Nein, den Bescheid will ich nicht

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In der letzten Stunde meines letzten Arbeitstages vor meinem einwöchigen Urlaub bleibt mir nur, weil das Vorarbeiten zu viel Zeit in Anspruch genommen hat, die eine Randnotiz aus dem Protokollen meiner Gespräche mit Lesern; ich bitte um Nachsicht und bin dann auch mal weg, den nächsten Blogeintrag gibt es wieder am Dienstag, 12. Oktober:

Episode 1: "Ich würde Ihnen gern mal eine Kopie meines Steuerbescheids zukommen lassen", sagte der Mann in der Leitung und fügte, weil ich angesichts der Möglichkeit beziehungsweise Gefahr einer Fangfrage erst einmal gar nicht sagte, die Frage hinterher: "Darf ich Ihnen erklären, warum der für Sie eventuell aufschlussreich sein könnte?" Der Mann durfte natürlich, dies war sein Anliegen: Sich bei mir gemeldet hatte er sich, nachdem er gestern in der Zeitung den Bericht "Müller-Orden: Kretschmer verärgert Juniorpartner" gelesen hatte und sich noch daran erinnern konnte, dass der Molkereiunternehmer Theo Müller schon seit vielen Jahren in der Schweiz lebt, weil er seinen Nachkommen ersparen möchte, nach seinem Tod rund 200 Millionen Euro an Erbschaftssteuer ans Finanzamt zahlen zu müssen. Seinen Ausführungen zufolge würde sein Bescheid belegen, was die Behörde ihm als kleinen Selbstständigen alles an Aufwendungen in seinem Antrag als nicht absetzbar gestrichen hätte. Seine abschließende Frage habe ich aber dann nicht beantworten wollen, was der Leser aber nicht weiter tragisch fand, denn seine Meinung war auch so bei mir unmissverständlich angekommen: "Wollen Sie noch wissen, warum ich in die Tischkante vor Ärger beißen könnte, weil dieser Milliardär einen Orden bekommt, während ich dem Finanzamt mein schwer verdientes Geld überweisen muss?"

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