Nachbarn hämmern bei Dorffest treffsicherer als Gastgeber

Beim Wettnageln in Dürrengerbisdorf sind 13 Mannschaften angetreten. Die Sieger teilten anschließend ihren Gewinn mit den Unterlegenen.

Dürrengerbisdorf.

Das Startsignal klingt am Samstagabend in Dürrengerbisdorf wie bei einem Sportwettkampf: "Auf die Plätze, fertig, los." Doch die Akteure, denen die Worte gelten, beginnen nicht zu rennen, sondern zu hämmern. Denn die Disziplin nennt sich Wettnageln - und gilt zudem als einer der Höhepunkte beim Teichfest im nördlichsten Ortsteil von Limbach-Oberfrohna. Bei dem Wettbewerb ist weniger mehr, denn gewonnen hat, wer mit dem Hammer einen Nagel am schnellsten in einem Holzbalken versenkt - dabei sollte der Nagel zudem möglichst nicht verbogen werden.

"Man kann das Wettnageln einzeln oder als Mannschaft veranstalten. Wir haben uns für letzteres entschieden", sagt Fabian Klewer, Vorsitzender des Dürrengerbisdorfer Feuerwehrvereins, dessen Mitglieder das Fest organisieren. Jedes Team, das aus drei Akteuren besteht, kommt zu Beginn in einen Lostopf. Dann wird nach dem K.o.-System gespielt. Während einige Teilnehmer ganz schön zu tun haben, den 18Zentimeter langen Nagel ins Gebälk zu versenken, benötigen andere nur wenige Schläge. Kaum Mühe hat zum Beispiel Frank Günther. Er gehört zur Siegermannschaft bei den Männern - den "Markersdorfer Nagelsäcken" aus dem gleichnamigen Peniger Ortsteil. Sie setzen sich im Finale gegen die "Dürrengerbisdorfer Haie" durch. "Ich war schon 15-mal beim Wettnageln dabei. Doch in diesem Jahr war der Balken besonders hart", stellt Günther fest. Dennoch habe man mit einem vorderen Platz gerechnet. "Wir liefern uns seit Jahren mit den Dürrengerbisdorfern spannende Kämpfe", ergänzt Günther. Deshalb sind sich er und seine beiden Mannschaftskollegen nach dem Wettkampf einig, dass sie beim Verzehr des Spanferkels, das den Siegern winkt, die Dürrengerbisdorfer mit einladen.


Mit dem Sieg geliebäugelt haben auch die "Bierhaie" aus Dürrengerbisdorf. Sie sind beim Teichfest am Bierstand im Einsatz. "Wir haben schon viermal gewonnen, aber in unterschiedlichen Besetzungen", erzählt Romeo Schubert. Das Wettnageln sei beim Fest nicht mehr wegzudenken. Und was braucht man dafür? "Nicht viel - eine ruhige Hand und ein gutes Auge", erklärt der 55-Jährige. Geübt habe man vorher nicht. "Aber wir wohnen auf dem Dorf. Da wird ab und zu schon mal eine Zaunslatte angenagelt", sagt er mit einem Lächeln. Da man den Wettkampf nicht ganz so ernst nehme, trinke man vorher noch ein Bierchen. "Das soll eine Art Zielwasser sein", begründet Schubert. Aber diesmal hilft der Schluck Alkohol nicht. Die "Bierhaie" scheiden nach der ersten Runde aus.

Bei den Frauen gewinnt die "Gurkentruppe". "Wir haben uns erst kurzfristig entschieden mitzumachen", berichtet Mandi Uhlig. Und es habe sich gelohnt. "Als Dürrengerbisdorferinnen wollten wir natürlich den Sieg holen", ergänzt sie, bevor sie schnell wieder verschwindet, um an einem Stand auf dem Volksfest saure Gurken und Fischbrötchen zu verkaufen.

Fabian Klewer und seine Helfer freuen sich, dass mit 13 Mannschaften, darunter sogar ein Kinderteam, die Resonanz beim Wettnageln wieder groß war. Das gilt auch für die Besucher - teilweise drängten sich mehr als 100 Zuschauer um die beiden Nagelbänke. "Seit Mitte der 1990er-Jahre gehört die Gaudi zum Teichfest. Waren es zu Beginn meist nur Dürrengerbisdorfer, die daran teilnahmen, kommen die Mannschaften jetzt auch aus den Nachbarorten Markersdorf, Wolkenburg und Kaufungen", so der Vorsitzende des Feuerwehrvereins. Die Nagelbalken müssen meist nach zwei Jahren erneuert werden. Auch im kommenden Jahr, das steht schon fest, wird wieder um die Wette genagelt.


"Teichfest ist wie ein Klassentreffen"

Das Fazit von Fabian Klewer fällt nach dem dreitägigen Teichfest in Dürrengerbisdorf mit hunderten Besuchern positiv aus. Die Festwiese sei gut gefüllt gewesen, das Wetter habe bis auf einen Regenguss am Freitagabend mitgespielt, sagt der Vorsitzende des Feuerwehrvereins. "Auch die Liveband am Samstagabend ist bei den Besuchern hervorragend angekommen", so Klewer. Die Prinzenberger aus dem Vogtland hätten für eine tolle Stimmung gesorgt.

Am Wochenende fand das Teichfest zum 52. Mal statt. "Es ist nur einmal ausgefallen. Das war 1991 zur 700-Jahr-Feier von Wolkenburg-Kaufungen", sagt Klewer. "Das Fest ist eines der wenigen, die sich so lange gehalten haben. Viele, die hier oder in der Nähe gewohnt haben, kommen zum Feiern. Es ist wie eine Art Klassentreffen", erklärt Klewer. Der 35-Jährige betont, dass sich alle knapp 60 Mitglieder des Feuerwehrvereins an den Vorbereitungen beteiligen. (bew/jop)

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