Schwierige Zeiten - mehr Schokolade

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Es gibt Phasen, in denen ich mehr als für gewöhnlich zur bitteren Schokolade greifen muss, um meinen Pegel an Zufriedenheit und heiterer Gelassenheit auf dem Stand zu halten, der es mir erlaubt, mir meinen Optimismus zu bewahren. Folgende Randnotizen aus meinen Protokollen der Gespräche mit Lesern belegen es: Eine solche Woche liegt gerade hinter mir.

Episode 1: Würde ich versuchen, das Ausmaß und die Wirkung auf mein Befinden mit einer Zahl zu beschreiben, würde ich darauf verweisen, dass in dieser Woche insgesamt 17 Leser sich bei mir gemeldet haben, um mir ihre Meinung zu den aktuellen oder sich abzeichnenden Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie mitzuteilen. Vielmehr aber bringt diese Tatsache zum Ausdruck, was bei mir in dieser Woche so los war und wie ich mich dabei gefühlt habe: In der Schublade, in der sonst immer ein ausreichender Vorrat liegt, befindet sich seit heute, 11.56 Uhr keine bittere Trostschokolade mehr. Die Frau in der Leitung, die mich dazu gebrachte hat, das letzte Stück langsam auf der Zunge schmelzen zu lassen, wollte nämlich dies von mir wissen: "Glauben Sie, dass die 2G-Regel demnächst auch beim Einkaufen im Supermarkt zur Anwendung kommt?", fragte sie mich und fügte hinzu: "Dann würde ich nämlich anfangen, mir einen Vorrat an Lebensmitteln und Klopapier anzulegen."

Episode 2: Eins der wenigen Gespräche, die im Laufe der Woche geführt habe und bei denen ich tatsächlich schmunzeln durfte angesichts dessen, was mir da gerade ein Leser gesagt hatte, war dies mit einem Mann, der sich bei mir gemeldet hatte, weil er mir etwas zum Bericht "Bundespräsident Steinmeier würdigt Löw im Schloss Bellevue" sagen wollte: "Eigentlich hätte bei dem gemeinsamen Mittagessen eine Ochsenschwanzsuppe gereicht", meinte der Anrufer und verwies auf die zuletzt schlechte Länderspielbilanz des ehemaligen Bundestrainers.

Episode 3: Im Gegensatz dazu konnte ich bei diesem Vorschlag eines Anrufers, obwohl ich es zunächst für eine nicht ernst gemeinte Frage gehalten hatte, nicht lachen, er meinte: "Als Kompensation dafür, dass die Inflationsrate gerade durch die Decke geht, vor allem die Preise für Energie steigen und viele Menschen als Folge der Pandemie weniger Geld verdienen, könnte die Bundesregierung doch einfach mal den Rundfunkbeitrag für ein paar Monate aussetzen, was halten Sie davon?" 

Episode 4: Tatsächlich nur noch mit dem Kopf schütteln konnte ich nur noch bei dieser Meinung eines Lesers: "Zum Schutz der zu betreuenden Menschen sollte es meiner Meinung nach eine Impfpflicht für Krankenhaus- und Pflegepersonal sowie Personal von Kindereinrichtungen und den Lehrkörper an Schulen geben, und außerdem sollte der Impfstatus durch den Arbeitgeber abgefragt werden dürfen." Seine Forderungen sind nicht neu, tatsächlich wird über solche Dinge schon lange spekuliert, doch was mich meine Augen vor Staunen weit aufreißen ließ, war seine Begründung: "Wenn eine Firma einen Arbeitnehmer als Kraftfahrer einstellt, darf doch auch nach dem Vorhandensein eines Führerscheines gefragt werden."

Episode 5: Fassungs- und sprachlos war ich dann, als mir eine Anruferin, die mich wegen der Reportage "Wem gehört das Wasser?" angerufen hatte, diese Frage zu die vielerorts sinkenden Grundwasserspiegeln stellte: "Ist es dann nicht gut, wenn die Meeresspiegel wegen des Klimawandels steigen?" 

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