Da oben fliegt was - völlig losgelöst?

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Nun möchte beziehungsweise kann ich nicht anders, als meinen Blog zu reaktivieren, denn zum einen gibt es die innerbetrieblichen Gründe für meine Pause nicht mehr, und zum anderen weiß ich um die Mittagszeit gar nicht so richtig, wo ich mit meinen Gedanken hin soll, wenn ich sie nicht aufschreiben und online stellen kann. Doch weil ich das schon viele Jahre so mache, greife ich nicht auf das aktuelle Geschehen während meiner Sprechzeit von zehn bis zwölf zurück, sondern schaue mir alle Randnotizen aus den Protokollen der Gespräche mit Lesern in den vergangenen drei Wochen an, vergebe Punkte (mit meinem Bauchgefühl als Bemessungsgrundlage) und berichte nun von den ersten drei Plätzen innerhalb dieses Rankings. Los geht's:

Episode 1, Platz 3: "Seit heute Morgen dreht ein Airbus A 400 M seine Schleifen über Westsachsen und Ostthüringen", teilte mir ein Leser und fügte, weil ich erst einmal nichts dazu erwiderte, dann hinzu: Dies ist mit einem ständig wiederkehrenden Fluglärm verbunden." Ich dachte kurz darüber nach, was der Mann in der Leitung jetzt von mir erwarten könnte, aber kam zu keiner Erkenntnis, weshalb ich, mit dem Versuch, so seriös wie möglich zu klingen, ihn dies fragte: "Was kann ich in dieser Sache für Sie tun?" Deutlich vernahm ich in meinem Kopfhörer, wie der Anrufer tief Luft holte, bevor er mir mitteilte: "Ich fasse es nicht, natürlich herausbekommen, was es damit auf sich hat. Ich will morgen etwas dazu in der Zeitung lesen."  Ich habe ihm zugesagt, die Kollegen darüber zu informieren, mich für den Anruft bedankt, dann aufgelegt und leise vor mich hin gesummt: Völlig losgelöst von der Erde, schwebt das Raumschiff, völlig schwerelos ... Ach, waren das noch Zeiten, als ich mit Major Tom ...

Episode 2, Platz 2: Der Mann hatte sich bei mir gemeldet, weil er die Nachricht "Herz-Kreislauf Todesursache Nr. 1" in der Zeitung gelesen hatte, die mit diesem Satz begann: "Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Sachsen nach wie vor die häufigste Todesursache." Der Leser meinte dazu: "Dieser Aussage ist eigentlich nichts hinzuzufügen, außer, dass nicht nur vier von zehn Menschen daran sterben, sondern alle. Denn der Tod tritt ein, wenn das Herz aufhört zu schlagen und demzufolge der Kreislauf zusammenbricht." Den Leser habe ich dann in mein internes Archiv unter der Rubrik "K" abgelegt, weil er ein K... ist, wobei ich das Wort nicht schreiben darf (aus bekannten Gründen), mir als Synonym dafür aber Wörter wie Naseweis, Neunmalkluger oder Schlaumeier einfallen.

Episode 3, Platz 1: Keine lange Einleitung, nur der Hinweis, dass ich mich immer wieder darüber freue, wenn es ein Leser mit seinem Gedicht zu einem aktuellen Problem in meinen Blog geschafft hat, denn seit Ausbruch der Pandemie halten sich all die Hobbypoeten da draußen eher etwas zurück. Ob es einen Zusammenhang gibt? Ich weiß es nicht. Die ist ein Auszug aus dem Gedicht mit der Überschrift "Endlager gesucht", ergänzt um meinen Hinweis: Gut geschüttelt, die Reime:

 

Gegen den Gau ist kein Land gefeit,

der Atomausstieg verhindert Leid.

Deutschland hat die Weichen gestellt,

Beispiel gebend für die ganze Welt.

 

(…?

 

Wohin das strahlende Material?

Die Suche entwickelt sich zur Qual.

Atommüll ist nicht Stoff der Träume,

da öffnet man ungern die Räume.

 

Tonnen von radioaktivem Kies,

aus für jedes Urlaubsparadies.

Lager gesucht für die Ewigkeit,

Grab für Relikte der Atomzeit.

 

Rainer K.

 

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