Hallo? Häkelt da noch jemand?

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Diese Frage ist eine ernst gemeinte, auch wenn der Verdacht, dies sei nicht der Fall, ein nachvollziehbarer ist: Gibt es da draußen in der realen Welt noch jemanden, der Topflappen häkelt? Also weder einen kauft noch im 3D-Drucker herstellt, sondern Nadeln in die Finger nimmt und häkelt, was das Zeug hält und der Faden hergibt? Wobei ich zugeben muss, dass ich gar nicht weiß, wie es aussieht, wenn Finger häkeln, weil die Bilder, die ich im Kopf davon habe, dass meine Mutter es tut, eher verschwommene sind, weshalb ich hier auch nicht so tun möchte, als würde ich wirklich im Detail wissen, worüber ich hier schreibe. Also noch einmal: Gibt es heute noch Frauen und Männer, die häkeln und individuelle Topflappen herstellen? Warum ich das wissen möchte? Deshalb:

"Ich habe heute Ihre Kolumne auf der Seite mit den Leserbriefen gelesen und musste Sie jetzt einfach mal anrufen, obwohl ich dazu meinen ganzen Mut zusammennehmen musste", sagt die Frau in der Leitung und fügte hinzu: "Vor ganz vielen Jahren habe ich von einem meiner Kinder einen selbst gehäkelten Topflappen geschenkt bekommen und würde Ihnen jetzt gern vorlesen, was darauf steht, darf ich das?" Natürlich hatte ich keine Einwände und platziere das, was ich dann hörte, jetzt mit der meiner Ansicht nach erforderlichen Betonung:

"Eine alte Kuh gar leicht vergisst, dass sie selbst mal Kalb gewesen ist."

Dann sagte die Frau noch, was mich den Blogeintrag mit dieser Einleitung schreiben lässt: "Tut mir leid, ich hänge an dem Topflappen, sonst würde ich ihn Ihnen gern zur Verfügung stellen. Kochen Sie eigentlich überhaupt?"

Weil insgesamt sieben (ich betone) Frauen sich heute bei mir wegen meiner Kolumne gemeldet und mir einen Rat gegeben haben, was ich den älteren Lesern sagen könnte, damit sie nicht immer und unentwegt über die Jugend von heute herziehen und schimpfen, weil sie ihnen angeblich aus egoistischen Gründen die Impftermine wegnehmen, möchte ich mit diesem Zitat, weil sonst der Platz nicht reichen würde, zum Ausdruck bringen, dass alle mehr oder weniger die gleiche Idee hatten: Die Alten sollten sich mal daran erinnern, dass sie auch mal jung waren und was sie zu dieser Zeit alles so angestellt und welche Prioritäten sie gesetzt haben. Eine Leserin zitierte nämlich Johann Wolfgang von Goethe:

"Lerne alt zu werden mit einem jungen Herzen. Das ist die Kunst."

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