Ohne Oma bitte auch kein Opa

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In meiner Sammlung mit Themen, über die Leute mit mir am Telefon reden wollen und die ich sammle, weil sie entweder außergewöhnlich originell oder besonders krass im Sinne des Unfassbaren sind, gibt es eine genau spezifizierte Untergruppe mit dem Kürzel "IA". Nun könnte man meinen, weil das bei diesen beiden Buchstaben naheliegt, weil sie immer den Lauten zugeschrieben werden, die Esel von sich geben, dass es sich hierbei um Themen handelt, auf welche die Leser besonders störrisch reagieren, doch so ist es nicht, denn "IA" steht für das Phänomen "Ich bin kein …, aber …", wobei es sich um Einleitungen von Anrufern (beiderlei Geschlechts) handelt, die eine offenbar fundamentale Haltung haben, aber (warum auch immer) nicht mit den Leuten in einen Topf geworfen werden wollen, die normalerweise mit dieser Einstellung in Verbindung gebracht werden.  Vielleicht ein Beispiel: "Ich bin kein Rechter, aber wenn jetzt so viele Flüchtlinge aus Afghanistan zu uns kommen, dann …", meinte kürzlich eine Frau in der Leitung, die mir alles erzählen durfte, was ihr wichtig war, bevor ich mich dann von ihr verabschiedet und in meinem Protokoll notiert habe: Eindeutig rechts. Jetzt gibt es (sorry für die lange Einleitung) es in diesem Unterordner einen neuen Eintrag:

"Ich bin keine Verfechter der gendergerechten Sprache", sagt der Leser, der sich mir mit seinem Namen und der Feststellung "schon über achtzig" vorgestellt hatte, bevor er dann seinen Ärgert formulierte und so auf den Punkt brachte: "Aber diese Überschrift geht gar, ich empfinde sie als diskriminierend." Die war ihm in die Nase gefahren: Mit "Wenn Opa am Steuer zum Risiko wird" war der Bericht überschrieben, in dem es darum ging, dass Menschen, die älter als 75 Jahre sind, statistisch gesehen viel häufiger Verkehrsunfälle verursachen, und der Anrufer fragte mich mit viel Nachdruck in der Stimme: "Und was ist mit Oma?" Beantwortet habe ich ihm diese Frage nicht, denn mir ist immer noch nicht in den Sinn gekommen, was ich hätte sagen können.

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