Bei dieser Auswahl der Randnotizen aus den Protokollen der Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf ist mir gerade klar geworden, und ich möchte daraus auch kein Geheimnis machen, meine Erkenntnis sogar mit allen, die diesen Blogeintrag lesen, uneingeschränkt teilen, es ist diese: Meine Aufgaben als Leserobmann und die Zeiten, in der wir gerade leben, haben etwas gemeinsam, denn sie sind gerade keine einfachen, doch ich glaube weiterhin daran, dass jede Reise, mag sie auch noch so lang sein, stets mit dem ersten Schritt beginnt. In diesem Sinne wünsche ich allen ein wunderschönes Herbstwochenende. Hier sind sie: 

Episode 1: Dass ich für viele Leser oft die erste Adresse für Kritik am Fernsehprogramm bin, dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein, nur in diesem Fall möchte ich mal wieder davon berichten, weil ich denke, dass der Mann bei vielen TV-Kunden auf Verständnis stoßen dürfte, er meinte: "Bis vor Kurzem hatte ich noch geglaubt, ich könne die Welt retten, doch nach diesem Streifen ist mir dann die Erleuchtung gekommen: Da ist nichts mehr zu retten, der Film war symptomatisch dafür." Die Einzelheiten zu dem Actionspektakel aus Hollywood sowie seine Kritik sind nicht ganz so von Bedeutung, denn mir kommt es darauf an, was der Mann mir dann mitteilte: Geschätzte 80 Prozent der abendlichen Fernsehunterhaltung besteht aus Krimis, und das heißt, dass das Volk mit Abnormitäten der Gesellschaft unterhalten wird und das Verbrechen nach und nach als Normalität empfindet. Empfinden soll, etwa um von den wirklich großen Verbrechen der Welt abzulenken? Von Bankenspekulationen und von Dieselskandalen, von Tierversuchen, Massentierhaltung, Waffenexporten Entindustrialisierung des Ostens und so weiter?"

Episode 2: Zu den Meinungen über den Rücktritt des evangelischen Landesbischof Carsten Rentzing werde ich hier nichts schreiben, denn zum einen erscheinen morgen auf der Seite "Kommentar & Hintergrund" die ersten Leserbriefe zu Berichten und Kommentaren zu diesem Thema, die ziemlich genau widerspiegeln, was bei mir angekommen ist, während zum anderen die Gespräche, die ich dazu am Telefon geführt habe, keine waren, über die ich inhaltlich informieren möchte. Mit einer Ausnahme, denn in gleiche drei Stellungnahmen tauchte Joschka Fischer auf. Dieser Mann darf es jetzt auf den Punkt bringen: "Wenn es darum geht, dass man einem Menschen seine Jugendsünden nicht verzeihen und ihm ein Leben lang nachtragen möchte, hätten wir niemals sieben Jahre lang diesen Außenminister haben dürfen." Ganz ehrlich? Irgendwo haben diese Leute durchaus recht, denn dass Joschka Fischer 1973 bei einer Demonstration innerhalb des Frankfurter Häuserkampfs einen Polizisten verprügelte, hat sich - und da sind sich wohl alle einig - niemals negativ auf seine Arbeit als Außenminister ausgewirkt, oder sieht das jemand anders?

Episode 3: Es gibt tatsächlich manchmal Hinweise von Lesern zum Klimawandel und zur Antwort auf die Frage, wie man in aufhalten kann, die finde ich ganz wunderbar, weshalb es mir eine große Freude bereitet, hier davon berichten zu können. Ein Mann meinte kürzlich: Die meisten Flachdächer sind mit Dachpappe gedeckt und es gibt viele davon. Die einfachste Methode diese zu begrünen ist: Einen alten Teppich verlegen, diesen mit Gehwegplatten beschweren und abwarten. Nach einiger Zeit wächst dort Moos. Das speichert viel CO2." Offenbar ist er jemand, der sich wirklich gut auskennt, denn er fügte noch hinzu, dass eine solche Begrünung auf die Statik des Daches keine Auswirkung habe und der Dachbelag außerdem vor Verwitterung geschützt werde. Mein Problem: Ich habe kein Flachdach, und jede Bemerkung über meine Frisur verbiete ich mir.

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