Geht es in einer Debatte auch um Inhalte, bei denen eine religiöse Überzeugung eine nicht unwichtige Rolle spielt, halte ich mich ganz raus und diskutiere auch nicht mit Lesern am Telefon darüber, weil ich dies nicht könnte, ohne meine eigene Prämissen in Glaubensfragen mit einfließen zu lassen, und das ist dann des Bekennens von persönlichen Standpunkt eindeutig zu viel. Das ist in diesen Tagen und Wochen allerdings kein leichtes Unterfangen. Zum einen holen mich diesbezüglich auch immer wieder der Klimawandel und die Berichte darüber ein, erst heute war das wieder der Fall, denn ein Leser vertrat diese Meinung hinsichtlich einer möglichen Lösung für das Problem: "Es kann doch nicht sein, dass wir von uns erdachte Glaubens- und Ethikregeln über das Überleben der gesamten Menschheit, und den übrigen Gästen dieses Planeten stellen. Das dürfen wir niemals zulassen", meinte er und fügte hinzu: "Es ist die wichtigste Aufgabe der Menschheit: Geburtenkontrolle ist nahezu kostenlos." Geschwiegen habe ich, doch im Stillen gedacht, dass der Papst hier mit Sicherheit widersprechen würde.

Drei Mal bin ich seit dem Beginn der Berichterstattung über den mittlerweile zurückgetretenen evangelischen Landesbischof mit diesem Bibelzitat konfrontiert worden: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie." Den Lesern ging es immer darum, zum Ausdruck zu bringen, dass die Verantwortlichen in der Landeskirche und alle anderen Kritiker des Landesbischofs sich vielleicht auch mal an die eigene Nase fassen sollten, ob es da nicht auch die eine oder anderen Verfehlung in ihrem Leben gegeben haben könnte, bevor sie über diesen Mann den Stab brechen. Diesen Standpunkt kann ich zumindest nachvollziehen, weshalb mir mein Schweigen auch nicht besonders schwer gefallen ist, doch hat es mich schon etwas gereizt, mit den Leuten darüber zu sprechen, ob es nicht doch etwas Anderes ist, ob ich eine Sünde begangen und sie als solche erkannt habe, sie also auch bereue, oder ob ich uneingeschränkt zu etwas stehe, was ich selbst als richtig erachte, das aber für viele Menschen eine nicht zu tolerierende Einstellung ist für eine Person, die ein öffentliches Amt von dieser Art bekleidet. Weitere Bibelworte von Lesern zu diesem Thema waren: "Darum, wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle" und "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist." Dazu schweige ich, auch jetzt.

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