Von Witzen und Widerständen

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Um einen ganz besonderen Widerstand geht es heute unter anderem in meinen Randnotizen aus den Protokollen der Gespräch mit Lesern zum Wochenausklang, wobei dieser wirklich nichts mit dem Leben in der DDR zu tun hat, die in einer anderen Episode mir aber vermutlich wieder mal zum Nachteil gereichte, weil ich sie nun mal nicht erlebt habe.

Episode 1: Eine besondere Auszeichnung verdient dieser eine Leser, weil die Anmerkung seine insgesamt zehnte war, mit der er ist in meine Statistik der "K-Hinweise" geschafft hat. (Zur Erinnerung: K ist der Anfangsbuchstabe für etwas, das ich manchmal denke, aber niemals aussprechen geschweige denn schreiben würde.) Er hatte diese Frage gelesen: "Impfmythen - an was glauben Sie?" Richtig müsse es seiner Ansicht nach heißen: "Impfmythen - woran glauben Sie?" Ob seine Kritik berechtigt ist? Keine Ahnung, ich habe es nicht überprüft. Warum nicht? Sorry, die Antwort behalte ich mal lieber für mich.

Episode 2: Zunächst dies, ich gestehe: Beim Lesen des Interviews "So viel Glück in der Sowjetunion" mit Kabarettist und Autoren Bernd-Lutz Lange über sein neues Buch und das Verschwinden des politischen Witzes nach dem Mauerfall habe ich wieder einmal festgestellt, dass diese für die DDR offenbar wohl typische Art von Humor keine ist, die ich nachvollziehen oder worüber ich sogar kann. Ich zitiere: "Was ist Wissenschaft? Wenn man in einem komplett dunklen Raum eine schwarze Katze fangen will. Was ist Philosophie? Wenn man in einem komplett dunklen Raum eine schwarze Katze fangen will, die gar nicht da ist. Was ist Marxismus-Leninismus? Wenn man in einem komplett dunklen Raum eine schwarze Katze fangen will, die gar nicht da ist und ruft: Ich hab sie!" Der Grund aber, warum ein Leser mit seiner Kritik bei mir vorstellig geworden war, ist ein anderer, zunächst der vermeintliche und von Lange angeführter Witz, ich zitiere: "Man kann nicht gleichzeitig Kommunist, ein ehrlicher und ein intelligenter Mensch sein. Ist man intelligent und ehrlich, dann ist man nicht Kommunist, ist man Kommunist und ehrlich, dann ist man nicht intelligent, und ist man Kommunist und intelligent, dann ist man nicht ehrlich." Was den Leser stinksauer gemacht hat, war aber nicht der Humor, sondern dieser Hinweis des Kabarettisten: "Der Witz war vorher auch auf die Nazis gemünzt worden." Und das geht nun mal überhaupt gar nicht, Nazis und Kommunisten in einen Topf zu werfen. Ganz ehrlich? Der Mann in der Leitung ließ sich kaum beruhigen, ich war (mal wieder) vollkommen überfordert.

Episode 3: Diese christliche Redewendung sei mir, der ich diesbezüglich ein Ungläubiger bin, verziehen, aber bis heute um kurz nach elf war ich  davon ausgegangen, dass in diesem Jahr "der Kelch an mir vorrübergeht", doch ich hatte mich zu früh gefreut, denn eine Leserin erklärte mir zunächst dies: "Am Abend vor Allerheiligen im Jahr 1517 hat Martin Luther an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen in lateinischer Sprache zu Ablass und Buße angeschlagen", sagte sie und hat, nachdem ich noch (gefühlte Minuten lang) über die Grundzüge der Reformation der christlichen Kirche informiert worden bin, dies abschließend hinzugefügt: "Und die meisten Menschen denken am 31. Oktober heutzutage nur an Kürbisse und Gruselmasken, das macht mich einfach nur traurig, weil ich daran nichts ändern kann." Ich habe mich für den Anruf bedankt, mich verabschiedet und aufgelegt, als mir dies schlagartig bewusst wurde: Nach dem den Einheitstag am 3. Oktober geht uns mit dem Reformationstag am Sonntag bereits der zweite Feiertag in diesem Monat flöten, ich bin entsetzt.

Episode 4: Und dann habe ich in dieser Woche noch etwas fundamental Wichtiges gelernt, denn ich weiß jetzt, was die Luftwiderstandsbedarfsleistung ist, von der mir Leser berichtet hat, denn sie steigt seinen Erläuterungen zufolge mit der dritten Potenz, was zur Folge hat, dass sie (also der Fahrwiderstand) sich bei einer Erhöhung der Geschwindigkeit von 130 auf 164 Kilometer pro Stunde bereits verdoppelt. Warum das wichtig ist? Das lasse ich den Mann mal selber sagen: "Da sich ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen rasch und ohne große Kosten umsetzen ließe, würde die Akzeptanz gegenüber anderen vergleichsweise kostenintensiven und langwierigen Vorhaben im Kampf gegen den Klimawandel spürbar sinken, wenn diese Möglichkeit ungenutzt bliebe." Ob ich alles wirklich verstanden habe? Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher: Der Mann hat Recht. Oder nicht?

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