Ein Leser hat mich heute angerufen, weil er sich fürchterlich ärgerte, nachdem er den Bericht "Sauna-Knigge für Anfänger" auf der Seite "Rat & Leben" gelesen hatte. Zunächst musste ich ihm klar machen, dass er nicht mit der Autorin des Artikels persönlich sprechen und ihr "den Kopf waschen" (bei dem Thema eine zweideutige, aber durchaus angebrachte, weil lustige Wortwahl) könne, weil es sich um eine Kollegin der Nachrichtenagentur handelt, deren Arbeitsplatz nicht bei der "Freien Presse" ist. "Verstehe ich nicht, ist aber auch egal", war sein Kommentar dazu, nachdem er sich auch hatte damit abfinden müssen, dass ich ihm nicht die Telefonnummer der Redakteurin geben konnte beziehungsweise wollte. Ich sagte, weil dieses Dilemma mir bekannt ist und ich weiß, dass fast immer ich eine wirklich gute Alternative als Ansprechpartner bin: "Versuchen Sie es doch zuerst einmal mit mir, ich kenne mich aus, ich gehe auch regelmäßig einmal in der Woche in die Sauna." Dann bestätigte er mir zuerst, dass der Bericht eigentlich ein ebenso guter wir informativer Artikel sei, wenn da nicht der eine "völlige Missgriff" wäre, was seiner Ansicht nach unbedingt in der nächsten Ausgabe der "Freien Presse" richtig zu stellen sei. Dann las er mir den Absatz vor, der ihn die Zornesröte ins Gesicht getrieben hatte: "Sauniert wird nackt: Mit kaum etwas macht man sich hierzulande in der Sauna unbeliebter als mit Badebekleidung auf der Bank. Fast überall gilt das Nackt-Schwitz-Gebot." An dieser Stelle machte er eine (die Dramatik seines Anliegens offenbar fördernde) Pause, weshalb ich fragte: "Und?" Er atmete ein, er atmete aus, dann sagte er: "So weit kommt das noch, dass ich mir von jemanden vorschreiben lasse, ob ich mir ein Handtuch um die Hüften binde, wenn ich in eine Schwitzkabine gehe. Noch ich lebe ich in einem freien Land, noch darf ich entscheiden, wer mich nackt sehen darf und wer nicht." Ganz vorsichtig (und durch die Blume) habe ich dann versucht herauszubekommen, warum dieses Thema ihn so verärgert, obwohl es doch von "nicht ganz so großer Wichtigkeit" ist angesichts anderer Probleme, mit denen sich unsere Gesellschaft zurzeit zu beschäftigen hat. Es sagte: "Noch einmal, ich lasse mir nicht vorschreiben, wem ich mich nackt zeige und wem nicht; auch nicht von der Zeitung." Also habe ich mich für den Anruf bedankt, mich freundlich von ihm verabschiedet, den Hörer aufgelegt und gesagt: Amen.

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