Hallo, ist da oben jemand?

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Alle meine Gebete an die für Leserobmänner (und anderen Zeitungsleuten) zuständigen Himmelsbewohner, mich vor diesen fragwürdigen Terminus innerhalb der innerdeutschen Geschichtsschreibung zu schützen, weil ich auf diesem (linken) Ohr etwas empfindlich bin, haben leider nichts genutzt, denn heute um kurz vor elf holte sie mich ein, diese Bezeichnung für etwas, das es so ganz bestimmt nie gegeben hat und das zu den (meiner Ansicht nach) niederträchtigsten Euphemismen gehört. Denn der Mann in der Leitung meinte, es wäre wohl angebracht, seine Reaktion auf die Berichte über den 60. Jahrestag des Mauerbaus mit diesen Worten, auf die meine Kollegen in ihren Artikel wohlweislich verzichtet hatten, beginnen zu dürfen: "Es geht mir mal um den antifaschistischen Schutzwall …", sagte er und durfte, weil ich ihn reden lassen wollte, mir fünf Minuten lang erzählen, was ihm bei Lesen der Artikel alles so eingefallen war. Eine andere Sache beziehungsweise Redewendung, von der ich meinte, sie sollte uns allen aus Respekt vor dem verstorbenen Kurt Biedenkopf erspart bleiben, hat es dann doch noch geschafft, mich zu erreichen und mir die Gewissheit zu geben, dass da oben wohl doch keiner sitzt, der in der Lage wäre, meine Wünsche zu erfüllten. Die Frau in der Leitung begann ihre Ausführungen zu den Nachrufen über den langjährigen sächsischen Ministerpräsidenten mit diesen Worten: "Man soll über Verstorbenen bekanntlich nicht schlecht reden, aber …" Mehr gibt es heute nicht zu schreiben, ich bitte um Nachsicht, ob ich vielleicht ein bisschen …? Nein, ganz bestimmt nicht. 

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