Zu wenig Platz für ein Leben mit Rollstuhl

Steve Sauer ist 18 und mehrfach behindert. Mit seiner allein erziehenden Mutter lebt er in einer Wohnung, in der den beiden der Alltag zunehmend beschwerlich wird. Mithilfe der "Freie Presse"-Leser soll es nun gelingen, dringend benötigte Umbauten zu finanzieren.

Als Manja Sauer vor mehr als zehn Jahren in ihre Erdgeschosswohnung in einem sanierten Plattenbau im Yorckgebiet zog, da war ihr Sohn Steve noch im Alter eines Schulanfängers. Mittlerweile ist aus dem Jungen von einst ein junger Mann geworden, der gut und gerne 80 Kilogramm auf die Waage bringt - und der nach wie vor komplett auf Hilfe angewiesen ist. Der 18-Jährige ist seit seiner Geburt mehrfach behindert. Gegenüber Fremden verständigt er sich über einen Sprachcomputer, die linke Seite seines Körpers ist nahezu vollständig gelähmt. Die meiste Zeit des Tages ist er in einem Rollstuhl unterwegs.

Und auch das nur eingeschränkt. Denn der moderne Elektro-Rolli, über den Steve verfügt und den er selbstständig steuern kann, steht ihm nur in der Förderschule zur Verfügung, die er tagsüber besucht. Das Gerät anschließend mit nach Hause zu nehmen, ist Steve unmöglich - weil es am Wohnhaus der Sauers bislang an einer sicheren Unterstellmöglichkeit fehlt.

Ein Problem, das sich eigentlich lösen lassen sollte. Denn für derlei Fälle gibt es spezielle Rollstuhlboxen, sogar mit eigenem Stromanschluss zum Aufladen der Batterie des Rollis. Doch eine solche aus eigener Kraft zu finanzieren, noch dazu mit fachgerechter Anbindung, ist Steve Sauers allein erziehender Mutter unmöglich. Wegen der zeit- und kraftaufwendigen Betreuung ihres Sohnes ist die 41-Jährige kaum in der Lage, aus eigener Kraft ein auskömmliches Einkommen zu erzielen. "Mehr als Minijobs geht leider kaum", bedauert die gelernte Verkäuferin. Das Ergebnis: Die Sauers sind dauerhaft auf Unterstützung vom Jobcenter angewiesen.

Nicht zuletzt aus diesem Grund war es ihnen bislang auch nicht möglich, sich eine rundum barrierefreie Wohnung zu suchen, die speziell auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zugeschnitten ist. "Mal ganz abgesehen davon, dass es in Chemnitz nicht viele solcher Wohnungen gibt", ergänzt Manja Sauer. Ein Umzug in eine andere Gegend der Stadt brächte überdies Nachteile mit sich. Steves zwei Jahre ältere Schwester und auch seine Oma wohnen ganz in der Nähe und können Manja Sauer dadurch im Alltag eine wichtige Hilfe sein. Auch befindet sich der Terra Nova Campus mit der "Entdeckerschule", die Steve besucht, ganz in der Nähe.

So richten die Sauers sich darauf ein, dass sie auf absehbare Zeit weiterhin in ihrer Wohnung aus den 1970er-Jahren zu Hause sein werden. Auch das allerdings wird nur möglich sein, wenn dort Umbauten am Bad vorgenommen werden. Dessen standardmäßiger Zuschnitt ist derart schmal, dass dort selbst kräftiger gebaute Menschen ohne körperliche Behinderung bisweilen Probleme bekommen. "Mit dem Rollstuhl kommt man da gar nicht rein", erläutert Manja Sauer. Die tägliche Körperpflege sei eine ständige Herausforderung. Eine ebenerdige Dusche könnte die Situation deutlich entspannen.

Mithilfe einer Spendenaktion des Vereins "Leser helfen" der "Freien Presse" soll in den kommenden Wochen nun versucht werden, die dringend nötigen Umbauten am Bad und für die Errichtung einer Rollstuhl-Garage vorm Haus finanziell abzusichern. Überweisungen und Einzahlungen sind ab sofort möglich.

In den zurückliegenden Jahren war es dank der Spenden von Lesern der "Freien Presse" möglich, eine ganze Reihe ähnlicher Projekte in Chemnitz und Umgebung zu verwirklichen. So wurden mehreren Familien behindertengerecht umgebaute Fahrzeuge finanziert und der entsprechende Ausbau von Wohnungen ermöglicht. Auch die Schule, die Steve Sauer besucht, hat von der Aktion "Leser helfen" bereits profitiert, als 2010 ein Lift für das Therapie-Schwimmbecken der Einrichtung finanziert wurde.

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