Er ist, was er isst, aber nicht sein will

Der Klimawandel wäre gar nicht erst entstanden, weil die Ursache fehlt, und der Umwelt würde es weltweit ganz wunderbar gehen, und die Menschen könnten in Frieden das Leben genießen und sich aller Dinge unbeschwert erfreuen, die ihnen von der Natur reichlich beschert werden, ohne darüber nachdenken zu müssen, warum das alles so einfach ist. Dafür gibt es nur eine einzige Voraussetzung: Der Mensch gehört ist ein Wesen, das in dem Wissen, dass sein Tun für ihn selbst mittel- und unmittelbare negative Folgen hat, sein Handeln danach ausrichtet und solche ganz offenbaren Fehler aus der Einsicht heraus einfach nicht begeht. Nun ist diese Erkenntnis nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ist seit tausenden Jahren ein wichtiger Anker in allen Philosophien und den meisten Religionen. Deshalb stellt sich unweigerlich die Frage: Warum ist der Mensch nicht ein solches Wesen und lässt oft nichts unversucht, dem eigenen Leiden einen Nährboden zu bereiten? Über dieses Dilemma habe ich heute mir einer Leserin minutenlang gesprochen. Der Grund ihres Anrufs war dieser:

"Sie müssen mir helfen, ich bin wirklich verzweifelt", sagte sie zu Beginn, bevor sie mir ihr Problem schildern durfte: Die Frau hat sei vielen Jahren Diabetes Typ II und erst spät erfahren, "dass ich mich selbst heilen kann". Vorausgegangen war, dass jemand ihr ein Buch des bekannten Zahnarztes und selbst ernannten Ernährungsexperten Johann Georg Schnitzer geschenkt hatte und sie fortan sich nach seinen Vorgaben ernährt und die Krankheit überwunden hat. Andere Krankheiten seien ihrer Ansicht nach ebenso leicht zu kurieren, und als Beispiel nannte sie mir Bluthochdruck und Herzschwäche sowie Demenz. "Der Körper heilt sich selbst, wenn er nicht mehr die Stoffe bekommt, die ihn krank machen", sagte sie und bekam von mir kein Widerspruch. Ihr tatsächliches Problem aber ist dies: "Niemand will auf mich hören, ich schreibe unentwegt Briefe an Politiker und Regierungsstellen", teilte sie mir mit und nannte unter anderem die Bundeskanzlerin, die EU-Kommissionschefin und den Uno-Generalsekretär als Adressaten für ihre Schreiben. "Nicht einmal Antworten habe ich bekommen", fügte sie hinzu: Nun der Grund dafür, dass sie bei der Zeitung angerufen hat: "Schreiben Sie Artikel, am besten eine ganze Serie von Berichten über Johann Georg Schnitzer und seine Ernährungserkenntnis, damit die Menschen endlich wach werden und ihr Leben umstellen." 

Womit ich wieder zum Anfang dieses Blogeintrages komme und es bei dieser abschließende Frage bewenden lasse: Muss ich jetzt noch erklären, warum ich mit dieser Anruferin lange über den Menschen als ein eher schwaches Wesen bei der Bekämpfung eigener Sünden und Fehlentscheidungen gesprochen habe, und warum sie am Ende nicht weniger frustriert war, weil ich ihr keine Hoffnung darauf machen konnte, dass viel mehr Menschen sich bald nach den Vorgaben von Johann Georg Schnitzer ernähren werden?

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