Von dem, was ich erlebe, wenn mich Leser anrufen, um mit mir über ein Thema zu reden, zu dem mir jeglicher Bezug fehlt, weil ich über keinerlei eigene Erfahrungen damit verfüge, berichte ich hier eigentlich häufiger. Also müsste ich dies nun nicht noch extra betonen, doch es handelt es sich um einen außergewöhnlichen Fall von "Tut mir leid, aber da bin ich wohl der falsche Ansprechpartner". Warum? Es waren gleich zwei höchst unterschiedliche Berichte, die mir an zwei aufeinander folgenden Tagen zum einen mehrere verärgerte Anrufer bescherten, deren Unmut sich noch steigerte, weil ich angesichts meiner Unwissenheit nicht mit ihnen diskutieren wollte, und zum anderen mich mit der Tatsache konfrontierten, dass ich selbst unzufrieden bin, weil ich eine Frage, die mir Leser gestellt haben, nicht nur nicht beantworten kann, sondern auch nicht weiß, wie ich zu einer Antwort kommen kann. Aber der Reihe nach:

Drei Leser haben sich bei mir gemeldet, weil sie Dampf ablassen wollten, nachdem sie den Bericht "Nach Vater Beimer stirbt nun die ganze 'Lindenstraße'" auf der Seite "Aus aller Welt" gelesen hatten. An dem Artikel selbst hatten sie nichts auszusetzen, allein die Tatsache, dass diese TV-Serie eingestellt wird, hatte ihnen die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Ihr Ärger wurde nicht kleiner, eher sogar größer, als ich bekannte, weil ich das nicht verschweigen wollte, um zu begründen, dass ich bei diesem Thema nur zuhören konnte, dass ich wohl zu den ganz wenigen Deutschen gehören würde, die noch keine einzige Folge dieser Seifenoper gesehen haben. Der Vollständigkeit halber fasse ich die Argumente der Anrufer zusammen; diese waren es unter anderem: Für durchschnittlich dreimal in der Woche Fußball zur besten Sendezeit sei schließlich auch genügend Geld da. Wer will eigentlich diese vielen Krimis sehen, mit denen uns ARD und ZDF seit Jahren geradezu die beste Sendezeit stehlen? Der ganz Fernsehmüll, der von den USA zu uns schwappt, könnte man ersatzlos streichen und mit dem eingesparten Geld die Lindenstraße am Leben erhalten. Eine Anruferin hat mich dann tatsächlich gefragt, warum ich noch keine Folge gesehen habe, aber meine Antwort hat sie dann vermutlich doch eher enttäuscht: "Weil ich vor 20 Jahren den Fernseher aus meiner Wohnung verbannt habe, damit er mir nicht Zeit stehlen kann."

Bei dem zweiten Artikel war ich dann etwas zurückhaltender mit Informationen darüber, dass ich auf jeden Fall zu schweigen habe, wenn es um die Erziehung von Kindern und die Suche nach einer Antwort auf die Frage geht, welches denn nun die richtige ist und welche Methoden man lieber meiden sollte. Vier Leser waren bei mir vorstellig geworden, nachdem sie den Artikel "Kinder brauchen mehr Disziplin" auf der Seite "Rat & Leben" gelesen hatten. Hier möchte ich aber auf eine Auflistung der von den Anrufern vorgebrachten Argumente verzichten, weil sie alle ausnahmslos so vielschichtig und komplex waren, dass eine auf den Punkt gebrachte Zusammenfassung nicht möglich ist. Drei Leser wollen es sich überlegen und auf meine Anregung hin eine Leserbrief zu diesem Thema schreiben. Zwei Frauen in der Leitung hatten ein ganz anderes Problem: "Schauen Sie sich das Foto doch mal genau an, fällt Ihnen da nichts auf?", formulierte eine Anruferin ihre Kritik als Frage an mich. Und ich gebe diese jetzt einfach mal weiter: Wer also mitfühlen möchte, was mir manchmal durch den Kopf geht, wenn ich mit Leuten am Telefon rede, möge sich jetzt das Bild zu dem Artikel in Ruhe anschauen und danach suchen, was "definitiv nicht richtig sein kann".

Hier ist der Link: "Kinder brauchen mehr Disziplin".

Um die Lösung nicht auf den Kopf stellen zu müssen, gibt es jetzt etwas Zeit zum Nachdenken.

Denkpause

Denkpause

Denkpause

Denkpause

Denkpause

Denkpause

Denkpause

 

Ganz einfach: Alle abgebildeten Kinder halten die Gabel in der rechten und das Messer in der linken Hand, was nach Ansicht der beiden Leserinnen ein grober Fehler ist. Trotz umfangreicher Bemühungen, warum das in diesem Fall so ist und was dafür verantwortlich war, habe ich den Grund nicht herausgefunden. Die beiden Frauen werden enttäuscht sein, wenn sie sich noch mal bei mir melden werden, aber daran kann ich nichts ändern. So ist das Leben, werde ich sagen, manche Dinge muss man einfach akzeptieren. Und es gibt welche, die eindeutig wichtiger sind, oder nicht?

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