In meinen Randnotizen aus den Protokollen der Gespräch mit Lesern geht es heute um viel weißen Raum, um einen alten, aber damals erfolgreichen Schlager von Tony Marshall, um eine Verneinung, die dann doch keine ist und um dir Frage, was mir lieber wäre, wenn es die Zeitumstellung mal nicht mehr gibt und welche der beiden dann auf Dauer eingeführt wird.

Episode 1: Zum dritten Mal innerhalb von vier Wochen hat mich eine Frau angerufen und damit gedroht, den Bezug der Zeitung zu beenden und das Abonnement zu kündigen, wenn wir ihre Kritik nicht zur Kenntnis nehmen und entsprechende Schritte einleiten. Erneut habe ich ihr sagen müssen, dass mir und meinen Kollegen leider die Hände (nur buchstäblich) gebunden sind. Der Grund für ihren Ärger: Die ganzseitige Anzeige von Facebook. Was sie aufregt: "Ich bezahle doch nicht dafür, dass mehr als 90 Prozent einer Seite nicht bedruckt und einfach nur weiß sind." Über eine mögliche Werbestrategie hinsichtlich der Auffälligkeit einer Anzeige wollte sie mit mir gar nicht erst reden.

Episode 2: Grund zum Schmunzeln hatte ich in dieser Woche bei meinen Gesprächen mit den Lesern nur drei Mal. Diesen möchte ich gern weitergeben: "Ich habe gestern im Fernsehen gesehen, wie unsere Bundeskanzlerin bei ihrem Besuch in Afrika im Senegal mit militärischen Ehren empfangen wurde", sagte die Frau in der Leitung und fügte hinzu: "Und soll ich Ihnen mal was verraten? Die haben nicht die Nationalhymne gespielt, sondern den Schlage 'Schöne Maid, hast du heut für mich Zeit'". Ich habe mich für die Information bedankt und dann im Netz nach einem Clip gesucht, der mir beweist, was die Leserin mir mitgeteilt hat: Ich habe welche gefunden, möchte diese aber aus Respekt vor dem hohen Amt hier nicht verlinken. Jeder möge sie selbst suchen, finden und sich schlapp lachen.

Episode 3: Zunächst der Satz, der eine Leserin veranlasst hatte, mich anzurufen: "Zuvor hatte US-Verteidigungsminister James Mattis erklärt, die USA wollten aus diesem Grund keine weiteren Manöver mit Südkorea aussetzen." Der Einwand der Frau: "Aber in der Überschrift dieser Nachricht steht doch, dass die USA ihre Militärmanöver fortsetzen wollen, ist das nicht ein Widerspruch?" Was ich ihr geantwortet habe, behalte ich für mich, jeder möge nun selbst mal darüber nachdenken, wie man dieses stilistische Mittel nennt, um etwas besonders zu betonen, was in diesem Fall aber leider nicht wirklich gelungen ist.

Episode 4: Dies ist meine Auswertung zur Online-Umfrage der Europäischen Union beziehungsweise zu den Artikeln und Leserbriefen über die mögliche Abschaffung der jährlichen Umstellung von der Normal- auf die Sommerzeit sowie umgekehrt. Neun Leser haben sich deswegen bei mir gemeldet: 100 Prozent sind der Meinung, dass die Umstellung endlich auf dem Müllhaufen der Geschichte landen soll (schöne Formulierung, gefällt mir bei diesem Thema). Nur ein Anrufer wollte die Sommerzeit als generelle Zeit, alle anderen Leser sprachen sich für die dauerhafte Beibehaltung der Normalzeit aus. Für mich ist das eine persönliche Niederlage, deshalb auch eine große Enttäuschung, sie wird mein weiteres Leben maßgeblich beeinflussen. Nach meiner (groben) Schätzung fehlen mir dann jährlich rund sechs Wochen, in denen ich nach meiner Arbeit keine Runde mehr mit meinem Rennrad drehen kann, weil es schon zu dunkel ist. Wie ich das verkraften werde? Wie in jeden Winter: Ich bin dann nicht von, sondern auf der Rolle.

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