In der vergangenen Woche sind zwei Dinge in kurzen Abständen hintereinander passiert: Zum einen hat sich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer mit Russlands Präsident Wladimir Putin getroffen und sich anschließend für eine Lockerung der Sanktionen des Westens gegenüber dem Land ausgesprochen. Zum anderen hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass das millionenfache Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht noch für eine Übergangszeit zulässig ist. Zu beiden Themen haben meine Kollegen einen Leitartikel geschrieben und darin klar Stellung bezogen: "Russland und die Arroganz der Sieger" lautete die Überschrift des ersten Kommentars, "Schluss mit dem Kükentöten" die des zweiten ein paar Tage später. Und nun aufgepasst: 

Zu der Entscheidung des Landesvaters und seinen Gründen für eine Normalisierung des Verhältnisses mit Russland haben mich innerhalb kürzester Zeit mehr als 20  Leserbriefe erreicht. Zu der Tatsache, dass weiterhin allein in Deutschland jährlich 45 Millionen männliche Küken vergast werden dürfen, nur ein einziger. Warum ich darüber schreibe? Aus einem ganz einfachen Grund: Ich verstehe das nicht, und ich werde dieses krasse Ungleichgewicht bei der Bewertung von außenpolitischen Gratwanderungen auf der einen und einer staatlich legitimierten Tierquälerei auf der anderen Seite niemals verstehen; das will einfach nicht in meinen Kopf. Weil ich mich dabei so hilflos fühle, möchte ich einen Leser zu Wort kommen lassen, der mich wegen der Entscheidung zum Töten von männlichen Küken angerufen hatte. Er war genauso schockiert wie ich, zitierte aber, weil ihm selbst die Worte fehlten, zwei historische Persönlichkeiten.  "Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird, wie das Verbrechen am Menschen", soll Leonardo da Vinci gesagt haben. Pythagoras soll nicht weniger deutlich gewesen sein: "Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück." Diesen Blogeintrag abschließen möchte ich mit meinem Lieblingszitat zu diesem Thema: "Wenn Schlachthäuser Wände aus Glas hätten, würden alle Menschen vegetarisch leben", soll Paul McCartney einmal gesagt haben.

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