende Wendeltreppe als Fluchtweg ist unzulässig.

Mitten in der gigantischen Baumaßnahme gibt es aber auch ein interessantes Detail: Die alte Orgel im ehemaligen Kirchensaal des Gefängnisses. Sie steht schon seit Jahrzehnten still, wird aber nun restauriert und nach Fertigstellung der Umbaumaßnahmen wieder aufgestellt. Orgelbauer Josef Poldrack aus Chemnitz wird sich um den Auftrag kümmern - nach seiner Aussage hat das Vorhaben ein Kostenvolumen von 90.000 Euro.

Laut dem Landesamt für Denkmalpflege handelt es sich um ein einst solide gebautes und fast unverändert erhaltenes Werk von Bruno Kircheisen (1830-1902), einem kleinen Dresdner Orgelbauer. Kircheisen war ein Enkel von Karl Gotthold Jehmlich, dem Stammvater der berühmten Orgelbauerfamilie. "Die Bauzeit wird sicher vor 1891 liegen", vermutet das Landesamt. Die Orgel habe durch Vandalismus gelitten - vor allem durch Zerstörung mehrerer Zinnpfeifen. Auch habe das Instrument durch die Heizung des Raums und unvorsichtige Anstreicher gelitten. Die Windladen sind sehr stark zusammengetrocknet, kleine Zinn-Pfeifen wurden deformiert, so ein Gutachten.

"Wir wollen, dass die Orgel wieder erklingt", so Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt. Und: So soll auch die Musikschule des Erzgebirges das Instrument spätestens ab 2022 nutzen. Diese Einrichtung und das schon genannte TPZ gehören dem Landkreis, der an die Stadt ein Entgelt von insgesamt etwa 1,4 Millionen Euro zahlt, damit die Kinder und Jugendlichen vom Theater im Westflügel spielen können. Eine optimale Auslastung der mit großem finanziellen Aufwand umgebauten Räumlichkeiten - allein die Bühnenausstattung für das Theater soll etwa 1,5 Millionen Euro kosten - ist auch dringend geboten.

"Spiel- und Probenpläne werden erarbeitet, wenn die Baumaßnahmen abschlossen sind", so Katja Peter von der Pressestelle des Landkreises. Auf die Frage, wie die Räume genutzt werden, wenn das TPZ nicht probt oder auftritt - schließlich hat das Ensemble viele Auswärtsauftritte - sagt Peter: "Diese Frage sei aktuell nicht relevant. Aber eine Untervermietung für ähnliche sonstige Nutzungen liege nahe. Eine Zielvorgabe habe der Landkreis aber schon: "Mit der Stammspielstätte Hoheneck werden sicher etwas mehr als die im Jahr 2017 gezählten 11.000 Gäste angestrebt." Die Erträge aus den Veranstaltungen dienen der Deckung der für das TPZ anfallenden Kosten; es werde künftig ein Deckungsgrad von zehn Prozent über Umsatzerlöse angestrebt. In den Jahren 2016 und 2017 lagen diese bei etwa 30.000 Euro.

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