Nur ein Name - oder doch mehr?

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Ziemlich genau kann ich mich noch an den 23. April 1990 erinnern, als ich in der Redaktion einer großen deutschen Tageszeitung in Baden-Württemberg saß und mich an einer Wette unter den Kollegen beteiligt hatte, ob die in Karl-Marx-Stadt lebenden Bürgerinnen und Bürger bei der Abstimmung über den künftigen Namen ihrer Stadt für die Beibehaltung des Namens des Philosophen und Kapitalismuskritikers stimmen oder sich mehrheitlich für die Rückkehr zu Chemnitz entscheiden würden. Ganz ehrlich: Ich gehörte zu den Verlieren dieser Wette und habe ein paar Mark für die Kaffeekasse eingebüßt, denn die 76 Prozent der Menschen, die für Chemnitz votiert hatten, waren für mich eine große Überraschung, weil ich fest davon ausgegangen war, dass es eine deutliche Mehrheit für Karl-Marx-Stadt geben würde. Warum ich das erzähle? Meine bisherigen Erfahrungen und die jüngste mit einem Leser belegen, dass es offenbar immer noch viele Leute gibt, die mit diesem Thema irgendwie ein mehr oder weniger großes Problem haben:

"Das ist einfach falsch, und er weiß das auch, aber offenbar hat er immer noch nicht begriffen, dass man die Geschichte nicht relativieren und vor allem nicht glattbügeln kann, und deshalb sollte man zu seinen historischen Wurzeln stehen, alles andere finde ich zum ...", meinte ein Leser (männlich) am Telefon, der sich auf diesem Wege ordentlich Luft verschaffen wollte, weil er in einem Bericht über einen in Karl-Marx-Stadt geborenen Kandidaten für den Bundestag gelesen hatte, als es um seinen Lebenslauf ging, dass er Chemnitz als seine Geburtsstadt angegeben hatte. Mal unter uns, liebe Leute da draußen, wer hat hier das wirkliche Problem: Der Mensch, der in Karl-Marx-Stadt geboren wurde, aber Chemnitz als Geburtsstadt angibt, oder der, sich gerade darüber ärgert? Ich bin (mal wieder) überfordert.

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