Von Lesern mir beziehungsweise über mich nach Möglichkeit der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Weisheiten und Erkenntnissen berichte ich an dieser Stelle eigentlich eher selten, weil diese Betrachtungen und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen oft etwas sehr speziell und deshalb nicht immer sich von allein erschließend sind. Bei meinen heutigen Randnotizen aus der Protokollen der Meinungsaustausche mit Lesern allerdings ist das nicht der Fall, weshalb ich ausnahmsweise einmal mit Nachdruck meine Freude darüber zum Ausdruck bringen möchte.

Episode 1: Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dass ich Leser, die mir, ohne sich vorgestellt zu haben, nur einen oder maximal zwei Sätze sagen, bevor sie wieder auflegen, hier gar nicht mehr zu zitieren, doch bei diesem möchte ich eine Ausnahme machen. Den Grund nennen ich nicht, jeder möge sich selbst einen ausdenke. Der Anrufer sagte: "Zu dem, was gerade in der Bundespolitik abgeht, fällt mir nur ein Satz ein: Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."

Episode 2: Eine Anruferin hat eigentlich auch nicht viel mehr gesagt, aber ihr möchte ich, weil ich ihren Einwand zumindest nachvollziehen konnte, nun hier die Gelegenheit geben, was sie als ihren Wunsch bezeichnete, dass die Öffentlichkeit davon erfährt, dass sie sich bei mir gemeldet hat. Es ging ihr um den Artikel "Warum müssen Obst und Gemüse in Plastik verpackt sein?". Sie meinte dazu: "Das ganz Problem gäbe es nicht, wenn in den Läden wieder Verkaufsstände gebe und man als Kunde sagen kann: Ich hätte gern sechs Möhren und zwei Kohlrabi, denn dann die Verkäuferin es in Papier einpacken und dem Kunden reichen."

Episode 3: Dass Leser den Versuch unternehmen, den politische oder gesellschaftlich Abläufe in Deutschland grundsätzlich zu analysieren, um sie dann so richtig kritisieren zu können, ist bei mir eher an der Tagesordnung, als das ich es als Ausnahme bezeichnen würde. Selten zuvor aber habe ich einem Mann persönlich so zugestimmt, wie diesem, der ein Beispiel anführte, um auf den Punkt zu bringen, was er davon hält, wie die Verantwortlichen auf die Ereignisse in Chemnitz reagieren: "Ist in einer Produktionsstraße eines Betriebes in der Elektrik einer Maschine häufig eine wichtige Sicherung defekt, so kann man diese Sicherung schnell auswechseln oder sogar noch durch eine stärkere ersetzen und die Maschine wieder in Betrieb nehmen. Diese Methode wird vielleicht einige Zeit gut gehen, aber eines Tages wird die Maschine ihren Dienst verweigern und damit die gesamte Produktionsstraße stilllegen. Produktionsausfälle bringen den Betrieb in Schwierigkeiten. Die bessere Methode wäre sicherlich, in Ruhe nach der Ursache des Sicherungsdefektes zu suchen. Vielleicht findet man dadurch einen Konstruktionsfehler, der sich erst nach einiger Zeit ausgewirkt hat. Der Fehler wird beseitigt, die Produktion kann wieder laufen und es gibt keine Probleme mehr. Bezogen auf die Vorfälle in Chemnitz kommt es mir vor, als wenn man hier nach der Methode 'Schneller Sicherungswechsel' arbeitet und nicht nach der eigentlichen Ursache der Vorgänge fragt."

Episode 4: Zum Essay "Unsere Kämpfe", in dem es um eine Betrachtung über die Angst ging, haben mich nur wenige Reaktionen von Lesern erreicht, aber die eine, die ich gleich zitieren werde, finde ich so klasse, dass ich sie mir auf einen dieser gelben Klebezettel geschrieben und diesen seitlich an meinem Computer angebracht habe: "Angst kann durch Trost ausgemerzt werden. Das kann ein Zuspruch sein, manchmal reicht eine Umarmung."

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