In schwierigen Zeiten erst recht

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Unter den Autoren von Leserbriefen gibt es eine ganze Reihe von Leuten, denen es um nur das eine Thema geht und die mich, weil ihre Meinung mal wieder veröffentlicht worden ist, dann anrufen und nach dem Grund fragen. Und immer mache ich kein Geheimnis daraus, ich sage nämlich: "Darüber wird gerade nicht diskutiert, auch hat es in jüngster Zeit keine Berichterstattung dazu gegeben." Zu diesen Personen zählt auch ein Mann, der offenbar schon echt alt sein muss, weil er das jedes Mal betont, wenn ich ihn in der Leitung habe, und der mir mit einer nie nachlassenden emotionalen Energie versichert, wie wichtig für uns alles es ist, dass die Debatte über die gesetzliche Regelung der Sterbehilfe in Deutschland wieder in Gang kommt und sich endlich etwas an den momentanen Bestimmungen ändert. Heute allerdings hat er mich tatsächlich zuerst sprach- und dann fassungslos gemacht. Zwar hat er sich geduldig meine Begründung angehört, warum sein vor sechs Wochen eingegangener Brief nicht im Leserforum erschienen ist, dann aber er mit einem energischen Unterton in der Stimme gesagt: "Das ist nicht wahr, was Sie da sagen, denn das Thema ist aktueller denn je." Einen Augenblick lang habe ich gezögert und darüber nachgedacht, ob ich irgendetwas verpasst haben könnte, doch dann war ich mir sicher, dass dem nicht so ist, und sagte: "Jetzt bin ich aber gespannt." Seine Begründung war diese: "Das Coronavirus und die Pandemie", sagte er, "sie haben meiner Ansicht nach zur Folge, dass viele mehr Menschen gerade darüber nachdenken, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, weil sie ohnehin schwer krank sind, lieber sterben wollen und jetzt Angst davor haben, dass die ganzen Veränderungen ihnen das Leben noch unerträglicher machen." Ich habe nicht nachgefragt, ob er das ernst meint, denn ich war mir sicher, dass niemand bei einem solchen Thema etwas anders zum Ausdruck bringen wollen würde, also schwieg ich einfach, dachte nach und wartete darauf, ob der Mann noch etwas hinzufügt, und das tat er auch: "Mir selbst kommen solchen Gedanken auch zunehmend."

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