Ein Leser hat mir heute mitgeteilt, dass er über das Ende seines Bezuges der "Freien Presse" nachdenkt, nachdem er heute meine Kolumne "Ich meine, ich schreibe" auf der aktuellen Seite "Leserforum" gelesen hat. Wörtlich sagte er: "Ich bezahle doch nicht für eine Zeitung, in der ich lesen muss, dass mir jemand vorschreibt, was ich zu essen habe, nur damit mir hinterher meine Hühnersuppe nicht mehr schmeckt." Auf eine Diskussion wollte er sich nicht einlassen, sich auch nicht, weil ich ihm das angeboten habe, von mir den meinungsbildenden Auftrag eines seriösen Journalismus erklären lassen. Nun hoffe ich nur, dass die für den Zeitungsverkauf in unserem Hause verantwortlichen Kollegen nicht zu den Lesern meines Blogs gehören, weil ich doch jetzt möglicherweise einen Kunden verprellt habe, nur weil er sich von meinem Vorwurf einer möglichen Doppelmoral angesprochen gefühlt hat. 

Ich hatte gerade aufgelegt, da klingelte (was nicht stimmt, denn so kann man das nicht nennen, was das Telefon von sich gibt, wenn jemand anruft) es erneut: "Sie müssen Ihre Leser warnen", meinte die Frau in der Leitung und erzählte mir, dass sie gerade einen Anruf erhalten habe, bei dem nur eine Computerstimme zu hören gewesen sei, die ihr mitteilen wollte, dass sie den gegen ihre Person erwirkten Pfändungsbeschluss umgehen kann, wenn sie sich umgehend mit der dann genannten Telefonnummer in Verbindung setze. "Das ist doch garantiert eine von diesen Abzocknummern, bei denen man dann in einer Warteschleife hängen bleibt, während enorme Gebühren anfallen", erzählte sie mir und fügte hinzu, dass sie sich die Nummer aufgeschrieben habe und ich nun dafür sorgen könnte, dass sie morgen in der Zeitung steht, damit alle Leser der Zeitung sie kennen und gewarnt sind, wenn es klingelt (vielleicht gibt es noch Telefone, die das können) und sie im Display (dann doch wohl eher nicht) diese Ziffern sehen. Aber auch diese Leserin war alles andere zufrieden nach dem Gespräch mit mir, denn sie hatte leider nur wenig Verständnis dafür, dass ich ihr nur zusagen konnte, meine für die Ratgeberseiten zuständigen Kollegen darüber zu informieren, damit sie mal wieder einen Artikel über die Gefahr solcher unbekannten Anrufer ins Blatt setzen können. "Drei Zeilen, meinetwegen gleich auf der ersten Seite, das kann doch so schwer nicht sein", meinte die Anruferin, die von der Eigenverantwortung der Menschen, über die ich noch mit ihr reden wollte, gar nichts hält und sich (nicht einmal freundlich) von mir verabschiedet hat.

Schmunzeln durfte ich heute aber auch einmal. Ein Leser hat sich bei mir gemeldet, nachdem er die Meldung "Keine Namen mehr auf Klingelschild" in der Zeitung gelesen hatte. Darin heißt es: "In Wien verlieren rund 220.000 Mieter die Namensschilder an ihren Türklingeln, weil ein Bewohner sich über mangelnden Datenschutz beschwert hat." Der Mieter einer Gemeindewohnung habe dabei auf die EU-Datenschutzgrundverordnung verwiesen (...). Der Mann meinte, seine Privatsphäre sei nicht genügend geschützt, wenn sein Name auf dem Klingelschild stehe. Juristen hätten dies bestätigt. Der Leser meinte: "Wie weit soll denn der Datenschutz noch ausufern? Man kann es ja jetzt wirklich total übertreiben. Ich werde jetzt versuchen der Polizei die Genehmigung zu entziehen, mich zu blitzen, denn da ist ja mein Gesicht zu sehen, und das gebe ich nicht frei."

Weitere Blog-Einträge