Die Zeit vor den Landtagswahlen ist beziehungsweise war (auch für mich) keine einfache, was unter anderem auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass ich gerade für meine Randnotizen zum Wochenausklang in meinen Protokollnotizen der Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf nach kleinen Geschichten gesucht habe, die zum Schmunzeln anregen könnten, aber ich habe wirklich keine gefunden, weshalb die Auswahl heute eher eine ist, die zum Nachdenken anregt; jeder möge das für sich selbst entscheiden. Eine weitere Vorgabe möchte ich nun nicht machen.

Episode 1: Nun geht es doch, und das in meinem letzten Blog vor den Landtagswahlen am Sonntag, hier noch einmal um den bevorstehenden Urnengang, denn ein Leser wollte von mir wissen: "Gibt es wirklich Bürger, die den Wust von Wahlwerbeplakaten (oder das was davon mitunter noch übrig ist) an Laternenmasten, Hauswänden usw. gut finden? Gibt es wirklich Wahlberechtigte, die sich in ihrer Wahlentscheidung von den dort dargebotenen Texten, Bildern und Logos beeinflussen lassen?" Als erstes war ich mir sicher, dass ich mir selbst diese Frage gerade in den vergangenen Wochen schon mehr gestellt habe, doch auf diese Schlussfolgerung, der der Mann gezogen hat, bin ich nicht gekommen, denn er meinte: "Wenn schon unsere Parteien auf dieses immerhin kostenträchtige Plakatieren nicht verzichten können, dann wünschte ich mir, dass zumindest konkrete Ziele formuliert werden wie zum Beispiel ein Verbot für diese unsinnige Silvesterknallerei." Da habe ich, gebe ich gern zu, ihn jedenfalls nicht widersprochen.

Episode 2: Diesen Leser möchte ich in dem Bewusstsein und mit dem Hinweise darauf zitieren, dass ich selten mit einer ersten Einschätzung dessen, was ich gleich zu hören bekommen werde, so weit daneben lag wie in diesem Fall, denn der Mann meinte mit entsprechend viel Nachdruck in der Stimme: "Endlich spricht mal jemand Klartext, das wurde auch langsam mal Zeit, denn das, was diese offenbar alternativen Gutmenschen da ständig von sich geben, kann ich langsam nicht mehr hören, denn die leben offenbar in einer anderen Welt." Meine Frage an dieser Stelle, also ein hypothetische: Um welches Thema geht es hier wohl, welcher Artikel hat den Mann bewogen, sich bei mir zu melden? Eine extreme Ansicht innerhalb des weitgefächerten politischen Meinungsspektrums? Falsch, sage ich jetzt einmal, denn darauf dürfte niemand kommen: Es war das Interview "Zukunft ist immer unsicher" mit dem Autor Jürgen Kaube, der ein Buch geschrieben hat mit dem Titel "Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder".

Episode 3: Wenn ich dann am Montagnachmittag immer damit fertig bin, die nächste Ausgabe der Seite "Leserforum" mit Meinungen zu füllen, druck ich sie immer aus, lege sie auf meinen Schreibtisch, entferne mich ungefähr einen Meter davon und versuche herauszubekommen, wie mein Urteil dazu lautet und ob ich es auf den Punkt bringen kann, was mein Bauchgefühl mir dazu signalisiert. Und dieses Mal war ich überrascht, dass ein anderer Leser zu der gleichen Einschätzung gekommen ist, wie ich, denn er meinte: "Seltsam und zugleich deprimierend, zu welchen Gedankengängen Mitmenschen fähig sind, die in Frieden, Freiheit und sozialer Sicherheit leben."

Episode 4: Nun werde ich meinen Blog mal wieder missbrauchen, um mich aus einer Notlage zu befreien beziehungsweise mein schlechtes Gewissen ein wenig zu verkleinern, denn ich muss meinen Kollegen in der Redaktion eigentlich etwas sagen, was sie mit Sicherheit nicht gern hören wollen, denn aus Erfahrung weiß ich, dass sie mich, wenn ich so etwas tatsächlich laut sage, mit einem Blick anschauen, der mir dies mitteilen soll: Ja, Herr Oberlehrer, wie haben verstanden. Also weiche ich aus, schreibe hier davon, was ein Leser mir aufgetragen hat, es allen Redakteuren mitzuteilen, in der Hoffnung, dass möglichst viele meiner Kollegen es lesen, was ich aber eigentlich bezweifeln möchte, denn wirklich sicher weiß ich von zwei Redakteuren, dass sie hier ab und zu vorbeischauen. Nun denn, das sollen alle Kollegen nach Ansicht des Leser wissen: "Anzeigen im polizeilichen Bereich werden erstattet, nicht gestellt. Gestellt werden zum Beispiel Anträge. Ich würde mich freuen, wenn ich durch Ihren redaktionellen Hinweis diese Kleinigkeit zukünftig richtig formuliert lesen könnte."

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