Fehlt nur noch der Heiligenschein

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Drei Leser hatten heute zwischen zehn und zwölf deshalb angerufen, der eine brachte es meiner Meinung am besten mit diesem Satz auf den Punkt: "Da fehlt eigentlich nur noch der Heiligenschein", sagte er und fasste damit gleichzeitig seine Kritik an dem Foto der Bildnachricht "Baerbock auf Bus-Tour" heute auf der Seite Politik zusammen. Dass diese Aufnahme der Kanzlerkandidatin der Grünen und ihrer Partei vermutlich gut gefällt, weil es sie mit einer wahrhaft "visionären Geste" zeigt, meinte ein anderer Anrufer, womit ich bei meiner Wertung angekommen bin: Die Leser haben Recht. 

Dass ich es regelrecht genieße, wenn es mir gelingt, die Leute in der Leitung zu verblüffen und angesichts dessen, was sie gerade erfahren haben, sprachlos zu machen, wird jedermann nachvollziehen können, der einmal versucht hat, sich in meine (tägliche) Lage zu versetzen. Heute durfte ich es mal wieder erleben: "Gestern Vormittag habe ich einen großes Passagierflugzeug am Himmel gesehen, dass offenbar von Jagdfliegern eskortiert wurde. Können Sie mir sagen, was da los war, oder das mal recherchieren? War das etwa eine Flugzeugentführung?", fragte mich die Anruferin und hörte von mir dies, ohne dass ich lange überlegen musste: "Nach Aussage der Luftwaffe der Bundeswehr handelte es sich dabei um ein Tankflugzeug der US-Air-Force vom Typ KC-135 Stratotanker, das vier Jets der tschechischen Luftwaffe in knapp 5000 Meter Höhe mit Kraftstoff versorgt hat. Das Tankflugzeug ist in Großbritannien stationiert, kommt bei derartigen Manövern auch über deutschem Luftraum zum Einsatz. Bei dem Korridor, der dafür über dem Freistaat genutzt werden darf, handelt es sich laut Luftwaffe um den sogenannten Air-to-Air Refueling Anchor Saxon." Stille in der Leitung. Sekunden später: "Jetzt bin ich baff, das hätte ich jetzt niemals gedacht, vielen Dank, ich bin beeindruckt." (Was die Leserin nicht wusste: Kurz zuvor hatte ich schon die Mail eines anderen Lesers beantwortet, der die gleiche Frage hatte, und dem ich einen Auszug aus dem heutigen Artikel "Militärmanöver über dem Vogtland" in der Zeitung geschickt hatte. Die Mail war noch offen, als ich dieser Anruferin daraus vorlesen konnte.) Der Frau am Telefon habe ich gesagt: "Gern geschehen, dafür bin ich da, erzählen Sie es gern weiter. Der Leserobmann ist ein …"

Bei dem Heiligenschein für die Kanzlerkandidatin der Grün fällt mir, dass ich heute bei drei Unterhaltungen mit Lesern am Telefon auch einen Gedanken hatte, der seinen Ursprung im Christentum hat, soll heißen: Nach Ansicht der Anrufer gehört das, was meine Kollegen sich heute auf der Titelseite geleistet haben, zu den "Totsünden", die man als Vertreter einer Heimatzeitung in Sachsen begehen kann. Bei der Erklärung fasse ich mir kurz und enthalte mich einer persönlichen Bewertung: Die Titelgrafik über dem Aufmacher zeigt Julian Nagelsmann, den neuen Trainer des FC Bayern.

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