Meine Randnotizen aus den Protokollen der Gespräche mit Lesern stehen heute unter einem besonderen Motto. Es lautet: Erst wundern, dann staunen und am Ende den Blog des Leserobmann als einzige Möglichkeit ansehen, diesen Hinweisen und Beschwerden auch nur ansatzweise gerecht zu werden und die Öffentlichkeit darüber zu informieren.

 

Episode 1: Bei manchen Leserbriefen, die aus der unterschiedlichsten Gründen nicht veröffentlicht werden können. finde ich es schade, dass niemand erfährt, was den Autoren da in die Feder geflossen ist, weil durchaus mitunter einen Unterhaltungswert hat. Wie dieser Absatz, ich zitiere wörtlich. "Im zurückliegenden Jahr wurden 700.000 Arbeitsverträge in der BRD abgeschlossen. 330.000 mit Personen aus der BRD und 370.000 mit Personen aus Ländern, die östlich der BRD beheimatet sind. Es fehlt den Politikern an Charisma - wenn sie Charisma hätten, würde man dies merken und honorieren. Zehn Prozent der Frauen in Deutschland hatten noch keinen Orgasmus." Um welches Thema es dem Verfasser ging? Ich verrate es gerne: Um die Berichte über die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit.

 

Episode 2: Und weil es so schön passt, denn auch diesem Leser ging es um den Nationalfeiertag, kann ich nun - nach langer Zeit endlich mal wieder -  ein "Gedicht der Woche" im Blog des Leserobmanns wiedergeben. Es besteht aus zwei Teilen:

 

Meine DDR

Als Vierzigjährige hat sie mich verlassen, sollte ich sie deshalb lieben oder hassen?

Es liegt in der jeweiligen Betrachtungsweise, vor allem, woher ich stamme, üblicherweise.

Sie ist zwar unverhofft und überstürzt weggerannt, aber immer noch mit mir seelenverwandt. 

Nach wie vor geht im Osten die Sonne auf, bleibt ehrlich in der Beurteilung - Glück auf.

 

Meine BRD

So richtig warm mit ihr bin ich noch nicht, wo früher nur Schatten war, ist nun grelles Licht.

Mit der Vorherigen hatte ich mich verkracht, die Neue hat mich gleich scharf angemacht.

Leider verguckt, nun muss ich sie schöner trinken, um ihr geliftetes Gesicht als hübsch zu empfinden.

Sie hat bei Tageslicht trotzdem viel mehr Falten als die Alte, sie hat auch keine warmen Hände, wie die Alte, nur kalte.

 

Episode 3: Bei durchschnittlich jedem fünften Gespräch geht es darum, dass die Anrufer mir ein Thema vorschlagen, über das sie gern mal etwas in der Zeitung lesen würden. Wie diese Leserin, die ich sicherheitshalber auch wörtlich zitieren möchte: "Gibt es Alternativen zur Operation beispielsweise durch pflanzliche Mittel oder rezeptfreie Medikamente zum Einreiben beziehungsweise Einmassieren oder zum Einnehmen in fester oder flüssiger Form, die das Wachstum der Brust noch einmal anregen und in Gang bringen?" Nicht verschweigen möchte ich, was die Frau veranlasst hatte, uns diesen Rechercheauftrag mitzuteilen: Es war das Interview mit der Überschrift "Wie sicher ist eine Brustvergrößerung?".

Episode 4: Als Reaktion auf die Berichte über die Tagung des Weltklimarates der Vereinten Nationen haben mich Leser angerufen, weil sie darüber nachgedacht hatten, was man ändern müsste, um vor allem den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern. Drei Anrufer meinten, dass man die Menge des freigesetzten Gases (ähnlich wie beim Auto) bei diesen drei beliebten Freizeit- und Urlaubsbeschäftigungen angeben sollte, damit die Menschen zum Nachdenken angeregt werden und anschließend eher mal darauf verzichten würden: Sportveranstaltungen wie Fußball in riesigen Stadien, Konzerte unter freiem Himmel auf großen Bühnen und Flugreisen in ferne Ferienziele. Warum ich das hier erwähne? Ganz einfach: Ich finde die Vorschläge einfach klasse. Warum? Weil mir nichts ferner liegt, als selbst daran teilzunehmen. Ob ich eine Spaßbremse bin? Manchmal schon, aber dann aus Überzeugung.

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