Der Fabrikant, seine Großfamilie und ein uneheliches Kind

Louis Schönherr wurde heute vor 200 Jahren geboren. Aus diesem Anlass gibt es nicht nur eine schlichte Feier.

In der Schönherrfabrik wird heute gefeiert. Zum 200. Geburtstag ihres Gründers Louis Ferdinand Schönherr (1817 bis 1911) gibt es Sekt und Musikdarbietungen des Studios W.M. Den literarischen Teil übernimmt Karin Meisel, vielen Chemnitzern bekannt als Gästeführerin, die seit zehn Jahren unter anderem Rundgänge durch die frühere Webstuhlfabrik in Schloßchemnitz leitet. Sie wird aus der von ihr und Archivarin Barbara Schaller verfassten neuen Biografie des Erfinders des sächsischen Tuchwebstuhls lesen, die heute als 13. Teil der Reihe "Chemnitzer Lebensbilder" im Verlag Heimatland Sachsen erscheint.

Mit den Recherchen dafür hatten Meisel und Schaller, die beide zur Arbeitsgruppe Regionale Industriegeschichte im Förderverein des Industriemuseums gehören, vor mehr als drei Jahren in Zusammenarbeit mit den heutigen Fabrikbesitzern von der österreichischen Firma Schönherr Weba begonnen. Während sich bisherige Biografien vor allem mit der beruflichen Karriere Schönherrs und der Geschichte des von ihm 1851 gegründeten ersten Chemnitzer Industriebetriebes beschäftigen, legten die Autorinnen den Schwerpunkt auf die Familie des Fabrikanten. Schließlich hatte Schönherr insgesamt 15 Kinder aus zwei Ehen und zudem eine uneheliche Tochter. Parallel dazu beschreiben sie knapp die Firmengeschichte bis zur Verstaatlichung 1972.

"Unsere wichtigsten Quellen waren das Staatsarchiv, die Stadtarchive in Chemnitz und Plauen, viele Kirchenbücher und Nachfahren, zu denen wir über das Internet in Kontakt gekommen sind", erzählt Meisel, die wie Schönherr aus Plauen stammt. Die Nachkommen lebten heute weit verstreut zwischen Hamburg, Berlin, Dresden, dem Schwarzwald, der Schweiz und den USA. Besonders eine Urenkelin von Max Louis, dem zweitältesten Sohn des Patriarchen - die Berlinerin wird bei der heutigen Feier dabei sein - und ein in München lebender Nachfahre von Willie Schönherr, dem viertältesten Sohn, hätten beim Zuordnen der vielen Namen geholfen. "Ohne sie hätten wir nie von dem 13. Kind aus erster Ehe erfahren, das noch vor seinem ersten Geburtstag gestorben ist", so Karin Meisel. "Glücklich", so die Autorin, sei sie über den auf diese Weise erstellten und inzwischen mehrfach bestätigten Stammbaum der Familie mit Wohnsitzen in Chemnitz und dem Vogtland.

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