Sarkasmus? Bei mir nicht ...

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Unmittelbar nach dem Urnengang am 26. September rief mich ein Leser an und teilte mir dies mit: "Ich vermisse in der Zeitung einen Hinweis darauf beziehungsweise einen Kommentar dazu, dass hinter den Problemen und Unregelmäßigkeiten bei der Wahl in Berlin eigentlich nur Wladimir Putin als Urheber beziehungsweise Drahtzieher stecken kann," sagte und fügte noch hinzu: "Der russische Präsident wird doch sonst immer auch für alles verantwortlich gemacht, was bei uns als ein Angriff auf unsere Demokratie und den Stolz darauf gewertet werden kann." Eigentlich wollte ich dieses Gespräch für mich behalten, weil ich diese Art von Sarkasmus für nicht gerade für zielführend halte, wenn es darum geht, mir meine Arbeit etwas zu erleichtern in der Weise, dass ich weniger Trostschokolade essen muss. Doch dann hat der Mann heute erneut angerufen:

"Herzlichen Glückwunsch", sagte er, "endlich haben Sie der Welt mitgeteilt, wer dafür verantwortlich ist, dass bei uns und die Preise für Energie seit Wochen in die Höhe schießen. Wie er das meine, habe ich, weil ich den Mann nicht enttäuschen wollte, pflichtgetreu gefragt, und er hat mir diesen Satz aus dem Kommentar "Mehr politische Energie" auf der Seite 4 vorgelesen: "Deutschland wäre weniger anfällig für Wladimir Putins politische Gas-Spielchen, wenn die Regierung konsequenter die Erneuerbaren gefördert hätte, die zugleich die Importabhängigkeit reduzieren." Auch das hätte ich für mich behalten, wenn sich nicht drei weitere Leser (alle männlich) heute genau wegen dieses Satzes bei mir gemeldet hätten, von denen zwei tatsächlich die Wortschöpfung "Putin-Bashing" in ihren Monologen (weil ich nicht darüber diskutieren wollte) mehrfach betonten. Ohne meinem Kollegen zu nahe treten zu wollen, möchte ich den Satz eines Lesers zitieren, weil er mir zumindest ein Falte des Nachdenkens ins Gesicht gezaubert hat, der Mann meinte: "Da hat der Karikaturist Tomicek auf gleicher Seite mehr Verstand."

Dass man bei mir mit Sarkasmus nicht weit kommt, durfte übrigens heute ein weiterer Leser (leidvoll) erfahren, weil ich ihm unverblümt mitgeteilt habe, dass ich seinen Hinweis zur Kenntnis nehme, darüber mit ihm aber nicht diskutiere und ansonsten die Unterhaltung an diesem Punkt gern beenden möchte. Dies war sein Kommentar: "Ich habe einen weiteren rassistischen Begriff in der Zeitung entdeckt: Masterstudiengang."

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