Diesen Ärger eines Lesers möchte ich mit einem Selbsttest einleiten, den jeder (natürlich freiwillig, was auch sonst, und ohne, dass ich von dem Ergebnis erfahre) jetzt an sich vornehmen kann. Also: Ich gehe in einen Supermarkt und kaufe mir eine Schachtel mit Pralinen (mit der Auswahl dieser Leckerei, die nicht zu meinen - heimlichen - Genüssen gehört möchte ich verdeutlichen, dass ich an diesem Test nicht teilnehmen kann, da ich voreingenommen bin). Als ich mich dann abends mit meiner besseren Hälfte (wie gesagt, ich ...) vor die Glotze setze und feststelle, nachdem ich die Verpackung geöffnet habe, dass das Konfekt in viel Plastik eingelassen ist und die Anzahl der kleinen Naschereien doppelt so hoch hätte sein können, wie sie tatsächlich ist, was auch zur Folge hat, dass der Müll entsprechend höher ausfällt, ärgere ich mich ganz maßlos darüber, dass der Genuss schon nach wenigen Bissen vorbei ist (Lutschen wäre eine Alternative gewesen, um das Vergnügen zu verlängern, aber nicht jeder ist in der Lage, auf der Zunge zergehen zu lassen, was sein Geschmacksnerven zu schmeicheln in der Lage ist.) Und was mache ich mit diesem Unmut? Im wahrsten Sinne des Wortes runterschlucken? Oder einfach sagen, dass es ist, wie es ist, und zur Tagesordnung übergehen beziehungsweise sich weiter von der TV-Berieselung einlullen lassen? Nun denn, der Leser, um den es geht, hat bei seinem Problem sich dies auf den Zettel aufgeschrieben: Leserobmann anrufen.

Dies ist der 131. Eintrag in meiner Liste mit Protokollnotizen zu Gesprächen mit Lesern zwischen zehn und zwölf mit der Überschrift "Ist das gerade wirklich passiert?":

"Heute Morgen im Badezimmer habe ich mich ganz fürchterlich geärgert, und ich muss das jetzt mal loswerden", sagte der Mann in der Leitung und fügte mit nicht weniger Nachdruck hinzu: "Außerdem sollten Sie mal darüber berichten, dass es so eine Verar.. gibt, und die Leute davor warnen, diesen (...) zu kaufen." Bevor ich jetzt schreibe, was den Anrufer in Rage gebracht hat, möchte ich betonen, falls jemand sich beim Lesen unmittelbar dazu berufen fühlt, mir seine Gedanken (wie auch immer) mitzuteilen, dass ich jegliche Verantwortung von mir weise. Also, ich hörte dies: "Ich habe mir zum ersten Mal diese teure Zahnpasta gekauft, für die so viel Werbung gemacht wird, weil sie wahr Wunder bewirken soll", sagte der Leser. Was ihn so verärgert hat? O-Ton: "Die Tube war nur zu drei Viertel gefüllt."

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