Geht es nach den mehr als zehn Lesern, die mich wegen dieses Themas in den vergangenen Wochen angerufen haben, dann gibt es keinen Zweifel: Religionsunterricht hat an den allgemeinbildenden Schulen in Trägerschaft der Länder nichts zu suchen. Unter den Anrufern war kein einziger, der sich dafür ausgesprochen hat, dass katholische und evangelische Theologie oder auch jeder andere Glaubensrichtung explizit in einem Unterrichtsfach gelehrt werden sollte. Bei den Meinungen in dieser Frage, dich schriftlich erhalten habe, sieht es etwas anders aus, obwohl auch eine deutliche Mehrheit sich gegen den Religionsunterricht ausgesprochen hat, aber immerhin ein Drittel der Autor war der Ansicht, dass dieses Fach zumindest angeboten werden sollte, wobei die Schüler beziehungsweise die Eltern frei entscheiden dürfen, ob dies auch angenommen oder beispielsweise das Fach Ethik als Alternative gewählt wird. Bei den Gesprächen am Telefon habe ich immer gefragt, ob es nicht vielleicht sinnvoll sei, damit die Vermittlung von neutralen, in diesem Sinne dann also eher philosophischen Wertvorstellungen zumindest im Lehrplan vertreten ist, das Fach Ethik generell verpflichtend in den Lehrplan aufzunehmen. Sieben Anrufer hielten das für eine gute Idee, während zwei Leser meinten, dass dies auch in den Stoff für das Fach Gemeinschaftskunde vermittelt werden könnte. Dieses Resümee habe ich aber aus einem anderen Grund gezogen, wobei es dabei weder um Religion geht, noch um ethische oder moralische Fragen. Drei Leserinnen meinten nämlich dies, wobei ich diese eine stellvertretende wörtlich zitiere: "Den Kindern und Jugendlichen muss in der Schule auch Anstand und gutes Benehmen vermittelt werden, denn das kommt meiner Ansicht nach viel zu kurz. Das erleben ich tagtäglich, wenn ich junge Leute in der Öffentlichkeit sehe, wie sie sich völlig respektlos gegenüber ihren Mitmenschen verhalten." Die eine andere Frau in der Leitung schilderte mir, was sie in den vergangen Wochen bei ihren täglich Fahrten mit dem Bus so alles mit Jugendlichen erlebt hat, während die dritte von den in ihrer Straße lebenden Kindern und deren Verhalten erzählt, um zu diesem Schluss zu kommen: "Denen ist es offenbar völlig egal, was andere über sie denken, wenn sie beispielsweise so viel Lärm machen, das es bei mir im Wohnzimmer nicht mehr auszuhalten ist."

Weil ich weiß, dass ich damit eine Grundsatzdiskussion von nicht mehr zu beherrschendem Ausmaß eröffnen würde, wenn ich darüber nachdenke, auf welche Weise junge Menschen es lernen können, sich "angemessen" und entsprechen dem kategorischen Imperativ (Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.) zu verhalten, schreibe ich nur diesen einen Satz, mit dem ich den Leuten in der Leitung meine Haltung auf den Punkt gebracht habe, wobei mir die Anrufer nicht widersprochen, jedoch darauf hingewiesen haben, dass sie nicht davon abrücken möchten, dass auch die Schule hier eine Aufgabe haben. Ich habe gesagt: "Allein die Eltern sind in der Pflicht, ihre Kinder nicht nur bildlich gesprochen an die Hand zu nehmen und in den Jahren bis zum Erwachsenenalter so zu begleiten, dass sie aus ihren eigenen Erfahrung heraus lernen, wie sie sich gegenüber den Mitmenschen und ihrer Umwelt verhalten, ohne dabei negative Reaktionen auszulösen."

Weitere Blog-Einträge