Ein Leser hat mich heute angerufen und meinte, er würde mir gern mal von einer Idee erzählen, was man in unserem Land tatsächlich umsetzen könnte, um etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Sein Vorschlag: "Die Bürger in unserem Land können die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln grundsätzlich und in vollem Umfang von der Steuer absetzen, was dazu führen wird, dass Busse und Bahnen als Alternative zum Fahren mit dem Auto deutlich attraktiver würden und die Zahl der unsere Städte verpestenden Blechkarossen deutlich sinken würde." Meine Antwort: "Ich bin voll und ganz Ihrer Meinung, obwohl ich starke Zweifel habe, dass sich das auch politisch durchsetzen lassen wird angesichts der Autolobby in Deutschland." Der Mann in der Leitung widersprach mir nicht, doch sagte er etwas, das ich dann auch bemerkenswert fand: "Einer muss den Anfang machen, und den Stein ins Rollen bringen, so ist das nun mal im Leben.

Weniger verständnisvoll und konstruktiv in seiner Kritik war der Anrufer, der mich nur ein paar Minuten später angerufen hat, nachdem er zuvor in der Zeitung den Artikel "DFB verhängt Geldstrafe" gelesen hatte; Der Chemnitzer FC muss wegen zweimaligem unsportlichen Verhalten seiner Fans 2700 Euro Strafe zahlen, hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes entschieden. Der Leser verstand die Welt nicht mehr: "Warum bestraft man die Vereine und zieht nicht die Übeltäter zur Rechenschaft und bittet sie zur Kasse? Wer hat solch ein Rechtssystem erfunden? Das darf doch alles nicht wahr sein, dass hier ein Fußballverein mehr oder weniger in Sippenhaft genommen wird", meinte der Anrufer. Seinen Vergleich aber, dass man schließlich auch nicht den ADAC dafür bestraft, wenn Autofahrer sich vorsätzlich falsch verhalten und gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen und Unfälle verursachen, fand ich dann doch mehr oder weniger nicht statthaft beziehungsweise an den Haaren herbeigezogen; nicht an meinen, wohlgemerkt, das funktioniert leider nicht mehr. Meine Kollegen im Ressort Sport haben mir hinterher erklärt, dass die Vereine durchaus als Veranstalter zunächst in die Haftung genommen werden können, aber auch das Recht und die Möglichkeit haben, wenn sie die Randalierer identifizieren können, sich über eine Schadenersatzklage das Geld zurückzuholen. Ich habe überlegt, den Mann noch einmal anzurufen. Darauf aber habe ich dann lieber verzichtet; den Grund möchte ich für mich behalten.

Erwähnenswert innerhalb der Reflexion der Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf fand ich noch den Kommentar eines Anrufer zu dem Artikel "Unter Leuten", in dem über den Versuch des neuen sächsischen Ministerpräsidenten berichtet wurde, bei einem Treffen im Erzgebirge mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Der Mann, der offenbar bei der Veranstaltung dabei war, meinte: "Ein Zuhören war unmöglich. Da war überall nur ein großes Geschnatter zu hören und ein noch größeres Durcheinander zu erkennen." Seine abschließende Bemerkung war diese: "Bürgernähe geht anders." Natürlich wollte ich wissen, ob er versucht hatte, Michael Kretschmer direkt eine Frage zu stellen. Seine Antwort: "An meinem Tisch saßen sonst nur noch Frauen."

Zum Schluss noch dieser kurze Dialog, die Rollenverteilung ergibt sich von selbst:

"Wissen Sie, wie man die Ladungstrennung durch Annäherung elektrisch geladener Körper nennt?"

"Nein."

"Influenz."

"Interessant."

"Das Lexikon liegt vor mir, sie können mir glauben."

"Das tue ich."

"Wissen Sie, was eine Influenza ist?"

"Ich denke mal, dass damit die Grippe gemeint ist, also nicht der Schnupfen, sondern die von einem Virus verursachte Krankheit."

"Das stimmt."

"Schön für mich"

"Wollen Sie wissen, warum ich Sie angerufen habe?"

"Unbedingt."

"Vor mir liegt die Zeitung vom vergangenen Donnerstag."

"Und?"

"Die Seite Kultur."

"Ja?"

"Darf ich Ihnen den ersten Satz des Artikels in der linken Spalten vorlesen?"

"Ich bitte darum."

"Der Begriff 'Influencer' ist zum Anglizismus des Jahres 2017 gekürt worden."

"Ich erinnere mich."

"Soll ich Ihnen mal was sagen?"

"Ja?"

"Ich könnte ..."

"Bitte nicht.

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