Sprachlos, das war's in dieser Woche

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Die Frau in der Leitung bemühte sich offenbar, ihrer Stimme einen von Mitleid geprägten Unterton zu verleihen, als sie mir sagte, dass es ihr um einen Artikel heute auf der Seite "Rat & Leben" geht und dass sie nun unbedingt ihre Gefühle loswerden möchte, sie meinte: "Die armen Lebensmittel tun mir so leid, da muss sich doch etwas tun lassen, um ihnen zu helfen." Das Mitgefühl sei ihr nach dem Lesen der Überschrift "Weitere Lebensmittel unter Krebsverdacht" gekommen, die sie so kommentierte: "Das Curry, die Rote Grütze und die Nudeln haben also Krebs, wirklich schlimm", meinte sie, bevor sie sich dann dazu bekannte: "Der Gebrauch der Deutschen Sprache bedarf schon einer gewissen Übung darin." Ob ich geschmunzelt habe? Ein bisschen. Ob ich die Kollegin wegen der sprachlichen Ungenauigkeit angerufen haben? Wäre mir im Traum nicht eingefallen.

Darüber hinaus gab es heute auch einen Moment von der Art, bei der mir die Luft wegbleibt angesichts dessen, was ich da gerade gehört habe, und ich mich entscheiden muss, dem Leser in der Leitung mit genausso viel emotionalem Nachdruck zu sagen, was ich von dem halte, was er mir gerade erzählt hat, oder ob ich (besser) schweige und mich von dem Anrufer verabschiede. Dies war sein Kommentar zu der Tatsache, dass die Coronatests demnächst von den Leuten selbst bezahlt werden müssen und die Kosten nicht mehr vom Staat übernommen werden: "Drogen- und alkoholabhängige Menschen, die ihre Therapie aus eigenem Antrieb einfach abbrechen, werden doch anschließend auch weiter auf Kosten der Allgemeinheit behandelt." Nachdem ich aufgelegt hatte, war ich mir sicher, dass diese Woche für mich jetzt zu Ende ist, ich bitte um Nachsicht und Verständnis.

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