Einwohnerzahl: Acht von zehn Ortsteilen schrumpfen

Seit 2008 hat Limbach-Oberfrohna jeden 20. Bürger verloren. Aber nicht überall ist die Entwicklung negativ - im Stadtgebiet gibt es auch zwei Gewinner.

Limbach-Oberfrohna.

Von den Ausläufern der Großstadt Chemnitz bis zur Grenze zu Thüringen -das Gebiet von Limbach-Oberfrohna ist groß. Das Limbacher Zentrum und die ländlichen Ortsteile haben vom Straßenbild her wenig gemein. Da verwundert es nicht, dass auch die Bevölkerungsentwicklung nicht gleichförmig verläuft. Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, sind acht von zehn Ortsteilen geschrumpft - wie fast alle sächsischen Kommunen. Zwei Ortsteile widersetzen sich aber dem Trend. Sie liegen an entgegengesetzten Enden der Stadt; es handelt sich um Pleißa und Dürrengerbisdorf.

Pleißa steht im Vergleich mit 2008 fast unverändert da. Zwischendurch hatte der Ortsteil zwischen dem Teichgebiet und der A4 einige Einwohner verloren, legt seit 2013 aber wieder zu. Ortsvorsteher Michael Nessmann führt das unter anderem auf Entscheidungen zurück, die die Gemeinde Pleißa vor 1999 traf, als sie noch selbstständig war. "Für das Rotdorngebiet wurde damals Baurecht geschaffen", sagt er. Nach einigen Verzögerungen hätten in den vergangenen Jahren viele junge Familien in jenem Areal Eigenheime errichtet. Als Folge seien Kita und Grundschule gut ausgelastet, stellt Nessmann fest. Pleißa sei hervorragend an die Autobahn angebunden und könne trotzdem mit seinem ruhigen, dörflichen Charakter punkten. Ein Problem sieht Nessmann allerdings: "Es gibt inzwischen nur noch sehr wenige Bauflächen."

Christoph Ulrich

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Nah an der Autobahn und direkt neben Chemnitz liegt auch Kändler. Die dortigen Bodenrichtwerte gehören gemeinsam mit denen in Pleißa zu den höchsten in der gesamten Stadt. Trotzdem fällt Kändler mit einem Bevölkerungsminus von 5,9Prozent seit 2008 deutlich zurück - sogar hinter den Durchschnitt für Limbach-Oberfrohna insgesamt (minus 5,3 Prozent). Ortsvorsteher Bernd Schobner erstaunt dies nicht. "Es gibt keine Bauplätze", begründet er. Bis heute werde er regelmäßig von jungen Leuten angesprochen, die sich in Kändler niederlassen wollen. Doch er könne nichts anbieten. "Es ist für mich bedauerlich, wenn ich sie ziehen lassen muss", sagt Schobner. Wie groß das Interesse von potenziellen Häuslebauern ist, lasse sich an der Tatsache ablesen, dass die ausgewiesenen Grundstücke an der Fontanestraße schnell vergeben waren. "Man sollte die Entwicklung in nachgefragten Orten nicht vernachlässigen", sagt der Ortsvorsteher. Die Rathausspitze hat sich zum Ziel gesetzt, Brachen und Lücken innerhalb der Stadt anzubieten, anstatt Eigenheimgebiete auf der grünen Wiese zu entwickeln.

Die Kernstadt liegt mit einem Bevölkerungsminus von 4,8 Prozent (Oberfrohna) bzw. 5,5 Prozent (Limbach) im Mittelfeld. Am schlechtesten schneidet Rußdorf (minus 9,8 Prozent) ab. Das könnte ebenfalls an mangelnden Baugebieten sowie der vergleichsweise großen Entfernung zur Autobahn liegen. Etwas besser steht Bräunsdorf mit einem Verlust von 4,6 Prozent dar. Laut Ortsvorsteher Hartmut Reinsberg ist es bislang meist gelungen, bauwilligen Familien ein Angebot zu machen. So sollen nach seinen Angaben auf der Wiese hinter dem Rathaus zwei Eigenheime entstehen. Zudem gebe es in Bräunsdorf zum Teil große Grundstücke, die problemlos geteilt werden könnten. "Wir haben Grundschule, Kita, Hort und ein reges Vereinsleben", zählt Reinsberg die Vorzüge des Ortes auf.

Ein geteiltes Bild zeigt sich im Ortsteil Wolkenburg-Kaufungen. Während Kaufungen (minus 6,2 Prozent), Wolkenburg (minus 7,9 Prozent) und Uhlsdorf (minus 9,3 Prozent) deutliche Verluste hinnehmen müssen, kann Dürrengerbisdorf konstant gut 130 Einwohner vorweisen. Der kleinste Ortsteil punktet mit seinem starken Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich unter anderem in der jährlichen Organisation des Teichfestes niederschlägt. Ortsvorsteher Reinhard Iser hat mehrfach kritisiert, dass sich viele Wolkenburger hingegen gar nicht oder kaum ehrenamtlich für ihren Ort engagieren.

Oberbürgermeister Jesko Vogel weist darauf hin, dass in fast allen Ortsteilen der Großteil des Schrumpfungsprozesses zwischen 2008 und 2013 stattfand. Seitdem hat sich dieser verlangsamt oder konnte ganz gestoppt werden. Nur in Rußdorf und Wolkenburg hat sich der negative Trend auch in den vergangenen fünf Jahren fast unverändert fortgesetzt.

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