Neuer Ärger um Stadion-Projekt in Chemnitz

Unterlegener Bieter legt Widerspruch gegen Vergabe ein - Seine Offerte soll deutlich günstiger sein

Der Baustart des neuen CFC-Stadions könnte sich womöglich verzögern. Grund ist der Widerspruch eines Bieters, der bei der Ausschreibung für die Generalplanung des Projekts unterlegen war. Die Vergabekommission hatte unter Federführung von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig entschieden, den Auftrag an ein Konsortium aus Düsseldorf und Stuttgart zu vergeben. Keine Berücksichtigung fand hingegen das Angebot der Chemnitzer Niederlassung des bundesweit tätigten Bauunternehmens Köster. "Die Entscheidung der Stadt hat uns erstaunt und verärgert, weil unser Gebot deutlich günstiger war als das des Siegers", sagte Köster-Geschäftsführer Raik Szelenko der "Freien Presse".

Nach seinen Worten will Köster das Stadion für insgesamt 23 Millionen Euro bauen. Das Gebot des Sieger-Konsortiums hingegen soll um 1,5 Millionen Euro höher sein, so Szelenko. "Aus unserer Sicht ist das viel Geld", fügt er hinzu. Er könne nicht verstehen, warum die Stadt für das Stadionprojekt ohne Not so viel mehr ausgeben will. "Wir wollen wissen, warum der andere Vorschlag der bessere sein soll", ergänzt er. Das sei auch der Grund, warum man bei der Vergabestelle der Stadt offiziell eine Rüge eingereicht habe.

Die Stadtverwaltung bestätigte am Freitagabend den Eingang der Rüge. Details wurden mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht genannt. "Solche Anträge sind jedoch bei einem Bauvorhaben dieser Größe etwas, womit man leider immer rechnen muss", sagte eine Rathaussprecherin. Nach Angaben der Stadt sei der Zuschlag auf Grundlage einer Bewertungsmatrix erfolgt, die allen Bietern vor Angebotsabgabe bekannt gewesen sei. In die Entscheidung seien zu 55 Prozent der Preis und zu 45 Prozent weitere Kriterien wie Funktionalität, Architektur und Gestaltung sowie technische Gebäudeausrüstung eingeflossen.

Alle Bieter hätten innerhalb des vom Stadtrat vorgegebenen Budgets in Höhe von 25 Millionen Euro gelegen. Auf Basis der Bewertungsmatrix habe die Bietergemeinschaft BAM "die mit Abstand höchste Punktzahl" erreicht. Deshalb soll der Zuschlag an die BAM erteilt werden. Auf die Fragen der "Freien Presse", ob die Offerte von Köster tatsächlich die günstigste war und ob das Angebot der BAM um 1,5 Millionen Euro über dem von Köster liegt, gab es keine Antwort.

Der Baukonzern Köster hat nach eigenen Angaben ausreichend Erfahrungen in der Realisierung von Großprojekten und zudem auch Referenzen beim Bau von Fußballstadien. So hat das Unternehmen die Bay-Arena in Leverkusen und die Volkswagen-Arena in Wolfsburg errichtet. In Chemnitz war Köster verantwortlich für den Bau des Behördengebäudes am Wall. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Osnabrück beschäftigt bundesweit 1000 Mitarbeiter und betreibt in Chemnitz eine Niederlassung.

Die Auswirkungen des Widerspruchs sind derzeit noch unklar. Fest steht allerdings, dass so lange kein Baustart erfolgen kann, bis die Angelegenheit geklärt ist. Bis dahin darf die Stadt als Bauherr keinen Zuschlag erteilen. Theoretisch ist für den unterlegenen Bieter auch ein Gang vor Gericht möglich - was das für den Zeitplan des Projekts bedeutet, ist derzeit noch nicht absehbar.


Die Geschichte des Stadion-Projekts

Im Juni 2011 gehen Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und CFC-Vorstands-Chef Mathias Hänel mit den Plänen an die Öffentlichkeit, ein neues Fußballstadion in Chemnitz zu bauen. Bauherr soll die städtische Wohnungsgesellschaft GGG werden, die Stadt Chemnitz will lediglich das Darlehen für den Bau aufnehmen.

Im Oktober 2011 soll der Stadtrat über das Projekt entscheiden. Weil die Sitzung per Videoleinwand auf den Neumarkt übertragen wird, muss Oberbürgermeisterin Ludwig die Beschlussfassung wiederholen lassen. Wie schon bei der ersten Abstimmung spricht sich eine Mehrheit für den Stadionbau aus.

Im September 2012 lehnt die Landesdirektion die geplante Vertragskonstruktion zwischen Stadt und GGG ab. Die Stadt wird daher nun doch selbst als Bauherr auftreten.

Im Juni 2013 präsentieren Ludwig und Hänel den Gewinner der Ausschreibung. Das Stadion soll demnach das BAM-Bieterkonsortium bauen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
7Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    poltersdorf
    12.07.2013

    Leute, schaut euch mal das Spiel bei Union Berlin an... Was wollt ihr mit irgendwelchen Ausschreibungen und Stadion? Das sind Fans, welche sich aktiv am Umbau beteiligen. Hier gibt es nur Laberer und Kommentierer aber keine Initiative zur Unterstützung mit Aktienkauf und so weiter.... Was sind das für Fans???? für mich nur biertrinkende Schreier, die nicht wissen, was sie mit ihrem Wochenende anfangen sollen....

  • 9
    1
    29.06.2013

    Wenn man schon eine Offerte für ein Bauprojekt abgibt sollte man auch die Ausschreibebedingungen hinnehmen - oder innerhalb der Frist diese Bedingungen bei der Vergabestelle anzweifeln - dann kann man sich auch aus dem Fenster lehnen und sagen mein Angebot war besser als das von xy. Da bei der Vergabe aber nicht 100% der Preis ausschlaggebend war und anscheind die Vergabematrix nicht angezweifelt wurde sollte sich die beklagende Person nicht an die Presse wenden nur weil sie nicht verlieren kann.

    Im endefekt mag Köster zwar 1,5 Millionen günstiger gewesen sein, aber wie schon geschrieben wurde Großprojekt ist nicht gleich Großprojekt. Wenn x eine bessere Innenausstattung und ein besseres Konzept hatte als y dann würde ich den Zuschlag auch an x geben. Im endefekt versucht hier nur wieder jemand zeit zu schinden. Wenn das Thema vom Tisch ist kommt garantiert ein Anwohner oder Umweltschützer und hat eine Fledermaus niesen gehört.

  • 1
    7
    gelöschter Nutzer
    29.06.2013

    In Karl- Marx- Stadt tut man ein Stadion umbauen. Mit Geld aus Karl- Marx- Stadt. Nun soll das laut Köster billiger werden. Warum nicht. Ein Angebot abgegeben von irgendjemand ist nicht bündig der Summe. Abweichend sind zehn Prozent hin und her. Mehr muß Karl- Marx- Stadt nicht zahlen.

  • 2
    5
    29.06.2013

    Der Sachverhalt stellt sich etwas anders dar:
    Die Bieter wurden aufgefordert ein Kostenbudget in Höhe von 20 Mio ? einzuhalten. Jeden Bieter war klar, dass diese Summe inklusive Abriss Strassenbahndepot nicht hatbar war. In den Verhandlungen wurde immer wieder ausdrücklich auf dass knappe Budget verwiesen. Lieber sollte von der Qualität Abstriche gemacht werden, als das Budget anzugreifen.

    Aus diesem Grund, sind natürlich jetzt die günstigeren Bieter (Köster und Max Bögl) zu Recht verärgert.
    Für 25 Mio minus x, wäre ein bessere Qualität immer machbar gewesen.

    Deswegen wurden nun von beiden die Beschwerte bei der Vergabekammer eingelegt.

  • 6
    1
    29.06.2013

    Ist Köster ein schlechter Verlierer?

    Die Frage klärt sich doch ganz einfach über die Kompetenz der Bieter. Hier scheint mir der Zuschlag und die Entscheidung zu ungunsten von Köster durchaus gerechtfertigt. Großprojekt ist nicht gleich Großprojekt und die Erfahrung in Chemnitz hat gezeigt, dass sich viele namhafte Unternehmen sich schon zu ungunsten der Stadt übernommen haben. Billigheimer haben immer Gründe gefunden und Geld nachgefordert oder sind in Insolvenz gegangen. Das Argument der regional Filiale in Chemnitz mit Stadt Verbundenheit darf mit ruhigen Gewissen in Frage gestellt werden, denn die Leistungsfähigkeit einer Filiale reicht bei weitem nicht aus um Großprojekte zu realisieren. Leverkusen und Wolfsburg sind mit Chemnitz aus verschiedenen Gründen nicht vergleichbar.

  • 9
    3
    29.06.2013

    So sehr wie es das gute Recht des Bieters ist, die Vergabeentscheidung überprüfen zu lassen, so wenig Verständnis hätte ich für Herrn Szelenko, wenn er versucht, durch die öffentliche Bühne die Entscheidung zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

    Sein Argument, wir waren aber günstiger, mag stimmen, aber war damit auch sein Angebot besser, wie er es hier hinstellt?

  • 1
    3
    vomdorf
    29.06.2013

    ist es nicht so, dass jedes (große) bauvorhaben sowieso teurer wird, als geplant? und je höher die anfangssumme ist, desto mehr muss dann *dazu bezahlt* werden. also nimmt man den billigsten anbieter...teurer wird es sowieso.
    und beispiele gibt es zur genüge: landratsamt annaberg, flughafen berlin,...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...